An Minderjährigen vergangen Lesepate muss mehrere Jahre in Haft

Symbolfoto: dpa

COBURG/BAD RODACH. Ein 70-Jähriger aus Bad Rodach muss vier Jahre und drei Monate hinter Gitter. Er hat sich an Minderjährigen vergriffen.

Ein 70-Jähriger aus Bad Rodach hat gestanden, als ehrenamtlicher Lesepate minderjährige Schüler der Grund- und Mittelschule sexuell belästigt zu haben. Am Landgericht Coburg ist der Mann nun am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Wie der Vorsitzende Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung erklärte, sei die Kammer zu dem Schluss gekommen, dass dem Angeklagten acht Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie eine Vergewaltigung nachgewiesen werden könnten.

Die Vergewaltigung ereignete sich erst im April letzten Jahres. Unter dem Vorwand, Probleme mit seinem Computer zu haben, lockte der Beschuldigte einen Jungen in seine Wohnung. Bald saß der 70-Jährige mit seinem Minderjährigen Gast vor dem Computer und zeigte dem Jungen Nacktfotos von Frauen. Laut Anklage zog er dem Knaben dann die Hose herunter, nahm dessen Glied erst in die Hand und schließlich in den Mund. Der Junge war zur Tatzeit 15 Jahre alt, weshalb rechtlich kein Kindesmissbrauch vorlag. Dennoch wog der Übergriff schwer für den nicht vorbestraften 70-Jährigen.

Wegen des umfassenden Geständnisses, das der ehemalige Lesepate ablegte, konnte das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot weitestgehend darauf verzichten, die Opfer in den Zeugenstand zu rufen und sie so erneut mit den für sie verstörenden Übergriffen zu konfrontieren.

Stattdessen hörte die Kammer Eltern der Geschädigten sowie einen Lehrer. Die Zeugen gaben wieder, wie ihnen die Kinder von den Übergriffen berichteten. Sie seien teilweise verängstigt gewesen und schämten sich. Dennoch wandten sie sich schließlich mit ihren Eltern an die Polizei. Wie ein Zeuge berichtete, soll einer der Buben gesagt haben: "Ich muss darüber sprechen, damit anderen Kindern das nicht auch passiert."

Der 70-Jährige hatte sich ehrenamtlich als sogenannter Lesepate betätigt. Die Lesepatenschaften organisiert in Bad Rodach die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Abstimmung mit der Grund- und Mittelschule. Indem Schülerinnen und Schüler ihren erwachsenen Paten aus Büchern vorlesen, soll sich ihr Sprachvermögen verbessern. Nichts habe nach Angaben von AWO-Mitarbeitern darauf hingedeutet, dass der 70-Jährige, der mit einem lupenreinen Führungszeugnis aufwarten konnte, pädophile Neigungen haben könnte.

Der Angeklagte hatte es ausgenutzt, dass er als Lesepate jeweils mit einem Schüler allein in der Schulbibliothek war. Bei dieser Gelegenheit hat sich der 70-Jährige an den Buben vergriffen.

Die Übergriffe gehen bis ins Jahr 2015 zurück. Im Fall des 15-Jährigen ging der Täter einen Schritt weiter, indem er den Jungen erst in einer Eisdiele ansprach und ihn dann zu sich nach Hause lockte. Der Angeklagte, der schon in Untersuchungshaft saß, gab sich reumütig und beteuerte, sich wegen seiner pädophilen Neigungen einer Therapie unterziehen zu wollen.

 

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