Zuviel des Guten Aufsess: Wohin mit der Windkraft?

AUFSESS. Der Gemeinderat befasste sich erneut mit der Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen durch den Planungsverband Oberfranken-Ost. Nachdem in der vergangenen Sitzung der Regionsbeauftragte für den Planungsverband, Martin Füßl, den Gemeinderat informierte, trug nun Bürgermeister Ludwig Bäuerlein seine „Stichpunktliste“ zu diesem Thema vor.

In der Gemeinde Aufseß sind nach dem aktuellen Plan drei Vorranggebiete vorgesehen. Zwei liegen zwischen Sachsendorf und Hollfeld neben der Staatsstraße und eins liegt zwischen dem Aufseßer Sportplatz und Neuhaus. Die Gemeinde hat nun Gelegenheit, bis Ende Juli zu dem Plan Stellung zu nehmen. Bäuerlein sagte, dass die Frist zu eng bemessen sei, um fundierte Untersuchungen über die geplanten Standorte anzustellen und die Bürger in angemessener Weise zu beteiligen. Er habe deshalb schriftlich Fristverlängerung beantragt, jedoch noch keine Antwort erhalten.

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Angst um Tourismus-Rückgang

Bäuerlein bemängelte, dass die Planungen nicht zeitgleich mit denen der Planungsregion Oberfranken-West laufen, denn die Gemeinde Aufseß grenze an dieses Gebiet, so dass weitere Standorte in ihrer Nähe der Gemeinde zu erwarten seien. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren den Tourismus ausgebaut. Durch eine Verschandelung der Landschaft sei ein Rückgang zu erwarten. Ein geplantes Vorranggebiet liege direkt am Brauereienwanderweg und am Fränkischen Gebirgsweg.

Bäuerlein zweifelte die ausgewiesene Windkraftstärke und somit die Rentabilität für Investoren an. Während bei den Planungen im Jahr 1997 noch von vier Metern pro Sekunde ausgegangen worden sei, würden mittlerweile sechs Meter angenommen. Die Planungen der übergeordneten Behörde bedeuteten einen Eingriff in die gemeindliche Planungshoheit, sagte Bäuerlein. Er würde Standorten in der Nähe von Städten, die wegen ihrer Industrie auf eine stärkere Stromversorgung angewiesen sind, den Vorzug geben.

Überproportionale Versorgung

Verwundert sei er, dass andere touristische Gebiete wie das Fichtelgebirge, die innere Fränkische Schweiz, das Hummeltal und das Ahorntal aus dem Plan herausgenommen werden, die Gemeinde Aufseß jedoch, die ebenso in der Fränkischen Schweiz liegt und gleichwertig schützenswert Landschaft aufweise, jedoch nicht. Außerdem werde die Gemeinde im Vergleich zu anderen Gebieten überproportional mit Vorranggebieten versorgt. Durchschnittlich seien 1,2 Prozent der Fläche eingeplant, in Aufseß jedoch fast vier Prozent. Auch seien Problematiken wie Disko-Effekt und Geräuscheinwirkungen nicht außer Acht zu lassen.

Gemeinderat Ernst Rothenbach wies darauf hin, dass beim Anhörungsverfahren nur sachliche regionale Belange vorgetragen werden können, die allgemeine Vorgehensweise und generelle Probleme wie der oft kritisierte Disko-Effekt könne nur über die politische Ebene behandelt werden. Stellvertretender Bürgermeister Alfred Saam sagte, dass sich Neuhaus und Sachsendorf mit zwei Biogasanlagen und vielen Photovoltaikanlagen überproportional im Verhältnis zur Bevölkerung für regenerative Energien entschieden haben. Gemeinderätin Berta Rudrof teilte mit, dass sich nicht alle Sachsendorfer der Windkraft verschlössen, sondern auch einige Befürworter zu finden seien. Einige Räte waren deshalb der Ansicht, man könne sich auf den der drei Standorte einigen, der am wenigsten andere oder kommunale Belange beeinträchtige.

akw