Ausbildungsmesse Future.gram Bindlach: Jede Menge Infos und Kontakte

Von und Manuel Semmelmann

An diesem Mittwoch und am Donnerstag findet in der Bindlacher Bärenhalle die Ausbildungsmesse Future.gram statt. Sie führt Betriebe und Jugendliche zusammen.

Bindlach - Zwei Jahre hat Corona ein Format wie eine Ausbildungsmesse kaum zugelassen. Und so ist der Tenor auf der Futuregram, die der „Nordbayerische Kurier“ gerade in der Bindlacher Bärenhalle veranstaltet: „Endlich ist das wieder möglich.“

Schließlich suchen viele Betriebe intensiv nach Nachwuchs, der immer schwerer zu finden ist. Zumindest den Grundstein dafür kann man auf der Futuregram legen, da sind sich viele der 90 Aussteller sicher. Zumal sich die insgesamt gut 1300 Schüler aller Schularten aus Stadt und Landkreis, die am Mittwoch und Donnerstag meist mit Bussen zur Messe gebracht werden, ebenfalls sehr interessiert zeigen. Das ist schon an der hohen Zahl von 1100 fest gebuchten Speed-Datings abzulesen, bei denen sich Jugendliche und Unternehmensvertreter für 15 Minuten austauschen.

Ein bisschen schüchtern sind manche der jungen Leute aber auch. Da ist man im Vorteil, wenn man auffällt. So hält man das zum Beispiel bei Bechert. Am Stand des Bayreuther Elektro-Sanitär-Heizungsbetriebs kann man mit Bällen auf kleine Basketballkörbe werfen und etwas gewinnen.

Dabei kommt Luis Riemann schnell mit den jungen Leuten ins Gespräch. „In ihrer Sprache und auf Augenhöhe“, sagt der 20-Jährige, der seine Ausbildung zum Elektriker gerade abgeschlossen hat. „Unsere Abteilung Attacke“, nennt ihn Meister Werner Kauper, der die Messe als wichtiges Instrument sieht, um die Jugendlichen zumindest für ein Praktikum zu begeistern. Wobei es Louis Riemann wichtig ist, auch mehr Mädchen fürs Handwerk zu begeistern.

Das sieht auch Michael Hopf so, der sich nicht nur mit seiner Firma präsentiert. Als Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik hat er auch einen Innungsstand nach Bindlach geholt, an dem die Jugendlichen selbst Hand anlegen und mit Kupferrohren hantieren können. „Jungenberufe, Mädchenberufe – das können wir uns schon lange nicht mehr leisten“, sagt Hopf, der versucht, den Jugendlichen nahezubringen, „dass ja das Handwerk die Energiewende vor Ort umsetzt. Wenn die Jugendlichen das realisieren, sind sie oft ganz erstaunt – und noch interessierter.“

Vor der Halle hat derweil in einer Art Zeltstadt neben anderen Unternehmen die Kulmbacher ihr Lager aufgeschlagen – und ihre mobile Brauerei mitgebracht. Peter Georgius aus dem Marketing und Jonas Schütz, Auszubildender zum Brauer und Mälzer im ersten Lehrjahr, haben schon einen Sud angesetzt. Klar, dass das die Jugendlichen anzieht. Und zu Gesprächen anregt, die dann auch schnell konkret werden können, sagt Schütz.

Regelrecht begeistert von der Messe ist Stephanie Schreiner, Juniorchefin des Hotels Kaiseralm in Bischofsgrün. Auch die berichtet von vielen Terminen und Gesprächen. „Da sind wir positiv überrascht“, sagt sie. Sie will auch das Image der Branche weiter aufpolieren, erzählt davon, dass man mit einer fundierten Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie in der ganzen Welt arbeiten könne. Und von den gerade deutlich erhöhten Tariflöhnen. Allerdings: Dass oft gearbeitet wird, wenn die anderen feiern, das sei so. „Man muss es wollen, anderen ein schönes Erlebnis zu bereiten.“

Nicht ganz so euphorisch ist die Stimmung bei den Gesundheitsberufen. Am Stand des Klinikums, etwa berichten Heike Forstner und Gabriele Angermann von „guten Gesprächen, es dürften aber ruhig ein paar mehr sein“. Immerhin: Es fragen gezielt junge Leute nach, die im sozialen Bereich arbeiten wollen.

Carla Pöhlmann sreift mit ihrer Mutter Cynthia über die Messe. Sie steuert am GCE aufs Abitur zu und will was „im wirtschaftlichen Bereich“ machen. Beraten lässt sie sich unter anderem am Stand von Cybex, wo gerade auch Florian Ritter seinen Lebenslauf bei Personalreferentin Sophia Schönhammer abgibt. Der 25-Jährige ist auf der Suche nach einer Umschulung, weil er seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann. Für Schönhammer einer von mehreren erfolgversprechenden Kontakten.

Und was sagen die Jugendlichen sonst so zur Messe? „Sehr interessant und gut beraten“, fühlen sich etwa Najat Muhammed (19) und Ahlam Alsayedah (18) nach ihrem 15-minütigen Gesprächstermin am Stand der bayerischen Polizei. Doch auch für Pflegeberufe interessieren sich die beiden, die auf die Städtische Wirtschaftsschule gehen. Wie viele andere sind sie noch in der Orientierungsphase und finden dabei die Angebote auf der Messe hilfreich.

Andriko Seitz (17) geht aufs MWG und fand unter anderem die Angebote der Baufirma Züblin und des Textil-Discounters NKD interessant. Er könnte sich ein duales Studium vorstellen und findet die Messe trotz einiger entsprechender Angebote für sich etwas zu ausbildungsorientiert. Trotzdem fand er die vorgestellten Ausbildungsmöglichkeiten informativ und die Personen an den Ständen „freundlich und zugänglich“.

Am Stand für den Ausbildungsberuf der Zahntechnikerin hat Jessica Salt (16) erfahren, dass dieser „viele Karrieremöglichkeiten“ bietet. Sie würde sich gerne nach ihrem Abitur in die „medizinische Richtung“ orientieren und sieht in dem Berufsfeld eine „große Vielfältigkeit“.

Dennoch sagen viele der Schüler, dass sie auch nach dem Besuch der Messe noch unsicher über ihre endgültige Berufswahl sind. Aber das ist auch nicht Sinn der Sache. Vielmehr geht es um Informationen und Kontakte, die später zur Ausbildung führen können. Der richtige Weg, davon sind die Aussteller und die Macher des „Kuriers“ überzeugt.

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