Am Röhrensee stehen sich Asylgegner und -befürwortet gegenüber Die AfD trifft auf ihre Gegner

Doppelt so viele Demonstranten wie an der AfD Interessierte. 120 Menschen haben am Samstagabend vor der Gaststätte Schwenk in Bayreuth gegen einen Filmvorführung der AfD protestiert. Zwischenfälle gab es keine. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Die Alternative für Deutschland (AfD) trifft in Bayreuth auf ihre Gegner. In einer Gaststätte wird ein Film gezeigt, der Unwahrheiten über die Flüchtlingskrise entlarven will. Zwei AfD-Gegner stellen sich drinnen der Diskussion, 120 weitere demonstrieren draußen. Entgleisung gibt es nur eine und die bleibt ungeahndet. Was der Film zeigt und was die Zuschauer dazu sagen:

Der Film:

Ein Reporter ist im Sommer 2015 einige Wochen entlang der sogenannten Balkanroute unterwegs. Er behauptet, dass es sich bei der Mehrheit der Menschen, auf die er dabei trifft, nicht um Kriegs- sondern um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Der Film will zeigen, dass es sich bei der sogenannten Balkanroute, anders als in den deutschen Medien dargestellt, nicht um eine gefährliche, unwegsame Fluchtroute handelt. Vielmehr sei eine Infrastruktur samt Wegweisern, Dixiklos und Kiosken entstanden. In dem Film heißt es: "Einmal in Europa angekommen, gleicht die Weiterreise eher einer Urlaubsreise." Gesprächspartner seien weniger traumatisiert, als vielmehr alkoholisiert, heißt es. Gezeigt werden vermüllte Plätze nahe des österreichischen Flüchtlingslagers Traiskirchen und gezeigt werden entsorgte Kleidungsstücke, die den Schriftzug "Boss" und "Mexx" tragen. Auch im griechischen Idomeni heißt es: "Die Flüchtlinge sehen eher aus wie eine Reisegruppe, die mit Müll etwas sorglos umgeht."

In einem Zugabteil fragt der Reporter die Menschen, ob sie unterwegs zu "Mama Merkel" seien. Danach wird gefilmt, wie die Menschen "Mama Merkel" nachsprechen. Ein Kommentator ermahnt den Reporter Billy Six mit den Worten: "Aber Billy, die armen Kinder." Als gezeigt wird, wie Flüchtlinge in Frankfurt mit Applaus begrüßt werden, sagt der Kommentator: "Der Applaus der selbsterklärten Guten: unbezahlbar. Für alles andere gibt es Kreditkarten." Der Film endet mit dem Satz: "Ich befürchte, dass das nicht friedlich bleibt" - untermalt mit den Bildern der Pariser Attentate vom 13. November 2015. Zu den Anschlägen bekannte sich damals die terroristische Vereinigung Islamischer Staat. Der Veranstalter der Filmvorführung, Tobias Matthias Peterka, sagt: "Wir wollen einmal zeigen, wie man das anders sehen kann und wie wir das als AfD anders sehen."

Das Publikum:

Etwa 80 Interessierte schauen sich im Schwenk-Saal den Film an. Darunter rund 15 Menschen, die zuvor noch vor der Tür gegen die Veranstaltung demonstriert haben. Peterka, der Kreisvorsitzende der AfD Bayreuth, hat sie hinein gelassen. Er sagt: "Eine Diskussion mit Gegnern ist besser, als sich anzufronten." Während des 90 Minuten langen Films verlassen einige Zuschauer den Raum. Von den Demonstranten bleiben nur wenige zurück. Als die Diskussion beginnt, sitzen noch rund 60 Leute im Saal.

Die Diskussion:

Fragen zum Film hat keiner der Zuschauer. Die Anwesenden diskutieren vielmehr mit zwei Vertretern der Demonstranten, Armin Brata und Marie Efua. Brata fragt: "Wer soll in einem Rechtsstaat an der Grenze zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden können?" Peterka fordert, Asylanträge künftig in den deutschen Botschaften zu stellen. Die AfD fordere zudem ein Einreisegesetz, nach australischem Vorbild. "Wir müssen fragen: Was bringt der uns?", sagt Peterka. Eine Frau, die sich nicht vorstellen will, weil das die Vertreter der AfD auch nicht täten, fragt: "Sollen etwa alle Flüchtlinge in Griechenland bleiben, solange Asylanträge in den Botschaften noch nicht gestellt werden können?" Die einhellige Antwort der Anwesenden lautet: ja. Marie Efua ist die im Film geäußerte Kritik am Islam zu pauschal. Sie sagt: "Eine Religion handelt nicht." Fikri Akar, der eigenen Angaben zufolge vor 37 Jahren als aramäischer Christ aus der Türkei fliehen musste, hält dagegen: "90 Prozent der Syrer, die zu uns kommen, sind Täter. Die Opfer schaffen es gar nicht hier her. Was da kommt, Gnade uns Gott."

Tumulte gibt es, als Brata sagt: "Uns geht es gut, wir haben gerade etwas gegessen. Unser Wohlstand beruht darauf, dass wir überall in der Welt unsere Sklaven sitzen haben." Applaus bekommt Thomas Rausch für seine Gegenrede: "Die Leute würden verhungern, wenn wir sie nicht unsere Kleidung nähen ließen." Florian Köhler, Mitglied der Jungen Alternative, sagt: "Wenn im Bundesamt für Migration Praktikanten über Asylanträge entscheiden müssen, dann sind wir überfordert. Dann müssen wir tschüss sagen und die Schotten dicht machen." Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will, sagt zu Brata: "Leute wie Sie sind schuld daran, dass wir jetzt hinten runter fallen."

Die Gesprächskultur:

Der AfD-Kreisvorsitzende Peterka ist um eine ordentliche Diskussion bemüht, gibt Brata auch dann noch das Wort, als die ersten Zuhören schon sagen: "Ich mag den nicht mehr hören, ich gehe gleich." Brata hält dagegen: "Es muss möglich sein zu diskutieren, wenn sich kein anderer meldet." Immer wieder fallen die Anwesende Brata und Marie Efua ins Wort. Ein Mann, der sich als Jürgen Hollmann vorstellt, beginnt zu brüllen: "Wir sind nicht reich. Nur reich an Schulden." Irgendwann lässt Fikri Akar Armin Brata nicht mehr ausreden: "Du laberst scheiße", sagt er immer wieder.

Die Umstände:

Der AfD-Vorstand trägt Sakko, unter den Zuhörern sind Unternehmer, Ingenieure, Psychologen, Handwerker, Gemeinderäte. Während drinnen diskutiert wird, stehen draußen Polizisten. Dazu der Leiter des Kommissariats für Staatsschutz, Dieter Fischer, sowie drei Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma. Angeheuert hat die Firma die AfD. "Das machen wir immer so", sagt Peterka. Es sei schade, dass das nötig ist und koste die Partei Geld. "Aber wir sind ja keine kleine Partei mehr." Der Staatsschutz ist dabei, um zu kontrollieren, ob die Demonstranten die Auflagen einhalten, die ihnen seitens der Stadt auferlegt wurden. Kritisch wird es nur einmal. Als ein Besucher der AfD-Veranstaltung den Demonstranten vor dem Schwenksaal zuruft: "Schlachtet die Deutschen. Schneidet ihnen die Kehle durch." Der Staatsschutz versichert später, davon nichts mitbekommen zu haben.

AfD-Vorsitzender Peterka erzählt davon, dass Unbekannte dem Gastwirt des Schwenksaals zuvor telefonisch gedroht hätten. Garik Ginger, der Wirt, will sich zu der Veranstaltung in seiner Gaststätte nicht äußern. Zuvor hatten Vertreter des Bündnisses Kunterbunt kritisiert, dass die Filmvorführung nur wenige Meter von der Erstaufnahmeeinrichtung in der Wilhelm-Busch-Straße stattfindet. Peterka sagt dazu: "Der Saal bietet sich aufgrund seiner Größe eben an."

Die Demonstranten:

Unter den rund 120 Demonstranten, die vor der Gaststätte gegen die Filmvorführung demonstrieren, sind Vertreter von Antifa, dem Bündnis Kunterbunt, der IG Metall und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Letztere werden im bayerischen Verfassungsschutzbericht geführt. Arno Pfaffenberger, der die Demo mit organisiert, sagt: "120 Leute, das ist ein großer Erfolg. Wir wollen die AfD dort stellen, wo sie ist." Ein anderer Redner mahnt: "Wir wollen Frieden und Toleranz. Das erreichen wir nicht durch stänkern. Also führt euch gescheit auf." Aus den hinteren Reihen der Demonstranten sind daraufhin Buhrufe zu hören.

Einen Kommentar zur Filmvorführung und Gegendemo finden Sie hier.

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