Am Donnerstag ist der große Tag. Dann können Bayern und Bayreuth einen Wechsel einlösen, der vor sechs Jahren ausgestellt worden ist. 2012 ist das Theater der Wilhelmine von Bayreuth ins Kulturerbe der Welt aufgenommen worden, als Opernhaus und als ein Denkmal des barocken Festtheaters, das es so wohl kein zweites Mal mehr gibt.

Mit dem Donnerstag also ist Bayreuth endlich echte Weltkulturerbe-Stadt. Festspielhaus und Markgräfliches Opernhaus: Damit hat Bayreuth zwar nicht die beiden „wichtigsten Opernhäuser“ der Welt, wie manchmal behauptet wird (als gäbe es einen weltweiten Wettbewerb mit Titelvergabe). Aber es lässt sich nicht bestreiten: Dieses theatrale Doppelgespann ist schon ziemlich einzigartig.

Eine Reihe von Veranstaltungen - und dann?

Mit einer Reihe von Konzerten und Opern wird die Eröffnung in den ersten Wochen der Wiedereröffnung gefeiert werden. Eröffnet wurde das Opernhaus 1748, noch vor seiner tatsächlichen Fertigstellung, und zwar mit Johann Adolph Hasses Oper „Artaserse“. Diese Oper wird auch am Donnerstag zu hören sein. Ein Probenbesuch machte Appetit, nicht nur auf den „Artaserse“, sondern mehr noch auf das Opernhaus an sich. Denn das ist nicht nur einfach Spielstätte. Es ist immer auch Hauptdarsteller.

Theater, das die Bühne sprengt

Wie sich vergangene Woche eindrucksvoll zeigte: Noch hatten die Künstler nicht die Kostüme angezogen, die Proben wurden immer wieder unterbrochen. Und doch wurden sie von bloßen Sängerdarstellern schnell zu Figuren in einem Drama, das den engen Raum der Bühne sprengte. Was Welttheater bedeutet, wie man sogar als Zuschauer zum Teil der Inszenierung wird – im Opernhaus kann man es erleben.

Diese Wirkung, dieses Verschmelzen der Welt mit ihrem besseren Spiegelbild, ist das eigentlich Einzigartige des Markgräflichen Opernhauses. Klar, als flüchtiger Besucher sieht man viel barocke Pracht, wäre das Haus lichter, würde einem vielleicht der Vergleich mit Rokokokirchen einfallen. Das ist eindrucksvoll.

Einzigartig aber ist das Opernhaus, wenn es für seinen ursprünglichen Zweck genutzt wird - als Theater.

Voraussetzung fürs Erbe: Das Haus muss bespielt werden

Als einer der besten Kenner des Opernhauses gilt Bayerns oberster Denkmalschützer. Mathias Pfeil hat ganz selbstverständlich einmal geschrieben, dass das Opernhaus nach seiner Sanierungsphase in der wärmeren Zeit des Jahres „wieder bespielt“ werden soll. „Die lebendige Nutzung war hier von jeher Grundlage aller Überlegungen und wurde als Planungsziel auch bei der Entscheidung des Welterbekomitees besonders hervorgehoben.“ In aller Kürze: Nur als lebendiges Theater ist das Opernhaus wirklich Weltkulturerbe. Als Museum nicht.

Besucher werden kommen. Ein Wahnsinnspaket, das die Stadt Bayreuth da schnüren kann. Doch damit das Haus auch nach der Eröffnungseuphorie Freude macht, muss die Stadt eigene Vorstellungen haben, wie man das Haus zum Publikumsmagneten macht. Vielleicht mit so etwas wie einer zweiten Festivalsaison. Dazu wird die Stadt auch Beharrlichkeit gegenüber der Schlösser- und Seenverwaltung brauchen. Die ist der Vermieter und will möglichst wenig Trubel in ihrer Edelimmobilie. Kann man verstehen, muss man als Kommune aber nicht immer voll teilen. Schonend, aber lebendig, überlegt, mit Schwerpunkten in Frühling und Spätsommer, mit einem Programm, das auf das Haus maßgeschneidert ist: Ein solches Programm braucht Bayreuth.

Dieses Theater will doch nur spielen. Will Bayreuth, wollen seine Bürger wirklich etwas davon haben, muss es das auch. Dann und wann zumindest.

michael.weiser@nordbayerischer-kurier.de