Am Röhrensee Wohnen für Menschen mit Handicap

Dieses Gebäude ist Geschichte – nicht aber die Einrichtung an sich: Sie bekommt in einem Neubau des Vereins Hilfe für das behinderte Kind ein neues Domizil. Zusammen mit einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung. Foto: Eric Waha/Eric Waha

Dickes Lob für die Verwaltung, schnelle Umsetzung erwünscht: Der Bauausschuss hat am Dienstagnachmittag kurzen Prozess gemacht mit einem Projekt, von dem alle sagen, es sei ein wichtiges für Bayreuth: Nahe dem Röhrensee in Moritzhöfen soll ein Wohnprojekt unter Regie des Vereins Hilfe für das behinderte Kind gebaut werden. Als Ersatzneubau des Gebäudes, in dem seit 25 Jahren Mama Mia sein Domizil hat – und weiter haben wird.

Bayreuth - So viel Einigkeit ist selten: Mit viel Lob schicken die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig ein Projekt in Richtung Verwirklichung, das nicht nur nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Ebersberger „ein wichtiges Projekt für Bayreuth“ ist: ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung.

Verein Hilfe für das behinderte Kind baut

Auf die Fläche hatten schon mehrere Investoren ein Auge geworfen, jetzt bekommt die durch eine Planung des Vereins Hilfe für das behinderte Kind eine neue Aufgabe – auch ermöglicht durch einen Flächentausch zwischen der Stadt und dem Verein, wie der berufsmäßige Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer in seinem detaillierten Vortrag im Bauausschuss am Dienstagnachmittag sagt. Ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung solle dort entstehen – mit 24 stationären und zehn ambulanten Wohneinheiten, die sich über die drei Geschosse des Gebäudes verteilen, das dort geplant ist.

Mama Mia zieht mit ein

Aktuell steht an der Stelle das Haus – in den Hang gebaut und von der Straße Moritzhöfen aus erschlossen – das vom verein Mama Mia seit 1996 genutzt wird, der Verein Hilfe für das behinderte Kind ist seit der Zeit dort Mieter. „Mama Mia wird in den Neubau umziehen“, sagt Pfeifer, der den Verein Hilfe für das behinderte Kind „einen wichtigen Partner für die Stadt mit einem großen Angebot für die Familien“ nennt.

Dreigeschossig mit Flachdach

Mit dem Verein als Bauwerber habe sich die Stadt auf ein Gebäude mit drei Vollgeschossen abgestimmt, das ein begrüntes Flachdach haben werde. Statt eines großen Dachrücksprungs habe man sich auf einen kleineren Dachrücksprung geeinigt, „um eine optische Erlebbarkeit des Endes der Bebauung“ an der Stelle des Talraums des Aubachs zu schaffen, wie Pfeifer sagt. Das Naturdenkmal, eine große Kastanie, bleibe selbstverständlich erhalten. Aus Sicht der Verwaltung könne die Befreiung wegen der Überschreitung einer „uralten Baulinie“ problemlos erteilt werden. Das Vorhaben füge sich optisch und durch die Art seiner baulichen Nutzung in das Gebiet ein.

Kein Einfluss aufs Stadtklima

Wichtig: „Der Klimaschutzbeirat befürchtet keine negativen Auswirkungen auf das Stadtklima“, sagt Pfeifer. Die Kaltluftlinse, die sich dort bilde, könne kaum den Stadtkernring überqueren, vielmehr sehe der Beirat durch den Flächentausch zwischen Stadt und Verein „die Chance, die Auenlandschaft dort positiv zu gestalten“.

Geniales Projekt

Ein „nahezu geniales Projekt“ nennt der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht die Planung, weil durch den Neubau Wohnen für Menschen mit Behinderung und ein neues Domizil für Mama Mia kombiniert werden könne, was „ein ausgesprochener Glücksfall“ sei, wie Specht sagt. Der Bezirk Oberfranken suche „seit langem nach einem solchen Domizil“. Anfänglich hätten im die möglichen Auswirkungen des Gebäudes auf das Aubachtal „Kopfschmerzen bereitet“, deshalb sei er erfreut, dass keine Probleme entstünden.

Gute Lösung

„Wie sollten wir Einwände haben?“, fragt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske. Das sei ein Vorhaben, das „seit Jahren auf der Suche nach einem Grundstück“ sei. Die gefundene Lösung sei gut. Fast, sagt Bauske, müsse man der ehemaligen Oberbürgermeisterin „dankbar sein, dass es an der Stelle keine schnellere Lösung gegeben hat“. Erfreulich sei zudem, dass der stattliche Baum als Naturdenkmal nun durch den Flächentausch zur Stadt komme, was den Schutz garantiere.

Bebauung war lange verhindert worden

Keine Einwände gegen das Projekt haben auch die Grünen, wie die Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger sagt. Sie blättert neun Jahre zurück und sagt: Christa Müller-Feuerstein habe damals den Klimaforscher Prof. Thomas Foken um seine Expertise für den Talraum gebeten und so eine Bebauung damals verhindern können. Insofern habe es für die Grünen „immense Bedeutung gehabt, was der Klimaschutzbeirat sagt“, der ja Zustimmung signalisiert. Zudem handle es sich „um eine Art Ersatzneubau“. Sie hoffe nur, dass „das einzigartige Projekt nicht das Tor für eine weitere Bebauung des Aubachtals“ öffne, was kaum möglich sein werde.

Gute Entwicklung

Georg Kämpf (BG), der die einhellige Meinung des Bauausschusses unterstützt, sagt, er hoffe auf eine schnelle Umsetzung und kurze Bauzeit für das Vorhaben, „auch deshalb, dass Mama Mia wieder einen Platz findet“. Ähnlich wie Kämpf beurteilt auch der FDP/DU/FL-Fraktionsvorsitzende Thomas Hacker den Neubau, weil er eine gute Entwicklung des Gebiets zwischen der Ludwig-Thoma- und der Pottensteiner Straße unterstreiche. Zudem biete das Wohnhaus für Menschen mit Behinderung durch die Nähe zur Stadt und dem Naherholungsraum am Röhrensee einen großen Pluspunkt: „Menschen mit Behinderung gehören in die Stadt, gehören unter uns.“

Lob für Verwaltung

Vor dem einstimmigen Beschluss hat der JB-Fraktionsvorsitzende Christopher Süss ein Lob für die Verwaltung im Köcher: Die sonst „oft kritisierte Verwaltung“ habe sehr schnell die planerischen Voraussetzungen für den Vorbescheidantrag geschaffen. Ein Lob, „das gut tut“, wie Pfeifer sagt.

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