An der Spitze: Ein Selber führt die Jungen Liberalen

Andreas Godawa
Gabriel Wölfel aus Selb ist der neue Landesvorsitzende der Jungen Liberalen in Bayern. Die Mitglieder wählten ihn beim Landeskongress in Würzburg mit 50,59 Prozent in dieses Amt. Foto: /JuLi Bayern

Die Mitglieder der FDP-Nachwuchsorganisation wählen Gabriel Wölfel zum Landesvorsitzenden. Er setzt auf das Thema Bildung und will den ländlichen Raum stärken.

Selb/Würzburg - Für Gabriel Wölfel ist es ein weiterer Schritt nach oben auf der politischen Karriereleiter: Die Jungen Liberalen Bayern haben ihn beim ihrem Kongress in Würzburg zum Landesvorsitzenden gewählt. „Das ist eine wahnsinnige Ehre für mich, und ich freue mich auf die anstehende Aufgabe“, sagt der 23 Jahre alter Selber.

Bislang war Wölfel, der aus dem Selber Ortsteil Vielitz-Siedlung stammt, Landesschatzmeister und damit einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Liberalen im Freistaat. Beim 101. Landeskongress, bei dem mit 2 G-plus-Regel und Maskenpflicht ein strenges Hygienekonzept galt, setzte er sich laut einer Mitteilung der Jungen Liberalen denkbar knapp mit 50,59 Prozent gegen seinen Konkurrenten, den Münchner Stadtvorsitzenden Felix Meyer, durch.

Damit ist Wölfel Nachfolger des bisherigen Landesvorsitzenden Maximilian Funke-Kaiser, der in den Bundestag gewählt wurde, und deswegen nicht mehr als Landesvorsitzender antrat.

Eigene Ziele

„In den drei Jahren als stellvertretender Vorsitzender habe ich mir natürlich auch eigene Ziele gesetzt, die ich anpacken möchte“, sagt Wölfel. Deswegen habe er einen Plan aufgestellt, den er den Mitgliedern in Würzburg präsentierte und der Anklang fand. Seinen Gegenkandidaten Felix Meyer nennt Wölfel einen sehr guten Mann, mit dem er sich einen fairen Wettkampf der Ideen geliefert habe.

Grundsätzlich will sich Wölfel vor allem für den ländlichen Raum stark machen. „In den kommenden Wochen und Monaten müssen wir hier nachbessern und auf unsere Erfolge in der Kommunalwahl aufbauen. Es sitzen viele Junge Liberale in den Parlamenten, und jeder einzelne setzt wertvolle Akzente.“ Es gehe darum, die FDP und die Jungen Liberalen in ganz Bayern zu stärken und die Menschen im ganzen Freistaat – und nicht nur in den großen Städten – zu überzeugen.

Thema Bildung

Und einen weiteren Schwerpunkt setzte Wölfel: „Bildungspolitik muss endlich wieder in der Mitte der Gesellschaft diskutiert werden. Weitere Versäumnisse hinzunehmen, wäre für die Schülerinnen und Schüler des Freistaats fatal. Bildung ist unsere wichtigste Ressource.“

Gerade in der Bildungspolitik gebe es noch viel Potenzial, sagt Wölfel. Es dürfe nicht angehen, „dass wir einen Einstein verlieren, nur weil er aus der ,falschen’ Familie kommt.“ Leider sei Aufstieg durch Bildung in Deutschland noch nicht ohne Probleme möglich. „Wir müssen jedes Kind mitnehmen“, sagt der neue Landesvorsitzende. Er verweist dabei auf die Probleme bei der Digitalisierung der Schulen oder bei der Beschaffung von Luftfiltern.

Zudem macht sich Wölfel für ein elternunabhängiges Bafög stark. Allein schon die Beantragung sei zu kompliziert, sagt der Selber, der in Bayreuth Volkswirtschaftslehre studiert und im Sommersemester mit seiner Masterarbeit beginnen wird. „Bafög darf kein Beantragungsproblem sein.“

Wertekompass

Für sinnvoll hält Gabriel Wölfel auch ein Ausbildungsbafög, um nicht nur den Bereich der universitären Bildung zu stärken. Denn gerade im Handwerk und der Industrie würden Facharbeiter dringend gesucht.

Auch an die eigene Partei wandte sich Wölfel in Würzburg mit einem deutlichen Appell: „Die FDP darf die Jung- und Erstwähler nicht enttäuschen, sie muss jetzt liefern. Wir als Junge Liberale haben dafür zu sorgen, dass die FDP in der Ampel ihren liberalen Wertekompass nicht verliert. Daran werden wir uns in vier Jahren messen lassen müssen.“

Mit dem Gedanken, Landesvorsitzender zu werden, habe er schon während des Bundestagswahlkampfes geliebäugelt. Entschlossen habe er sich dann nach der Wahl, bei der er für die FDP einen respektablen Erststimmenanteil von 5,2 Prozent errungen hatte – ein Plus von 1,5 Prozentpunkten.

Dass sein Amt als Landesvorsitzender sehr zeitaufwendig werden wird, ist Wölfel durchaus bewusst. Nichtsdestotrotz ist er zuversichtlich, dass er dieses Amt und sein Studium miteinander verbinden kann. „Ob ich die Regelstudienzeit einhalten kann, werden wir noch sehen“, lacht er.

Herausforderung und Spaß

Auf jeden Fall freue er sich auf die Herausforderung. Immerhin mache ihm die politische Betätigung viel Spaß. Nach drei Jahren als stellvertretender Vorsitzender habe er ja gewusst, was auf ihn zukommt. „Ich komme mit vielen motivierten jungen Menschen zusammen und bin viel in ganz Bayern unterwegs.“ Und nachdem er die meisten Fahrten nach Möglichkeit mit der Bahn unternimmt, hofft er auch auf eine weitergehende Elektrifizierung der Strecken.

Jetzt gelte es, die Weichen für die Landtagswahl 2023 zu stellen. „Da müssen wir als Liberale stärker werden“, macht Wölfel deutlich. Denn die amtierende Staatsregierung habe beispielsweise bei der Corona-Politik große Fehler gemacht.

 

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