Auf Corona-Vorschriften reagiert Firmen und Ämter als Musterknaben

Frank Heidler
Einlasskontrolle am Drehkreuz beim KSB-Werk in Pegnitz: Bei vollständig geimpften und genesenen Mitarbeitern ist dieser Status auf ihrem Betriebsausweis gespeichert und berechtigt zum Passieren. Foto: Frank Heidler

In kürzester Zeit haben heimische Betriebe, Behörden und medizinische Einrichtungen die unter dem Druck der vierten Corona-Welle verabschiedete Testpflicht umgesetzt. Das ergab eine nicht für alle repräsentative Umfrage im Verbreitungsgebiet. Hier die Details.

Pegnitz - Bei der Testpflicht habe man „entsprechend den ge­setzlichen Vorgaben“ die 3-G-Pflicht für Mitarbeiter eingeführt, sagte ZF-Sprecher Andreas Kohlmeyer. Will heißen: Ungeimpfte müssten sich „vor Ort an der Pforte testen lassen“.

Unmissverständlich erklärte dieser auch für den Standort Auerbach: „Keiner kommt ungeimpft ohne Test auf das Werksgelände.“ Für die Zusatzarbeit an der Auerbacher Pforte sei sogar das dortige Team um zwei bis drei Personen verstärkt worden. Die jetzigen neuen Regelungen funktionierten „reibungslos“.

Überraschung an Pforte

Lediglich am ersten Tag nach der Verkündigung der Vorschriften durch den Gesundheitsminister habe es eine „große Überraschung“ bei den Mitarbeitern gegeben. Seitdem gelte auch die Vorgabe, dass möglichst viele ZF-Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten sollten.

„Das hat uns der Gesetzgeber ins Gebetbuch geschrieben“, erklärte der deutschlandweite KSB-Sprecher Wilfried Sauer, der gleichzeitig die „Corona“-Taskforce leitet. Inzwischen sei bei jedem der circa 5000 deutschen KSB-Mitarbeiter „auf dem Werksausweis“ der aktuelle Impfstatus hinterlegt. Der genesene oder geimpfte Mitarbeiter müsse also nicht mehr vom Pförtner kon­trolliert werden, sondern könne „gleich beim Drehkreuz durchgehen“. Sauer erinnert sich an die Einführung: „Das ging erstaunlich gut.“

Diese neue technische Lösung habe einen „einmaligen Aufwand“ erfordert, sorge aber nun für große Erleichterungen beim Zugang zum Firmengelände.

Nach einer Abfrage bei Beschäftigten liege bisher die Impfquote von Mitarbeitern „bei etwa 80 Prozent“. Wer dagegen zu den verbleibenden 20 Prozent gehöre, müsse sich täglich testen lassen. Was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. „Wir suchen dafür noch eine stabile, dauerhafte Lösung.“

Mitarbeiter würden aktuell in einem Nebenraum neben der Pforte getestet. Für diese entsteht also eine zusätzliche, viertelstündige Wartezeit, „bevor sie einstempeln können“. Bei großem Andrang dauere es möglicherweise entsprechend länger.

Innerbetrieblich läuft eine erneute Kampagne fürs Impfen. Nach erfolgter Erstimpfung sind die Tests bis zur Zweitimpfung mit vollem Impfschutz gratis für Impfwillige. Das zahlt das Unternehmen seinen Beschäftigten. So soll die Impfneigung weiter gefördert werden. Außerdem werde in der KSB „ab Dezember“ wieder auf Wunsch die Erst-, Zweit- und Boosterimpfung verabreicht.

Natürlich wird das Testen und Impfen auch an der Auerbacher Johannes-Klinik ernst genommen. „In den Eingangsbereichen des St. Anna-Krankenhauses und der St. Johannes-Klinik“ in Auerbach seien für Mitarbeiter sogenannte „Test-Loungen“ eingerichtet worden, schilderte Sprecherin Marie Ehras für die beiden Landkreiskliniken im Raum Amberg-Sulzbach auf Anfrage die jetzige Praxis.

Genesene oder geimpfte Be­schäftigte würden zweimal pro Woche per Antigentest getestet. „Die geringe Anzahl ungeimpfter Mitarbeiter führt täglich vor Arbeitsbeginn einen Antigentest durch.“ Insgesamt liege die Impfquote gegenwärtig „bei 92 Prozent“.

Ambulante Patienten hätten „unabhängig vom G-Status jeweils ein aktuelles Testzertifikat vorzulegen“. Bei stationären Erkrankten werde „bei Aufnahme ein PCR-Test“ durchgeführt. Für Besucher gelte die 2-G-plus-Regel.

„Bei uns in der Praxis gibt es eine tägliche Überprüfung, wir machen das routinemäßig“, erklärte der Michelfelder Zahnarzt Dr. Heinrich Krodel gegenüber der Redaktion. Bezahlt würden die täglichen, je 3,50 Euro teuren Tests für seine fünf Mitarbeiterinnen von ihm als Praxisinhaber. Generell hält Dr. Krodel die Testpflicht am Arbeitsplatz für „ein gesamtgesellschaftliches Problem“, das nicht zulasten einzelner Berufsgruppen gehen dürfe. Beschäftigte der Stadt Pottenstein würden täglich „unter Aufsicht“ Selbsttests am Arbeitsplatz durchführen. Das bestätigte der Ge­schäftsleitende Beamte Gerhard Thiem-Förster.

Geimpfte und Genesene seien von dieser Regelung ausgenommen. Sie müssten nicht getestet werden. Bei der Frage nach den Kosten sagte er wörtlich: „Die Selbsttests zahlen noch wir.“ Testpflichtig sei ohnehin nur ein „überschaubarer, kleiner Anteil“.

Testpflicht auch für ungeimpfte Polizisten der Pegnitzer Inspektion. „Das klappt sehr gut“, erklärte der frischgebackene Inspektionsleiter Harald Düplois. Diese Tests würden in einem „gesonderten Raum“ des Pegnitzer Polizeireviers durchgeführt. „Bis auf wenige Ausnahmen“ seien alle Polizisten ohnehin ge­impft, sagte er weiter. Und ergänzte auf Anfrage, dass Kontrollen zur Umsetzung der neuen Hygieneschutzverordnung grundsätzlich vom Landratsamt erledigt würden. Gelegentlich werde die Polizei hier aber „unterstützend“ tätig.

Angebot an Mitarbeiter

„Zutritt zur Sparkasse haben nur mehr geimpfte, genesene oder getestete Beschäftigte“, sagte der Bayreuther Sparkassen-Sprecher Markus Zweck. Dies werde durch die jeweilige Führungskraft kontrolliert und dokumentiert. Das heimische Geldinstitut stellt jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin pro Woche zwei Selbsttests zur Verfügung. Zweck: „So können sich auch Genesene oder Geimpfte regelmäßig testen.“

Nur der Vollständigkeit halber fügt er hinzu: „Soweit ein Beschäftigter sich generell weigert, vor dem erstmaligen Zutritt am Arbeitstag einen 3G-Nachweis vorzulegen, wird ihm der Zutritt zur Sparkasse und zu seinem Arbeitsplatz versagt.“ Aber dazu sei es in der Praxis „noch nie“ gekommen.

 

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