Aus BioBio wird Denn's Maria Zeußel schließt ihre Geschäfte

Zeit für etwas Neues: Bio-Pionierin Maria Zeußel und ihr Mann Willibald König-Zeußel ziehen sich aus dem Bio-Bussiness zurück. Das Geschäft im Gutenberghaus (Bild) wird ein Denn’s Bioladen, der BioBio in der Telemannstraße geschlossen. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Erst schließt sie den einen, dann den anderen Bio-Laden: Maria Zeußel, Pionierin des Bayreuther Bio-Fachhandels, trennt sich von ihren Geschäften. Zum 30. Juni übergibt sie ihr Geschäft BioBio im Gutenberghaus an den Bio-Großhändler Dennree. Während dieser den Bio-Fachhandel dort unter dem Logo Denn’s Biomarkt fortsetzt, müssen sich die Kunden des BioBio-Marktes in der Telemannstraße eine Alternative suchen. Am 30. September öffnet Maria Zeußel das Geschäft zum letzten Mal. Einen Nachfolger wird es nicht geben.

Die offizielle Begründung Maria Zeußels für ihren Ausstieg aus dem Verkauf von Bio-Produkten? Sie wolle mehr Zeit für ihre mittlerweile fünf Enkelkinder haben, sagt die 63-Jährige. Und natürlich für ihren Mann Willibald. Der studierte Lehrer hat sich in den vergangenen Jahren sieben Jahren vom Lehrerdasein befreien lassen, um seine Ehefrau in den beiden Bio-Fachgeschäften tatkräftig zu unterstützen. Vor einem Jahr wurde der 66-Jährige pensioniert. Nach 18 Jahren Telemannstraße und etwas mehr als fünf Jahre Gutenberghaus beginnt für „uns ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Maria Zeußel.

Finanzielle Gründe seien nicht maßgeblich für ihren Rückzug, betont die gelernte Steuergehilfin, und will damit entsprechenden Gerüchten zuvorkommen. Beide Geschäfte würden einen guten Umsatz verzeichnen. Aber, will sie nicht verhehlen: Die Umsatzzuwächse von jährlich zehn Prozent, wie in den Anfangsjahren in der Telemannstraße, seien heute nicht mehr gegeben. Es gebe kein Wachstum mehr, sagt Willibald König-Zeußel. Aber auch keinen Rückgang. Verantwortlich für den Umsatz-Stillstand in den Bio-Fachgeschäften sei der Umstand, dass die Konzerne der Lebensmittelbranche – vom Discounter bis zum Edel-Einkaufsmarkt – auf den Bio-Zug aufgesprungen sind. Und mit ihren günstigeren Preisen eine ernst zunehmende Konkurrenz darstellen.

Aber, merkt Maria Zeußel an: Eine Konkurrenz, die mit dem Ursprungsgedanken des Bio-Handels – ökologische Produktion in der Region, kurze Lieferwege und gesunde Ernährung zu fairen Preisen – nichts am Hut habe. „Die Waren kommen heute aus weit entfernten Ländern. Kann jemand garantieren, dass die Zertifizierung dieser angeblichen Bioprodukte wirklich mit rechten Dingen zugeht“, fragt Maria Zeußel. Die Unternehmerin, die 1985 mit der Eröffnung des Bio-Fachgeschäftes Hollerbusch in der Alexanderstraße zur Pionierin der Bio-Welle in Bayreuth avancierte, fühlt sich auch heute noch der Philosophie verpflichtet, mit der sie schon damals an den Start ging: ökologisch-nachhaltig erzeugte Produkte, faire Bezahlung der Produzenten und gegenseitige Wertschätzung. Hinzu komme der Anspruch auf tierversuchsfreie und kontrollierte Waren wie zum Beispiel Naturkosmetik.

Um ihrem Anspruch gerecht zu werden, haben Maria Zeußel und ihr Mann und Willibald keine Weg gescheut, sich vor Ort bei den Produzenten der im BioBio verkauften Waren persönlich von der Qualität zu überzeugen. Und haben dabei, wie sie betonen, immer besonderen Wert auf gegenseitige Wertschätzung und auf Transparenz gelegt. „Das ist heute“, ist Maria Zeußel überzeugt, „wichtiger denn je, wenn man weiß, dass Betriebe zertifiziert werden, die nach meiner Meinung nicht zertifiziert werden dürften.“ Dabei sei es gerade in der Bio-Branche immens wichtig zu wissen, was man isst, woher das Produkt kommt und wer es herstellt. Bei den Konzernen und den von ihnen vertriebenen Produkten habe sie so ihre Zweifel.

Vollständig ins Privatleben zurückziehen werden sich Maria und Willibald Zeußel aber nicht. Die ehemalige Kreisrätin der Grünen und der in Creußen amtierende Grünen-Stadtrat wollen sich auch weiterhin einsetzen dafür, die regionale Herstellung gesunder Produkte zu forcieren. Gemeinsam mit Mitstreitern tüfteln sie an der Gründung einer Regionalwert Aktiengesellschaft. Vielleicht mündet dieses Engagement in der Eröffnung einer Ladens für ausschließlich regionale Produkte. Vielleicht steht Maria Zeußel auch wieder hinter dem Tresen.

 

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