Auch in Oberfranken Rödl & Partner macht gute Geschäfte

Steht an der Spitze von 4900 Mitarbeitern: Christian Rödl. Foto: Rödl & Partner

NÜRNBERG. Rödl & Partner rechnet nicht mit einem Konjunktureinbruch. Zwar sei eine Abkühlung zu spüren, in einzelnen Branchen – etwa der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer – sogar eine deutliche, sagt Christian Rödl im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach den Worten des Chefs der in Nürnberg ansässigen Wirtschaftsprüfungs- und beratungsgesellschaft hat der Abschwung aber längst nicht alle Zweige erfasst.

Das erste Halbjahr sei für Rödl & Partner gut gelaufen. „Wir stellen aber fest, dass der eine oder andere Mandant bei Investitionen vorsichtiger geworden ist“, berichtet Rödl. Sein Haus hat kürzlich den Rödl & Partner-Weltmarktindex veröffentlicht, der auf der Befragung global führender Unternehmen basiert.

Plan B für rauere Zeiten

Allerdings sieht er gerade den Mittelstand, der die Kernklientel seines Unternehmens ist, gut gerüstet für schwierigere Zeiten. Viele Firmen hätten aus der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise gelernt, ihre Strukturen verbessert und einen „Plan B“ für rauere Zeiten in der Schublade.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Rödl & Partner seinen Umsatz um 8,8 Prozent auf 451,5 (2017: 415) Millionen Euro gesteigert. Auf Deutschland entfielen davon 236,1 Millionen Euro, was einem Plus von acht Prozent entspricht. Das Volumen außerhalb Deutschlands legte auf 215,4 Millionen Euro zu – ein Zuwachs von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein wesentlicher Treiber war wiederum das M & A-Geschäft (Transaktionen im Unternehmensbereich), wobei Rödl & Partner 2018 den Vorjahres-Rekordwert an begleiteten Transaktionen um weitere 20 auf insgesamt 282 steigerte. Geschäftsleitungs-Vorsitzender Christian Rödl verteilt als Schulnote für das Gesamtergebnis eine „2+“. Sein Unternehmen zeige mit den beachtlichen Zahlen sowohl intern als auch extern, dass „bei uns viel vorangeht“.

Das gilt auch für Oberfranken. Die Niederlassungen in Hof und Kulmbach konnten erneut auf ein „sehr erfolgreiches Jahr“ zurückblicken, wie Ute Coenen, Niederlassungsleiterin in Hof, resümiert. Aufgrund der günstigen konjunkturellen Lage sei der Umsatz auf mehr als 5,7 Millionen Euro gestiegen. „Wir freuen uns über diese positive Entwicklung“, betont Coenen. Das Wachstum resultierte ihr zufolge gleichermaßen aus den Bereichen Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung und sei insbesondere auf erfolgreiche interdisziplinäre Projektarbeit zurückzuführen.

Politische Unsicherheiten

Dieser Bereich solle weiter ausgebaut werden. Coenen und Co-Niederlassungsleiter Michael Braun sehen darin einen „zentralen Wachstumstreiber“ für das Jahr 2019. Die Hofer Niederlassung habe sich außerdem durch den Aufbau eines Verrechnungspreisteams ein weiteres Marktfeld erschlossen. Als Verrechnungspreis wird derjenige Preis bezeichnet, der zwischen verschiedenen Bereichen eines Unternehmens oder zwischen Gesellschaften eines Konzerns für innerbetrieblich ausgetauschte Güter und Dienstleistungen verrechnet wird. 

Als Herausforderungen nennen die beiden Niederlassungsleiter zum einen die Auswirkungen politischer Unsicherheiten auf die globalen Handelsbeziehungen und damit die Weltwirtschaft. Zum anderen zeichne sich auch in Deutschland ein abflauendes Wirtschaftswachstum ab. 

Insgesamt hat Rödl & Partner in Oberfranken 178 Mitarbeiter, die sich auf die Standorte Hof, Selb, Kulmbach, Bamberg und Bayreuth verteilen. „Wir sind damit auch personell leicht gewachsen“, sagt Coenen. 

Im Geschäftsjahr 2018 stieg die Gesamtzahl der Mitarbeiter bei Rödl & Partner um 200 auf nunmehr 4900. Chef Christian Rödl und Ute Coenen räumen ein, dass es auch in ihrer Branche einigen Aufwand bedarf, um gut und hoch qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Hilfreich seien hier die guten Kontakte von Rödl & Partner zu Hochschulen und Universitäten.  

Seit der Gründung 1977 ist die fränkische Wirtschaftsprüfungs- und beratungsgesellschaft kontinuierlich gewachsen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Gesamtumsatz mehr als verdoppelt. „Wir konzentrieren uns weiter auf die Kernmärkte unserer Mandanten und haben die Wachstumsregionen weltweit immer im Blick”, kündigt Geschäftsleitungs-Vorsitzender Christian Rödl an. 

Internationalisierung

Ungeachtet der Spannungen durch tarifäre, nicht-tarifäre und konjunkturelle Handelshemmnisse in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen rechnet Rödl & Partner auch für das aktuelle Geschäftsjahr mit einem „ansprechenden Verlauf“. Genauere Wachstumsziele wollte Christian Rödl auf Nachfrage nicht nennen.

Seine Internationalisierung treibt das Unternehmen konsequent voran. So wurden neue Niederlassungen in Taschkent (Usbekistan) und Campinas (Brasilien) eröffnet. In Brasilien ist Rödl & Partner nach São Paulo und Curitiba nun an drei Standorten vertreten. Ordentlich Wachstumspotenzial gibt es nach Einschätzung der Geschäftsführung aber ebenfalls in Osteuropa. 

Ein Kernthema für das Unternehmen ist die Digitalisierung. Seit drei Jahren gibt es dafür eine spezielle Agenda. „Der digitale Wandel hat auch uns voll erfasst“, unterstreicht Christian Rödl. Einerseits gehe es darum, interne Prozesse zu optimieren und weiterhin in das Know-how der Mitarbeiter zu investieren. Zum anderen wolle man die Beratung von Mandanten in digitalen Fragen – etwa beim Datenschutz oder bei der SAP-Einführung – ausbauen und verbessern.


Das Unternehmen

Mit seinen Rechtsanwälten, Steuerberatern, Unternehmens- und IT-Beratern und Wirtschaftsprüfern ist Rödl & Partner an 111 eigenen Standorten in 50 Ländern vertreten. Das Unternehmen beschäftigt 4900 Mitarbeiter – davon fast 2000 in Deutschland.
Geschäftsführende Partner neben Christian Rödl sind Martin Wambach, José A. Campos Nave, Peter Bömelburg, Wolfgang Kraus und Hans Weggenmann.

Gegründet wurde Rödl & Partner von Bernd Rödl 1977 in Nürnberg. Aus einem Ein-Mann-Unternehmen formte Rödl, der in Hof aufgewachsen war, eine international tätige Wirtschaftsprüfungs- und beratungsgesellschaft. Als erste westdeutsche Kanzlei eröffnete Rödl & Partner noch vor der Wiedervereinigung eine Kanzlei in Sachsen.

Bernd Rödl verstarb am 9. November 2015. Heute steht sein Sohn Christian Rödl an der Spitze des Unternehmens. Darüber hinaus ist er Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg und lehrt Unternehmensnachfolge und Internationale Steuerplanung.

Auf diesen Gebieten ist der gelernte Jurist ebenfalls Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Fachaufsätze.

 

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