Ausbildungsmesse Auf dem Markt der Möglichkeiten

BAYREUTH. Zaghaft geht Tim Baumgärtner von Tisch zu Tisch. Dahinter warten Arbeitgeber auf ihn, die Bewerber suchen. Tim Baumgärtner ist 20 Jahre alt. Er hat gerade Abi gemacht. Vorher hat er sich meistens mit dem Bundesfreiwilligendienst beschäftigt. An eine Berufsausbildung hat er da noch nicht gedacht. Aber jetzt wird es Zeit.

Für junge Leute wie Tim Baumgärtner veranstaltet die Bundesagentur die Ausbildungsmesse. Der 20-Jährige will wissen, was läuft. „Den Freiwilligendienst kann ich immer noch machen. Ich möchte jetzt erst mal schauen, was mir sonst noch offensteht.“

Quasi auf den letzten Drücker

Tim ist einer von 400 geladenen Schülern in der Arbeitsagentur. Seine Gesprächspartner aus den Betrieben scheinen einen guten Eindruck zu haben, wie er vor ihnen sitzt. Im blaugrauen, gebügelten Hemd. Das hatte die Arbeitsagentur auch so empfohlen. Die jungen Leute sollten sich so anziehen, als würden sie zu einem richtigen Vorstellungsgespräch gehen. Denn unter dem Motto #Ausbildungklarmachen können die Schulabgänger, aber auch Quereinsteiger, Praktika vereinbaren und Bewerbungsgespräche führen. Sozusagen auf den letzten Drücker vor dem Ausbildungsbeginn im September. Auf dem Markt der Möglichkeiten. Die meisten Ausbildungsmessen sind bereits Anfang des Jahres gelaufen. Allerdings haben sich die jungen Leute im Januar meistens noch keine Gedanken darüber gemacht, welchen Verpflichtungen sie sich acht Monate später stellen müssen.

Die Qual der Wahl

„Und erst dann, wenn sie die Zeugnisse in den Händen halten, merken sie, dass es vielleicht doch Zeit ist, sich über den weiteren Weg Gedanken zu machen“, sagt Evelyn Kannhäuser, Pressesprecherin der Arbeitsagentur. Sie kennt die Probleme, die damit verbunden sind. So geht es vielen Abgängern. Wer die Wahl hat, hat auch die Qual: Wie Evelyn Kannhäuser sagt, gibt es jedes Jahr mehr Studienfächer, als die 20 000 bereits bestehenden Studiengänge. Hinzu kommen noch 330 Ausbildungsberufe. Vielleicht wird dem einen oder anderen bei diesen Zahlen klar, dass sich einiges verändert hat. „Man kann seine Kinder nicht mehr warnen, nicht in die Textilindustrie zu gehen, die vor 30 Jahren augenscheinlich keine Zukunft mehr hatte. Heute kann man zum Beispiel auch Designer oder Textiltechniker werden – die Zeiten haben sich geändert“, sagt die Pressesprecherin.

Viele Eltern sind da

Auch die Vorstellung, man müsse nach der Lehre bis zur Rente den gleichen Beruf ausführen, ist längst überholt. Die 19-jährige Lena Zahn möchte ihre Ausbildungsstelle wechseln. „Mir hat es vorher nicht gefallen. Ich möchte lieber in eine andere Richtung gehen“, sagt sie. Mit dem Wunsch steht sie nicht allein. Fast die Hälfte der regionalen Bewerber ohne Ausbildungsstelle haben vorher etwas anderes gelernt. Auf der Messe trifft man nicht nur auf Schüler und Studenten. Jeder Zweite, der einem über den Weg läuft, ist ein Elternteil. Auch das ist der Agentur wichtig. Denn Eltern gelten als wichtigste Berater in diesem Lebensabschnitt der jungen Leute.

Einige Eltern sind ohne ihre Kinder gekommen. Sie holen sich Ratschläge. Für Tim Baumgärtner ist der Nachmittag gut gelaufen. Er hat eine Reihe von Gesprächen geführt und ist zufrieden. Zaghaft wird er sich künftig nicht mehr bei einem Arbeitgeber vorstellen. Lena Zahn hat gefunden, was sie suchte. Sie weiß jetzt, welche Wege ihr offenstehen. Beide gehen nach Hause und überlegen, wie sie vorgehen wollen.

 

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