Ansturm auf Corona-Tests Bayreuth steht Schlange

Es sind lange Schlangen, nicht nur wegen des Abstands. Viele Bayreuther brauchen am Wochenende viel Zeit für einen Corona-Test. Sie äußern Kritik. An der zu geringen Zahl der Test-Stellen. Und an den Wartebedingungen.

Bayreuth - Der Grund des Ansturms auf die Test-Stellen sind die neuen Corona-Regeln. Ungeimpfte brauchen Tests für ÖPNV oder Arbeitsplatz; Geimpfte und Genesene stehen für Museum, Therme oder Stadion an. Auch Altstadt-Fans, die am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Nürnberg II im Hans-Walter-Wild-Stadion waren, sind darunter.

„Ich gehe seit Jahrzehnten zur Altstadt“, sagt Harald Stumpf. Der Bayreuther steht am Freitag (26. November 2021) im Rotmain-Center vor einem leerstehenden Laden. Dorthin umgezogen ist das Test-Team der Center-Apotheke, das vorher im Mittelgang Proben nahm. Jetzt braucht es mehr Platz. In Viererreihen drängen Menschen hinein. Hunderte. Offen ist bis 16 Uhr, um 15.15 Uhr aber stellt eine Mitarbeiterin ein Schild auf. „Nicht mehr anstellen.“ Die, die dahinter warten, glauben das nicht. Diskussionen. Auch Fan Stumpf geht leer aus. „Ich dachte, ich gehe schnell heute schon. Aber es gibt zu wenig Test-Stellen“, sagt der Geimpfte. Er wird zur Schlossgalerie geschickt. So viel Aufwand für ein Spiel, findet Stumpf „eigentlich schon blöd“. Er fragt aber: „Wie sollen wir das sonst in den Griff bekommen?“

Quarantäne nimmt ihr Ende

Nebenan wartet eine 33-Jährige aus dem Landkreis Bayreuth auf ihr Ergebnis. Es hat für sie besondere Bedeutung. Sie hatte Corona, war 14 Tage in Quarantäne, will sich freitesten. Sie hatte einen „leichten Verlauf“, ist seit Tagen ohne Symptome. 50 Minuten stand sie an. „Das ist hier super organisiert“, lobt sie trotzdem. Dann ist es so weit: negativ. „Jetzt kann ich einen Adventskalender für meine Tochter kaufen.“

Genauso viel los ist im Center am Samstag (27. November 2021). „Ich hatte meinem Sohn einen Kinobesuch versprochen“, sagt Thomas Wolfrath, Weidenberger, geimpft. „Aber im östlichen Landreis schaut es samstags mau aus.“ Bei der Internetrecherche fand er nur eine Apotheke in Bad Berneck. „Die hatte keine Termine mehr.“ Also fuhr er nach Bayreuth; und wartete fast zwei Stunden. „Das ist doch hanebüchen, Freiluftevents wie den Weihnachtsmarkt abzusagen und dann Leute so lange beieinanderstehen zu lassen.“ Wolfrath kritisiert: „Da drin hat es subtropische Temperaturen, was fürs Virus förderlich ist.“ Zudem sei das lange Warten auch sonst eine Zumutung. „Es gibt keine Möglichkeit, Jacken abzulegen oder sich zu setzen.“ Ihn störe das nicht, aber für ältere Menschen gehe das nicht.

Vor Schlossgalerie frieren die Menschen

Vor der Schlossgalerie gibt es andere Probleme. Dort wird die Schlange abends, wenn die Test-Stelle einzige Option ist, länger und länger. Draußen. Bei Temperaturen am Gefrierpunkt. Am späten Freitagnachmittag dauert es 80 Minuten. Das Team vom Engin’s Ponte verkauft heiße Getränke an Wartende. Nach einer Weile hüpfen Leute. Um sich zu wärmen. Paare nehmen sich in den Arm. Nasen laufen.

„Das dauert auch etwa 90 Minuten, es ist das Spiel vor dem Spiel“, scherzt Markus Schutheiß aus Seybothenreuth. Neben ihm steht der Bayreuther Michael Lienhardt mit Altstadt-Mütze. „Echte Fans nehmen das auf sich.“ Sie haben Verständnis fürs Testen. „Aber es gibt einfach zu wenige Test-Stellen.“

Stadt arbeitet an Verbesserungen

Das wissen sie auch bei der Stadt. „Wir arbeiten unter Hochdruck daran, die Kapazitäten auszubauen. Es werden sowohl personelle als auch organisatorische Abklärungen getroffen“, sagt Pressesprecher Joachim Oppold. „Wir bitten aber um Verständnis, dass die oft äußerst kurzfristigen Änderungen der staatlichen Corona-Vorgaben einschließlich der sich immer wieder verändernden Teststrategie Kommunen vor größte Probleme stellen.“

Jakob Wölkner ärgern vor allem die letzten 20 Minuten des Wartens. „In anderen Städten bekommt man das Ergebnis per Mail und kann nach dem Test weiter.“ Vor Schlossgalerie und Center-Teststelle wartet man darauf. Die Bestätigung gibt es handschriftlich. „Das ist katastrophal“, sagt Wölkner, der fürs Fitnessstudio ansteht. „Eine Zeitreise in ein anderes Jahrhundert.“

Sonntags stehen sie vor der DLRG

Auch am Sonntagnachmittag (28. November 2021) gibt es in Bayreuth lange Schlangen. Diesmal vor dem DLRG-Sitz. Dort wird am Nachmittag zwei Stunden getestet. Es ist die einzige Option zu der Zeit. Dort gibt es sogar drei Schlangen. Eine für PCR-Tests, eine für Schnelltests mit Termin, eine für ohne Termin. Nach dem Test gibt es das Ergebnis per Mail. Die Schlange ohne Termin ist nach einer Stunde noch etwa 100 Meter lang. „Es waren schon 110 Schnelltests, 130 sind auch noch angemeldet“, sagt Steffen Bayer von der DLRG. Es wird wieder länger dauern als die geplanten zwei Stunden.

Auch Brigitte Adelhardt, Bayreutherin, geimpft, steht an. Sie kommt öfter, lässt auch die achtjährige Tochter testen. „Dann weiß ich am Vortag Bescheid und könnte den Arbeitgeber darauf einstellen.“ Adelhardt ist Schulbegleiterin eines Autisten. Sie muss viel planen. Ob es so aber weitergehen kann, weiß sie noch nicht. „Dreimal in der Woche lange in der Kälte warten, gestaltet sich zunehmend schwierig.“

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