Auf Druck einer Bürgerinitiative Hollfeld: Stadträte setzen dem Bürgerwindpark bei Krögelstein ein Ende

Von Thorsten Gütling

Ungläubiges Staunen und geballte Fäuste im Hollfelder Rathaus. Der Stadtrat hat den jahrelangen Planungen der Stadt, bei Krögelstein Windräder zu bauen, ein Ende gesetzt. Die Entscheidung fiel mit zwölf zu sechs Stimmen überraschend deutlich aus. Zuvor hatten Stadträte geschildert, von der Bürgerinitiative Jurawindpark unter Druck gesetzt worden zu sein.

Die Windkraftgegner haben gesiegt. Der Stadtrat kam einem zweiten Bürgerbegehren zuvor und zwang die Stadt dazu, sich künftig zur sogenannten 10-H-Regel zu bekennen. Foto: red

Bei Krögelstein hatte die Stadt geplant, drei Windräder zu bauen. Seit November vergangenen Jahres gibt es die 10-H-Regel: Windräder sollen mindestens zehnmal so weit von Wohnhäusern entfernt stehen, wie sie hoch sind. Zu Krögelstein hätten die Windräder den Abstand eingehalten. Aber nicht zu Feulersdorf, Buckendorf und Eichenhüll, die zu umliegenden Gemeinden gehören. Das rief die Bürgerinitiative Jurawindpark auf den Plan. Ihre Forderung: Die Bürger sollen darüber abstimmen, ob sich Hollfeld zur Regel bekennen soll. Schon im Oktober vergangenen Jahres gab es ein Begehren – mangels Wahlbeteiligung aber ohne Ergebnis.

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Initiative drängt auf Stadtratsbeschluss

Dass sie auf das Begehren diesmal gar nicht scharf sind, hatten die Mitglieder der Initiative den Stadträten bereits vor der Abstimmung zu verstehen gegeben. Lieber solle der Stadtrat die Entscheidung vorwegnehmen.

Wie eine Drohung lasen einige Räte, was ihnen die Mitglieder der Initiative geschrieben hatten. Für Zerstörung und kurzsichtige Entscheidungen werde man sie noch jahrzehntelang verantwortlich machen, hieß es. Schließlich habe man nachweislich vor den Risiken gewarnt. Dazu wurde ein Schreiben publik, mit dem sich die Initiative an den Landrat des benachbarten Landkreises Lichtenfels, Christian Meißner, wandte. Mit der Bitte, notfalls juristisch gegen die Stadt vorzugehen. Die Hollfelder Anlagen bezeichnet die Initiative als Schrott und Sondermüll. Stadtrat und Bürgermeisterin werden Tricksereien und Wählertäuschung unterstellt.

"Krank macht dieser Hass"

CSU-Fraktionssprecher Michael Schatz sagte angesichts dessen: „Krank macht nicht der Infraschall, sondern der Hass, der da ausgeschüttet wird.“ Und Thomas Appel von der Heimatliste sagte: „So wie ich in den letzten Wochen bearbeitet worden bin, kann ich nicht zustimmen.“ Auch Manfred Neumeister (Grüne), der an der Abstimmung nicht teilnehmen konnte, sprach in einem Schreiben von Drohgebärden.

700 Unterschriften ignoriert

Die Brüder Georg (CSU) und Johannes Röhm (Bürgerforum) stellten den Antrag trotzdem. Um Streit mit den Nachbargemeinden zu vermeiden. Und Georg Röhm sprach von einer breiten Mehrheit hinter der Initiative. Das sahen einige Räte anders. 40 Prozent der Stimmen aus Krögelstein seien vergangenes Jahr beim Begehren für die Windkraft gewesen, sagte Schatz. Und wenn 700 Bürger ein Begehren forderten, sei es wenig demokratisch, das Ergebnis vorwegzunehmen.

Zwölf der 18 anwesenden Stadträte stimmten dennoch dafür, dass sich die Stadt zur 10-H-Regel bekennt. Damit ist der Bürgerwindpark Geschichte. Ob jetzt noch ein privates Unternehmen Windräder bei Krögelstein bauen darf, muss noch geklärt werden.