Am Ende nur noch sieben Mitglieder Schützengesellschaft Moritzhöfen löst sich auf

Von Michael Weiser

Viele Sportvereine verzeichnen Mitgliederschwund, wenige aber so wie die Schützenvereine. In Bayreuth knipsten kürzlich die Moritzhöfer Schützen das Licht im Schießstand für immer aus - ein Abgesang auf ein Stück Tradition.

 Foto: red

Wie das bei Todesfällen so ist: Auch der allerletzte Rechtsakt muss seine Ordnung haben. Erst, wenn ein Aktendeckel zufällt, ist die Geschichte wirklich vorbei. Ein Notar machte also einen Haken hinter die Sache mit der Schützengesellschaft Moritzhöfen. Und dann sagte er etwas zu Hans-Joachim Tuppeck (79), was nicht wirklich Trost spendete: "Menschen sterben, und so sterben auch Vereine."

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133 Jahre wurde sie alt, die Vereinigte Schützengesellschaft Moritzhöfen 1881 Bayreuth, und die letzten 30 Jahre ihres Erdenwallens war Hans-Joachim Tuppeck ihr Vorsitzender. Bei einer außergewöhnlichen Mitgliederversammlung Ende vergangenen Jahres beschlossen die letzten Mitglieder die Auflösung der Schützengesellschaft. Über die Todesursache muss niemand spekulieren: Altersschwäche. Ganze sieben Mitglieder hatten die Moritzhöfer am Ende noch, bis auf einen Schützen alle über 70 Jahre alt. Schon seit über zehn Jahren hatte sich das Ende abgezeichnet, das endgültige Aus traf Tuppeck dennoch hart. "Es tat weh", sagt er, "das war ein richtig trauriger Abschied."

Auch davor schon Einschnitte

Die Moritzhöfer hatten auch davor schon Einschnitte erlebt. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Aktivitäten, aber, so heißt es in der Vereinschronik, "im Jahre 1925 erfolgte die Wiederauferstehung". Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war erst mal Schluss mit Schießen, doch schon 1950 konnte man wieder im renovierten Schießhaus anlegen. Knapp 65 Jahre später ist endgültig Schluss, für Vereine scheint es noch etwas Gefährlicheres zu geben als Weltkriege: die demographische und gesellschaftliche Entwicklung. "Der Schießsport hat's heute sehr schwer", sagt Tuppeck.

Da gibt ihm Wolfgang Nickl recht. Der Fichtelberger ist Sportleiter im Gau, und das Verschwinden von Vereinen wie der Schützengesellschaft Moritzhöfen und der ebenfalls kürzlich aufgelösten SG Bavaria Mühlbühl ist für ihn nur ein Vorbote: "Wir haben einen unheimlichen Schwund." Lediglich Bogenschießen verzeichne noch Zuwachs, sonst aber gebe es Probleme.

Bei den Sportschützen, noch stärker aber bei den Traditionsvereinen, die in erster Linie unter sich bleiben, bröselt der Nachwuchs weg. "In den nächsten drei, vier Jahren könnten weitere Vereine verschwinden", fürchtet Nickel. Früher gehörten Veranstaltungen der Schützen zu den Höhepunkten im gesellschaftlichen Leben der Stadt. In der Gilde St. Georgen, genannt "Die Brannaburga", schossen nur die besseren Leute von Bayreuth. Eifersüchtig achtete man darauf, unter sich zu bleiben. Das ist lange her, vor allem in der Stadt sei das Schützenwesen bedroht, sagt Nickl: "Da gibt es zu viele Angebote."

Unter Alten fehlt der Jugend der Reiz

Junge Leute binden sich nicht mehr so gerne, sagt er, und vielleicht sei auch das Image des Schießsports nicht das günstigste. Und: Wenn alte Männer unter sich sind, fehlt der Reiz für die Jugend. Wie zuletzt bei den Moritzhöfern, deren Schießhaus auf dem Grundstück der früheren Gaststätte Bierschmidt nun in den Besitz einer Erbengemeinschaft übergegangen ist. "Vor 25 Jahren haben wir's noch renoviert und angebaut, fast ausschließlich in Eigenleistung", sagt Tupeck.

Wo es einen Erblasser gibt, dort gibt es auch einen Erben. Das Vermögen der aufgelösten Schützengesellschaft Moritzhöfen ist satzungsgemäß an die Vereinigten Schützengilden Bayreuth übergegangen, die ihrerseits 1950 aus der Fusion der Schützengilden von Bayreuth und St. Georgen entstanden waren. "Der Harry hat sich alles gleich unter den Nagel gerissen", sagt Tuppeck und schaut den Schützengildenchef Harry Franken an, sein Lächeln zeigt, dass er es nicht böse meint.

Schließlich bleibt so wenigstens das Andenken an die Schützengesellschaft Moritzhöfen erhalten. 30 Pokale, manche gut einen halben Meter hoch, und gut 50 Schützenscheiben gingen so in den Besitz der Schützengilden über, sie sind nun im Schützenheim an der Eubener Straße zu besichtigen. "Solche Trophäen gibt es heute gar nicht mehr", sagt Tuppeck. "Es sind sehr sehenswerte Stücke darunter", stimmt ihm Franken zu. Er freut sich vor allem über den Zuwachs an historischen Scheiben. Mit fast 300 Scheiben, viele von ihnen liebevoll bemalt, besitzen die Schützengilden nunmehr so etwas wie ein einzigartiges historisches Bilderbuch.

"Ah, schau an, das waren mal die Moritzhöfer"

Tuppeck ist sicher, dass die Moritzhöfer Erbstücke an der richtigen Adresse gelandet sind.. "Unsere Scheiben und Pokale sollten ja dem Schießsport erhalten bleiben", sagt er. Und das ist bei den Schützengilden der Fall. "Wenn dann jemand in den Schießstand geht und unsere Scheiben sieht, dann sagt er vielleicht: ,Ah, schau an, das waren mal die Moritzhöfer.'"