Ansprechpartner für Arbeitgeber Wie Inklusion im Job gelingen kann

Ein Beispiel für Inklusion: Claudia Friedel vom Paritätischen, Till Chales de Beaulieu und Assistent Samuel Foto: Peter Rauscher

Nicht nur räumliche, auch bürokratische Barrieren können oft verhindern, dass behinderte Menschen eine Berufsausbildung oder einen Job bekommen. Ausgerechnet eine Behörde soll diese Hürden jetzt überwinden helfen. Im Auftrag des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS) mit Sitz in Bayreuth ist jetzt eine Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) in Bayern an den Start gegangen.

Till Chales de Beaulieu studiert soziale Arbeit und absolviert seit Februar ein Praktikum dafür beim Paritätischen in Bayreuth. Er sitzt im Rollstuhl, kann seine Arme und Beine nicht benutzen. „Wir mussten uns damals schon überlegen: Geht das mit ihm?“ sagt Claudia Friedel von der Selbsthilfeunterstützungsstelle des Paritätischen bei der Eröffnungsveranstaltung für die EAA in Bayreuth. Aufzug, behindertengerechte Toilette und höhenverstellbarer Schreibtisch waren vorhanden, nötig war aber auch eine Assistenz für die Büroarbeit des Praktikanten.

Weil Inklusion zum Kerngeschäft des Paritätischen zählt, wusste er sich zu helfen und stellte einen Antrag auf Assistenz beim Bezirk – der auch rechtzeitig genehmigt wurde. Der junge Mann konnte sein Praktikum antreten. Ein mittelständischer Unternehmer oder Personaler, der von den Fördermöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen wenig weiß und von zusätzlichem Papierkram noch weniger hält, hätte in einem vergleichbaren Fall die Stelle wohl verweigert.

Inklusionsamt hilft

Gabriele Göhl, Leiterin des Inklusionsamts für Oberfranken beim ZBFS, schildert so einen Fall. Ein 21-jähriger schwer behinderter Mann wollte sich zum Straßenwärter ausbilden lassen. Weil am Ende der Ausbildung aber der Erwerb des Führerscheins für schwere Lastwagen obligatorisch ist, den der junge Mann nicht so ohne weiteres erwerben kann, verwarf der mögliche Arbeitgeber die Ausbildung. Er meldete sich dann aber im April beim Inklusionsamt. Es stellte sich heraus, dass nach einem Reha-Antrag ein behindertengerechter Umbau des Fahrzeugs bezahlt werden kann. Derzeit werde noch geprüft, ob weitere Hindernisse einer Ausbildung entgegenstehen. „Wir hoffen aber sehr, dass die Ausbildung angetreten werden kann“, sagt Göhl.

Bürokratische Hürden

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention haben behinderte Menschen ein Recht auf Inklusion, also auf gleichberechtigte Teilhabe auch am Arbeitsleben. In der Praxis scheitert das aber oft auch an bürokratischen Hürden. Das System an möglichen Förderungen, Vorschriften und Möglichkeiten sei vor allem für kleine und mittlere Betriebe sehr unübersichtlich, sagt Göhl. Wie kann der Arbeitsplatz angepasst werden, welche technischen Hilfen gibt es, wofür fließen Fördergelder, welche Formulare braucht es und welches Amt ist zuständig? Diese und alle anderen Fragen in dem Zusammenhang beantworten nun die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber als Lotsen durch den Förderdschungel. Auf Wunsch der Arbeitgeber waren sie zum Jahresanfang mit dem Teilhabestärkungsgesetz in ganz Bayern eingerichtet worden.

Ansprechpartner in Oberfranken

Bayernweit einheitlich sind die Homepage und die Nummer des Beratungstelefons, in Oberfranken gibt es Ansprechpartner in Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof und Kronach. Die EAA werden getragen von Experten des Integrationsfachdienstes und finanziert aus der Ausgleichsabgabe, die das ZBFS verwaltet. Aufgabe der EAA ist, Arbeitgeber auch proaktiv anzusprechen, kostenlos zu beraten, sich gut zu vernetzen und zum Beispiel mit Wirtschaftskammern und Jobcentern zu kooperieren. Das Ziel ist jeweils, Hürden für die Beschäftigung behinderter Menschen abzubauen, die berufliche Teilhabe zu verbessern und Arbeitgeber in die Lage zu versetzen, ihre Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu erfüllen.

Arbeit auf Augenhöhe

Wobei Inklusion mehr ist als nur der Abbau physischer Barrieren: Es gehe darum zu sehen, was der gehandicapte Mensch kann, und nicht, was er nicht kann, sagt Friedel. Zur Selbstbestimmung des Menschen gehöre immer auch, dass er eine Wahl habe und mitbestimmen könne – Arbeit auf Augenhöhe sei das Ziel. Zur Inklusion sei mitunter ein langer Weg. „Aber es lohnt sich, ihn zu gehen.“

Info: www.eaa-bayern.de

Die regionale EAA ist zu erreichen unter Telefon 0800/9040001

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