Am Klinikum Pilotprojekt in Bayreuth für bessere Krebsbehandlung

Das Klinikum Bayreuth, ein Pharmahersteller und eine digitale Gesundheitsplattform starten ein Pilotprojekt, das Prostatakrebs-Patienten zugutekommen soll.

Sie arbeiten bei dem Pilotprojekt, das die Prostatakrebsbehandlung verbessern soll, zusammen (von links): Christian Hieronimi, Gründer und Geschäftsführer der Oncare GmbH; Leonie Beyer, Health Care System Lead Novartis Deutschland; Dr. Mario Reis, Leitender Oberarzt der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Bayreuth; Carolin Schenzle, Health Care System Manager Novartis Deutschland; Sebastian Stolte, Assistenzarzt der Klinik für Nuklearmedizin; Prof. Dr. Stefan Förster, Klinikdirektor der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Bayreuth. Foto: Novartis Deutschland

Das Klinikum Bayreuth und Novartis Deutschland starten gemeinsam mit der digitalen Gesundheitsplattform Myoncare das Pilotprojekt „Vernetzter Patientenweg“. Ziel ist der Aufbau eines digitalen Versorgungsnetzwerks für Prostatakrebspatienten, das Kliniken und Praxen verschiedener Fachrichtungen vernetzt und die Koordination entlang des Behandlungspfades erleichtert, insbesondere bei komplexen Therapien wie der Radioligandentherapie (RLT), heißt es in einer Mitteilung.

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Diagnostik und Therapie eng verzahnt

In der Onkologie, also der Tumor-Heilkunde, spielt die Präzisionsmedizin eine immer größere Rolle, heißt es weiter. Für den Therapieerfolg ist demnach entscheidend, dass Diagnostik und Therapie eng verzahnt sind. Ein zentraler Ansatz dabei sei die sogenannte Theranostik. Sie verbindet Diagnose und gezielte Behandlung so, dass Krebserkrankungen etwa durch fortschrittliche bildgebende Verfahren auf molekularer Basis erkannt und zugleich mit der entsprechenden Therapie adressiert werden können. Zudem kann der Fortschritt der Therapie regelmäßig überwacht werden. Ein Beispiel hierfür ist die Radioligandentherapie, bei der mehrere medizinische Fachrichtungen wie Urologie, Nuklearmedizin, Onkologie und Radiologie zusammenarbeiten.

Damit dieser Ansatz gut funktioniert, sei eine enge und strukturierte Zusammenarbeit zwischen Ärzten sowie ambulanten und stationären Einrichtungen erforderlich. Bislang fehle jedoch häufig eine etablierte Austauschplattform für die beteiligten Fachgruppen. Dies könne zu Abstimmungsproblemen und Verzögerungen führen, etwa durch lange Wartezeiten auf Termine, unzureichend koordinierte Behandlungsschritte oder unklare Informationswege. Für die Patienten und ihre Angehörigen komme neben der Erkrankung selbst oft die zusätzliche Herausforderung hinzu, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden und die verschiedenen Fachbereiche zu koordinieren.

Vernetzter Patientenweg

Hier setzt das Modellprojekt „Vernetzter Patientenweg“ an. Die digitale Plattform Myoncare ermöglicht dabei eine automatisierte Steuerung der Therapie, den sicheren Austausch relevanter Befunde sowie eine zentrale Dokumentation des Therapieverlaufs. Darüber hinaus sollen klare Ansprechpartner und Zuständigkeiten definiert sowie die fachübergreifende Kommunikation zwischen beteiligten Ärzten durch eine Chatfunktion unterstützt werden. Auch die Prostatakrebspatienten können über eine App in den Behandlungsprozess eingebunden und kontinuierlich über den Behandlungsverlauf informiert werden.

„Innovative Therapien entfalten ihren vollen Nutzen erst dann, wenn sie Patientinnen und Patienten rechtzeitig und koordiniert erreichen“, sagt Alexandra Skorupa, Leiterin Medical Affairs Radioligandentherapie bei Novartis in Deutschland: „Das Pilotprojekt Vernetzter Patientenweg soll nicht nur Abläufe beschleunigen, sondern die Zusammenarbeit aller Beteiligten stärken – mit dem klaren Ziel, Versorgung gemeinsam weiterzudenken und zukunftsfähig zu gestalten.“

Professor Stefan Förster, Klinikdirektor Nuklearmedizin am Klinikum Bayreuth, ergänzt: „Die effiziente Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen ist entscheidend für eine qualitativ hochwertige Versorgung von Prostatakrebspatienten. Mit dem Aufbau eines digitalen Versorgungsnetzwerks in Oberfranken schaffen wir nicht nur die Grundlage für eine engere Abstimmung mit den Patienten, sondern auch mit den an der Behandlung beteiligten Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher ambulanter und stationärer Einrichtungen. Dies ermöglicht eine noch engere und professionellere Koordination der diagnostischen und therapeutischen Schritte und trägt so zu einer effizienteren und besseren Versorgung unserer Patientinnen und Patienten bei.“

Klare Vorreiterrolle

Die Zusammenarbeit von Novartis Deutschland, der Bayreuther Klinik für Nuklearmedizin und der myon.clinic GmbH markiert den Auftakt für ein bundesweit angelegtes Pilotprojekt zur Weiterentwicklung der Versorgung in der Radioligandentherapie. Die Klinik übernimmt dabei eine klare Vorreiterrolle: Als erster Standort in ganz Deutschland bringt sie ihre praktische Erfahrung maßgeblich in die Entwicklung und Erprobung eines digitalen Patientenpfads ein.

Neben der Klinikum Bayreuth GmbH sollen perspektivisch weitere Pilotzentren in das Projekt eingebunden werden. Auf Grundlage der Erfahrungen und Rückmeldungen aus den teilnehmenden Zentren sowie durch die kontinuierliche Feinjustierung in der praktischen Anwendung soll ein digitaler Patientenpfad für die Radioligandentherapie entstehen, der die Abläufe nachhaltig verbessern soll. Ziel ist es, eine praxistaugliche, übertragbare Lösung zu schaffen, die anschließend bundesweit von weiteren Versorgungsnetzwerken genutzt und in der klinischen Praxis etabliert werden kann, um die Patientenversorgung langfristig flächendeckend zu stärken.