Passiert demnächst etwas mit dem alten Lokschuppen am Bahnhof Warmensteinach? Eine Antwort auf diese Frage ergab sich am Freitag (noch) nicht, als das Gebäude samt 3200 Quadratmetern Fläche in Berlin versteigert wurde. Der Ersteigerer, der für 10 500 Euro den Zuschlag bekam, war nicht persönlich anwesend. Er hatte sich per Telefon zuschalten lassen; ein Mitarbeiter des Auktionshauses hob für ihn die Bieterkarte. Zusätzlich zum Preis muss der Käufer noch 11,9 Prozent Courtage für das Auktionshaus Karhausen, 3,5 Prozent Grunderwerbssteuer sowie Notarkosten berappen.

„Ein Immobilienprofi“, verriet Aukionator René Silva später auf Nachfrage über den Käufer – mehr allerdings nicht. Ob dies die Hoffnung rechtfertigt, dass auf der Fläche an der Bahnhofstraße etwas passiert, bleibt abzuwarten. Das Mindestgebot für das Gebäude, dessen Zustand als „stark sanierungsbedürftig beziehungsweise abrissreif“ beschrieben wurde, hatte bei 9500 Euro gelegen. Bei lediglich zwei Interessenten dauerte der „Bieterkampf“ keine zwei Minuten.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Areal versteigert wurde. Im Dezember 2017 kam es für das damalige Mindestgebot von 3000 Euro unter den Hammer – allerdings bei einem anderen Berliner Auktionshaus. Damals hatte die Deutsche Bahn das Areal verkauft. Nun gab er es weiter. Nicht ungewöhnlich für den Staatskonzern, der auf diesem Weg regelmäßig Objekte aus dem ganzen Bundesgebiet verkauft, die er nicht mehr benötigt.

Kurz vor der öffentlichen Versteigerung am Freitag, bei der – im Gegensatz zu einer Zwangsversteigerung – die Grundstückseigentümer ihre Flächen freiwillig an den Meistbietenden verkaufen, war es noch zu einer Meinungsverschiedenheit zum Baurecht gekommen. Hatte der aktuelle Besitzer das Objekt im Katalog noch als im Innenbereich gelegen angekündigt, so teilte die Gemeindeverwaltung wenige Tage vor der Auktion mit, dass es sich um eine Außenbereichsfläche handele – eine Einschätzung, die schnelles Neubauen weitgehend unmöglich macht. Die Gemeinde monierte auch eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger durch vom Dach herabfallende Schieferplatten.

So imposant das Natursteinmauerwerk auch wirkt – die chemischen Substanzen, mit denen auf dem Gelände gearbeitet wurde und die in den Boden gelangt sein könnten, klingen nicht unproblematisch. So führt ein Gutachten aus dem Jahr 1999, das teilweise im Versteigerungsexposé enthalten ist, mehrere Problembereiche auf. Etwa von 1905 bis zum Ende der 1960er Jahre seien zunächst Dampf-, dann Diesellokomotiven gewartet dort gewartet worden. In den Montagegruben wurden die Fahrzeuge abgeschmiert und entschlackt. Dass Schmieröle und Reinigungsmittel in den Boden gelangt sind, halten die Gutachter für wahrscheinlich.

Das Material, das bei der Entschlackung der Dampfloks anfiel, sei möglicherweise zum Verfüllen von Gruben genutzt worden und könnte Schwermetalle enthalten. Zudem befand sich auf dem Gelände in den 1980er Jahren ein später abgebauter Heizöltank der Raiffeisenbank Weidenberg.