Alternativvorschlag Heizzentrale auf Webatex-Gelände

Die Stadt solle das Webatex-Areal erwerben und den Stadtwerken für die neue Heizzentrale überlassen, fordern die Grünen. Grafik: Stefan Schlags

Die Stadtratsfraktion der Grünen haben sich nach einem alternativen Standort für eine Heizzentrale umgesehen und sind in der Tunnelstraße fündig geworden: das Areal der geschlossenen Textilfabrik Webatex.

Muss das Stadtbad der Wärmewende in Bayreuth geopfert werden? Die Absicht der Stadtwerke, anstelle der ehrwürdigen Badeeinrichtung eine neue Heizzentrale zu errichten, um das Fernwärmeangebot für die Innenstadt zu erhöhen, fiel im Stadtrat durch. Ausbau der Fernwärme: ja, aber an anderem Standort, lautete die nahezu einhelligen Meinung.

Jetzt präsentiert die Grünen-Stadtratsfraktion zusammen mit dem Vorsitzenden des Grünen-Stadtverbandes, Ulf Boderius, einen Vorschlag für einen alternativen Standort: das Areal der Firma SR Webatex in der Tunnelstraße.

„Die Firma SR Webatex hat ihre Produktion im Jahr 2021 eingestellt. Das Areal wird zurzeit nicht genutzt. Daher wäre es in vielfacher Hinsicht ein gutes Zeichen, wenn die Stadt Bayreuth diese Fläche erwerben würde“, sagt Boderius.

Ein dort errichtetes, für die Wärmewende wichtiges Heizwerk könne nicht nur die Innenstadt versorgen, sondern auch die angrenzenden Quartiere St. Georgen und Hammerstatt. Die Anlieferung von Holzpellets oder Holzhackschnitzeln könne problemlos erfolgen.

Antrag an den Oberbürgermeister

Von dieser Idee begeistert, haben die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sabine Steininger, und die Grünen-Stadträtinnen Filiz Durak und Johanna Schmidtmann einen entsprechenden Antrag an Oberbürgermeister Thomas Ebersberger verfasst.

Das Areal Webatex sei nicht nur problemlos für große Transporter zu erreichen. Vorteil sei auch die geringe Entfernung zum bestehenden Heizwerk Kolpingstraße. Eine Anbindung an das bestehende Wärmenetz dürfte somit möglich sein.

Darüber hinaus könnte von diesem neuen, wesentlich größeren Standort eine Quartiersversorgung für die angrenzenden Stadtteile St. Georgen und Hammerstatt erfolgen. Dort gäbe es mit dem Landratsamt Bayreuth, der Markgrafenschule, der Justizvollzugsanstalt St. Georgen-Bayreuth, den Markgrafenhallen, der Städtischen Wirtschafts- und Musikschule, der KVB sowie zahlreichen Wohnungseigentumsgemeinschaften und verdichteter mehrgeschossiger Wohnbebauung hinreichend Abnehmer, schreiben die Antragstellerinnen.

Gleichzeitig sichere sich die Stadt Bayreuth durch den Erwerb des Areals eine erhebliche Fläche für künftige Entwicklungen unterschiedlichster Zwecke.

Noch keine Aussagen

„Wir schauen uns verstärkt weitere Grundstücke an, auch das Areal Webatex. Können aber im Moment noch keine Aussagen treffen“, sagt am Freitag Roland Dietrich, Leiter der kaufmännischen Verwaltung der Stadtwerke, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bis zum Herbst, wenn die Mitglieder des Aufsichtsrates zur nächsten Sitzung zusammenkommen, werde man die Ergebnisse vorstellen. Den Vorwurf, die Wärmewende als Vorwand zu nehmen, sich des defizitären Stadtbades zu entledigen, wiesen Dietrich und Andreas Waibel, der für die Planung zuständig ist, zurück.

Er, Waibel, sei als Leiter Contracting Wärmeerzeugung dafür zuständig, die technisch und wirtschaftlich beste Lösung zu finden, auch wenn er dafür jetzt Watschen einstecken müsse. Und das sei die Erweiterung der Heizzentrale an Stelle des Stadtbades.

Die Planung, die seit langer Zeit vorangetrieben werde, werde jetzt mit der Suche nach einem anderen Standort weitergeführt, sagt Waibel. Die Wärmewende müsse dringend umgesetzt werden, um der Klimakrise adäquat zu begegnen. Ob es trotz Verzögerung bei der Höhe der Förderung bleibe, könne er nicht vorhersehen. Falle die Förderung weg, müssten die Kosten auf die Kunden umgelegt werden.

Produktion statt Handel

Sie begrüße den Ausbau der Fernwärmeversorgung ausdrücklich, sagt Stadträtin Steininger. Allerdings nur, wenn die Heizwerke mit regenerativen Energien betrieben würden. Sich alleine auf die Fernwärme zu konzentrieren, sei jedoch zu wenig. Steininger: „Die Stadtwerke müssen sich generell neu aufstellen: Weg vom Energiehandel hin zu Energieproduktion mit Direktvermarktung. Diesen Strategiewechsel fordern wir bereits seit Jahren, ebenso wie die Schließung der hochgradig defizitären Lohengrin-Therme und den Verkauf der verlustbringenden Parkhäuser. Dieses Geld könnte man besser in eine Mobilitätswende investieren, um so einen veritablen Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten.“

Die Stadtwerke würden in absehbarer Zeit eine Freiflächenphotovoltaikanlage mit einer Leistung von bis zu 17 Megawatt in Betrieb nehmen, sagt Waibel. Den Standort des bisher noch nicht verkündeten Projekts wolle man noch nicht nennen. „Wir sind natürlich“, betont Dietrich, „auch in der Stromerzeugung aktiv.“

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