Fast 28 Jahre nach der Tat muss sich ein 64-Jähriger am kommenden Mittwoch, 1. April, vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg wegen Mordes verantworten. Die Anklage wirft dem Mann vor, am 16. November 1992 einen Mitbewohner in einem Weismainer Asylbewerberheim erschlagen zu haben.

Der damals 35-Jährige hat sein Opfer laut Staatsanwaltschaft am 16. November 1992 zwischen 22 Uhr und 1.30 Uhr des darauffolgenden Tages im Schlaf überrascht und mit einem Bierkrug mindestens viermal hart zugeschlagen. Der 32-Jährige war demnach wehrlos. Sein Schädel wurde auf der linken Kopfseite zertrümmert und das Gehirn dabei derart geschädigt, dass der Mann unmittelbar verstarb.

Der 64-Jährige sitzt seit dem 10. Oktober 2019 in der Justizvollzugsanstalt Kronach in Untersuchungshaft. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Kronacher Verteidiger des Angeklagten wollten sich gestern auf Nachfrage weiter zu dem Fall äußern.

Knapp eine Woche nach der Festnahme des Täters am 9. Oktober 2019 in Rumänien gab es allerdings eine Pressererklärung der Justiz. Darin hieß es, dass der Mann kurz nach der Tat von der Verwaltungsbehörde in München in sein Heimatland Rumänien abgeschoben wurde. Schnell erhärtete sich damals der Verdacht gegen den 35-Jährigen, der nun allerdings untergetaucht war.

1997 stellte sich heraus, dass der Mann mit verschiedenen Personalien im Bundesgebiet unterwegs gewesen war. Im gleichen Jahr nahmen die Ermittlungsbehörden seine Spur nach einem Treffer in der Datenbank wieder auf. Gefasst werden konnte er jedoch erst 22 Jahre später in Rumänien. Am 9. Oktober 2019 überführten ihn Beamte der Coburger Kriminalpolizei von Bukarest nach Deutschland. Einen Tag später wurde er dem Haftrichter vorgeführt.