Arbeitsmarkt Bayreuth schlägt sich gut

Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa

BAYREUTH. Mittlerweile hat die schwächelnde Konjunktur auch den Arbeitsmarkt erreicht, die Auswirkungen sind aber noch überschaubar. So legten die Arbeitslosenzahlen zwar auch im Bereich des Arbeitsagenturbezirks Bayreuth-Hof zum Jahresende erstmals seit sechs Jahren gegenüber dem Vorjahr wieder leicht zu, doch sieht es gerade im Raum Bayreuth gar nicht so schlecht aus. In die Zukunft schaut der regionale Agenturchef Sebastian Peine verhalten optimistisch.

Die Arbeitslosenzahlen: Besonderes Vergnügen bereitet Peine der Blick auf die vergangenen Jahre, denn: "Vor 15 Jahren hatten wir fast drei Mal so viele Arbeitslose." Von gut 26.000 im Jahr 2005 auf 9124 Ende 2019 ist die offizielle Zahl gefallen. Das sei eine gute Situation.

Die sich im Bereich Bayreuth sogar noch etwas besser darstellt. So ging die Arbeitslosenzahl in der Stadt Bayreuth zum Jahresende gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht um 1,4 Prozent auf 1711 zurück. Die Arbeitslosenquote fiel von 4,4 auf 4,2 Prozent. Damit habe sich Bayreuth ins Vorderfeld aller bayerischer Städte gearbeitet.

Dass die Stadt von der aktuellen Eintrübung nicht so stark betroffen ist, liege daran, dass sie einen stärkeren Schwerpunkt auf dem Dienstleistungsgewerbe habe als andere oberfränkische Regionen. Vor allem dort, wo es viele Automobilzulieferer gebe, sei die Situation schlechter. Im Landkreis Bayreuth stieg die Arbeitslosenzahl zwar um 2,4 Prozent auf 1585. Doch mit 2,6 Prozent sei die Arbeitslosenquote die niedrigste im Agenturbezirk.

Die Betroffenen: 5645 offene Stellen waren im Bereich Bayreuth-Hof gemeldet. Das sind rechnerisch 1,6 Arbeitslose pro Job. 2005 lag das Verhältnis noch bei 19:1. "Wie zuvor schon bei den Auszubildenden haben wir mittlerweile einen Bewerbermarkt", sagt Udo Kolb, Geschäftsführer der Agentur, und gibt zu bedenken: "Die Erfahrung zeigt, dass eine passgenaue Vermittlung bereits ab einem Verhältnis von 3:1 schwieriger wird."

Fachkräfte deutlich seltener arbeitslos

Warum das so ist, das zeigt ein genauerer Blick auf die von den Arbeitgebern gemeldeten offenen Stellen. Hier stehen gut 1000 arbeitslos gemeldeten Spezialisten und Experten, also zum Beispiel Akademiker und Meister, fast 900 offene Stellen gegenüber. Angesichts von gut 4100 arbeitslos gemeldeten Fachkräften auf 3550 Jobangebote ist auch hier das Verhältnis nicht schlecht.

Ganz anders sieht es bei Helfern ohne Berufsabschluss aus: Hier gibt es für knapp 3900 arbeitslos Gemeldete gut 1200 Stellen, also ein Verhältnis von 3:1. 2007 allerdings lag das bei 32:1. Also haben auch die Ungelernten von der Hochkonjunktur profitiert.

Und trotzdem liegt die Arbeitslosenquote bei dieser Gruppe immer noch bei 14 Prozent, bei Arbeitnehmern mit Berufsabschluss aber nur bei 2,4 Prozent. Außerdem, so Kolb, würden arbeitssuchend gemeldete Fachkräfte faktisch oft gar nicht arbeitslos. "Die gehen weg wie warme Semmeln und werden vom alten gleich in einen neuen Job vermittelt. Pflegekräfte werden unseren Vermittlern zum Beispiel aus den Händen gerissen", sagt Peine. Eine Ausbildung lohne sich also ohne Wenn und Aber.

Beschäftigtenzahl: Interessant ist auch die Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs im Bereich des Agenturbezirks. Gegenüber 2005 legte die um 31.685 auf 193.192 zu, woran die Stadt Bayreuth mit 10.580 den größten Anteil hat. Im Landkreis Bayreuth liegt das Plus bei 3489. Dass dafür neben Älteren und Ausländern vor allem auch das Potenzial der Frauen deutlich besser ausgeschöpft wird, zeigt die Tatsache, dass es heute neben rund 6500 Vollzeit- rund 25.100 Teilzeitstellen mehr gibt.

Flüchtlinge: Zwar sind die Flüchtlinge mittlerweile eine nennenswerte Größe auf dem Arbeitsmarkt, dennoch bereitet die Integration Schwierigkeiten, so Peine. Problem sei oft die Sprache. Für Helfertätigkeiten genüge oft ein niedrigeres Sprachniveau, für eine Ausbildung aber nicht. Wobei der Agenturchef betonte, dass die Motivation der Geflüchteten meist hoch sei. Mittlerweile seien immerhin 1165 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, eine Quote von rund 30 Prozent. An der Spitze liegen mit 557 Syrer vor Irakern (144) und Afghanen (131).

Fachkräftegewinnung: Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt die Agentur zunehmend auf "Prävention statt Reaktion", sagt Geschäftsführer Kolb. So wurden 2019 rund 41.000 Euro pro Arbeitstag für Weiterbildungen ausgegeben. Es werde mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern gesprochen, um etwa Helfer zu Fachkräften fortbilden zu können. Damit sei es oft möglich, die Stelle einer Fachkraft innerbetrieblich zu besetzen, sagt Kolb. Um den Nachwuchs zu sichern, gehen die Berater jetzt noch früher zur Berufsorientierung in die Schulen. "Drei Jahre vor dem Abschluss sehen die Lehrpläne heute vor."

Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Neben der weiteren Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt könne auch das ab 1. März gültige Fachkräfteeinwanderungsgesetz für Entlastung sorgen. Im Pflegebereich setzt Peine Hoffungen in das Projekt "Triple Win". Es soll Pflegekräften aus Ländern, in denen in diesem Sektor ein Überschuss besteht, die Aufnahme einer Arbeit in Deutschland erleichtern. Entsprechende Abkommen gebe es etwa mit den Philippinen, Serbien oder Bosnien-Herzegowina.

Ausblick: Für 2020 rechnet Peine mit einem erneut leichten, aber nicht dramatischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Agenturbezirk Bayreuth-Hof, wobei es in Bayreuth wohl wieder etwas besser laufen werde. Auffallend sei die zunehmende Kurzarbeit vor allem im Automobilsektor, wobei der Raum Bayreuth auch hier am wenigsten betroffen sei. Komme die Weltwirtschaft wieder in Fahrt, könne der Arbeitsmarkt 2021 schon wieder anziehen.

 

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