Aufstieg zur Vertainspitze Fünf deutsche Bergsteiger in Südtirol durch Lawine getötet

Markus Brauer/

Auf dem Weg zur 3545 Meter hohen Vertainspitze im Ortlergebirge reißt ein Schneebrett sieben Bergsteiger in 3200 Meter Höhe mit sich. Drei sind bereits tot geborgen. Für zwei weitere besteht nach Angaben der Retter keine Hoffnung mehr. Zwei überleben.

Bergsteiger beim Aufstieg zur Vertainspitze im Ortlergebiet (Symbolbild): Das Unglück ereignete sich am 1. November kurz vor 16 Uhr in der Nordwand unterhalb des Gipfels auf etwa 3200 Metern Höhe. Die Deutschen waren dort nach jüngsten Angaben der Bergwacht in drei Gruppen unterwegs. Eine Dreiergruppe und zwei Zweiergruppen. Foto: mago/Imagebroker

Bei einem Lawinenunglück in Südtirol sind nach Angaben der italienischen Bergwacht in Sulden fünf deutsche Bergsteiger ums Leben gekommen.

Nach der Werbung weiterlesen

Ausblick auf verschneite Gipfel im alpinen Hochgebirge von der Vertainspitze, Cima Vertana, Laaser Ferner, Ortler-Alpen, Nationalpark Stilfser Joch, bei Sulden, Solda Foto: Imago/Imagebroker

Auf dem Weg zur 3545 Meter hohen Vertainspitze

Die Urlauber seien beim Aufstieg zur 3545 Meter hohen Vertainspitze im Ortlergebirge von der Schneelawine erfasst worden. Zwei Männer und eine Frau wurden bereits tot geborgen. Zwei weitere Deutsche, die noch vermisst werden, seien ebenfalls „mit Sicherheit“ tot, sagte ein Sprecher. Die Suche musste am Abend wegen der Dunkelheit unterbrochen werden.

Das Unglück ereignete sich kurz vor 16 Uhr in der Nordwand unterhalb des Gipfels auf etwa 3200 Metern Höhe. Die Deutschen waren dort nach jüngsten Angaben der Bergwacht in drei Gruppen unterwegs. Eine Dreiergruppe und zwei Zweiergruppen.

Zwei 50-Jährige haben überlebt

Ein Hubschrauber der Bergrettung fliegt über den Ortler (Standbild aus einem Video). Foto: Bergrettung Italien/dpa
Sonnenaufgang über dem Ortler in den Ortler-Alpen in Südtirol. Foto: Philipp Laage/dpa
Wanderin beim Aufstieg zur Tschenglser Hochwand oberhalb der Düsseldorfer Hütte in Sulden, hinten die Vertainspitze. Foto: Imago/Imagebroker
Kletterer beim Aufstieg über dem Klettersteig zur Tschenglser Hochwand oberhalb der Düsseldorfhütte in Sulden, hinten der Hohe Angulus, die Vertainspitze und die Königsspitze mit dem Suldental. Foto: Imago/Imagebroker
Bergsteiger beim Aufstieg zur Vertainspitze. Foto: Imago/Imagebroker

Zwei Männer im Alter von 50 Jahren hätten das Unglück überlebt, sagte der Sprecher der Bergrettung Sulden, Olaf Reinstadler, am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Diese beiden hätten auch den Alarm ausgelöst.

Nach einer Frau und einem Mann wird noch gesucht

Zum Alter und zur Herkunft der Todesopfer gab es von offizieller Seite zunächst keine genaueren Angaben. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, bei den Toten aus der Dreiergruppe handele es sich um zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen etwa 30 und 50 Jahren.

Bei den beiden Vermissten, die ebenfalls für tot gehalten werden, handelt es sich nach Reinstadlers Angaben um eine Frau und einen Mann.

Nordwand gilt als „hochalpine Eistour“

Dem Bergwacht-Sprecher zufolge bestand am Samstag (1. November) keine besonders große Lawinengefahr. Möglicherweise habe sich die Lawine infolge starker Verwehungen gelöst, weil der neu gefallene Schnee noch nicht ausreichend mit dem Untergrund verbunden war.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatten sich die drei Gruppen unabhängig voneinander am Morgen auf den Weg zum Gipfel gemacht. Unter Bergsteigern gilt die Nordwand als „hochalpine Eistour“, für die Seil und eine komplette Ausrüstung für Eisklettern erforderlich sind.

Bergsteiger beim Aufstieg zur Vertainspitze. Foto: Imago/Imagebroker
Ausblick auf verschneite Gipfel im alpinen Hochgebirge von der Vertainspitze, Cima Vertana, Laaser Ferner, Ortler-Alpen, Nationalpark Stilfser Joch bei Sulden Foto: Imago/Imagebroker

Mehrere Grate führen zum Gipfel der Vertainspitze

Die Vertainspitze (italienisch: Cima Vertana) ist mit 3545 Metern der höchste Berg der Laaser Berge in den Ortler-Alpen, einem Gebirge der südlichen Ostalpen. Er liegt in der italienischen Provinz Südtirol und ist Bestandteil des Nationalparks Stilfserjoch.

Nach Nordosten, Südosten und Nordwesten ist der Gipfel über ausgeprägte Grate begehbar. Wegen seiner eindrucksvollen Rundsicht nach allen Seiten und seiner leichten Erreichbarkeit durch Seilbahnen ist er von Sulden aus ein auch im Winter oft begangener Gipfel.

Zuerst bestiegen wurde die Vertainspitze am 28. August 1865 von Julius Payer, dem Bergführer Johann Pinggera, sowie einem namentlich nicht bekannten Träger, der sich ihnen angeschlossen hatte.

Suche soll am Sonntag weitergehen

Die Vertainspitze oberhalb von Sulden ist wegen ihrer Rundsicht nach allen Seiten ein viel begangener Gipfel. Die Suche soll am Sonntagmorgen (2. November) bei Tageslicht fortgesetzt werden. Die Rettungskräfte haben neben einem Hubschrauber auch mehrere Drohnen sowie Wärmebildkameras im Einsatz.

Die Todesopfer aus der Dreiergruppe wurden bereits nach unten ins Tal gebracht. Nach Angaben der Bergwacht waren in dem Gebiet ansonsten keine Bergsteiger unterwegs.

Südtirol gehört rund ums Jahr unter deutschen Urlaubern zu den besonders beliebten Gebieten in Italien. Höchster Berg der Region ist der Ortler mit 3.905 Metern. An den Rettungsarbeiten sind neben der Bergwacht auch die italienische Finanzpolizei und die Feuerwehr beteiligt.