Arzt und Patient Zwei Seiten von Corona

Jakob Kalisch, Assistenzarzt am Klinikum, hat Covid sowohl als Arzt als auch als Patient erlebt. Foto: red

Jakob Kalisch, Assistenzarzt der Geriatrie am Klinikum Bayreuth, hat Corona sowohl als Arzt als auch als Patient erlebt. Er beschreibt, wie er die Krankheit erlebt hat und wie es ihm jetzt geht.

Bayreuth - Mein Name ist Jakob Kalisch, ich bin 32 Jahre alt. Ich habe COVID von beiden Seiten erlebt. Als Mediziner und auch als Patient. Ich bin Assistenzarzt der Geriatrie an der Klinikum Bayreuth GmbH, zuletzt habe ich in der Zentralen Notaufnahme und auf der Intensivstation 28 gearbeitet.

Als Corona anfing, war ich in der Notaufnahme eingeteilt. Ich erlebte die ersten Stunden, und der erste Corona-Patient, der im Klinikum aufgenommen wurde, war meiner. Meine Kollegen und ich haben die ganze Bandbreite der Coronawelle erlebt. Zeiten, zu denen die Notaufnahme mit hoch kritischen Patienten gefüllt war und wir das Beste versuchten, um die Situation zu bewältigen.

Von vielen Seiten kam Unterstützung, wir bekamen Zuwendungen und Zuspruch von Bevölkerung, Wirtschaft, Gastronomie und von Kollegen des Hauses. Dies hat uns sehr geholfen und die Moral im Team konnte auch mit dieser Hilfe aufrecht erhalten werden. Man hoffte einfach, dass es besser wird. Im Sommer kam das Ende der ersten Welle und etwas Zeit zum Verschnaufen, bevor die zweite Welle zuschlug.

Werte verschlechtern sich weiter

Am 5. Januar musste ich meinen Dienst abbrechen aufgrund von Fieber. Der Abstrich bestätigte eine Infektion mit SARS COV-19. Die nächsten Tage verbrachte ich in häuslicher Quarantäne mit Durchfall, Husten, Fieber, Dyspnoe und Abgeschlagenheit. Vier Tage später stellte ich fest, dass ich nur noch Sauerstoffsättigungen von 92 Prozent hatte. Ich sprach mit meinen Kollegen in der Klinik und stellte mich sicherheitshalber stationär vor.

Einen Tag später wurde bei mir ein CT der Lunge gemacht, um eine Lungenembolie auszuschließen. Die Werte meiner Sauerstoffsättigung und mein Allgemeinzustand verschlechterten sich weiter. Ich hatte Sättigungen von nur noch 85 bis 88 Prozent unter Raumluft und mein Allgemeinzustand verschlechtere sich weiterhin. Dies wurde zu riskant, um auf Normalstation weiter zu behandeln.

Am 13. Januar wurde ich auf die Intensivstation verlegt. Ich bekam einen arteriellen Zugang, zentralen Venenkatheter, Blasenkatheter und wurde mit einer NIV-Beatmung versorgt. Eine NIV ist die Vorstufe der Intubation – eine Maskenhochdruckbeatmung, wenn man so sagen will. Die gleiche Maschine wird auch für intubierte Patienten verwendet.

Schmerzen in der Lunge

Mehrere Tage lang hing ich fast ununterbrochen an der NIV. Um die Schmerzen in der Lunge und das Husten auszuhalten, bekam ich Morphin über die Vene. Es ging mir weiterhin schlecht, aber ich berappelte mich während der nächsten Tage. Ich bin unendlich dankbar für die Unterstützung der Pflege und der Ärzte. Zum Glück blieb mir eine Intubation erspart. Ich wurde dann immer öfter raus gesetzt, auch mit Sauerstoffbrille.

Meine Werte verbesserten sich, die medikamentöse Therapie wirkte. Fünf Tage nachdem ich auf die Intensivstation gekommen war, konnte ich auf Normalstation zurückverlegt werden. Aber immer noch brauchte ich Sauerstoff über die Nasenbrille.

Während der folgenden Tage hatte ich weit weniger Schmerzen und konnte deutlich besser durchatmen, sodass eine Sauerstoffunterstützung nicht mehr notwendig war. Ebenfalls hatte ich eine Thrombozytose (Erhöhung der Thrombozyten im Blut), weshalb ich weiterhin Bauchspritzen erhielt. Am 25. Januar wurde ich entlassen.

Körperlich noch nicht in Topform

Wie es mir heute geht? Körperlich bin ich immer noch nicht in Topform. Weiterhin kann ich mich weit nicht so belasten, wie ich es gewohnt war. Mit Glück habe ich keine weiteren Spätfolgen bisher bemerkt, wobei eine Ungewissheit bleiben wird.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und habe das Klinikum aus der Perspektive eines Patienten erlebt. Meine Kolleginnen und Kollegen leisten tolle Arbeit in jeder Hinsicht. Sie sind medizinisch absolut kompetent und menschlich zugewandt. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich COVID so gut überstanden habe. Sie gaben mir Mut und Kraft wenn ich sie gebraucht habe.

Ihnen, meinen Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich von Herzen, dass sie weiterhin die Kraft für Ihre Patienten und für Ihre Arbeit haben. Und ich wünsche gerade Ihnen, aber auch uns allen, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Es ist wichtig, die Erkrankung nicht zu leicht zu nehmen. Die meisten Infektionen verlaufen gut. Eine Garantie dafür hat aber niemand. Man weiß nie, ob die eigene Erkrankung so oder schlimmer endet als meine. Ich hatte einen Schutzengel und meine tollen Kolleginnen und Kollegen. Danke und haltet durch!


Zur Person

Jakob Kalisch (32) ist im polnischen Thorn geboren. Er ist in Weidenberg und später in Bayreuth aufgewachsen und hat 2008 am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium sein Abitur gemacht. In Frankfurt am Main hat er Humanmedizin studiert. Seit 2016 ist er Assistenzarzt der Inneren Medizin an der Klinikum Bayreuth GmbH, zunächst in der Kardiologie, anschließend in der Geriatrie. Kalisch ist verheiratet und hat eine Tochter.

 

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