Alter Vorstand nicht entlastet Dicke Luft beim EHC Bayreuth

Wenig Zahlen, viele Fragen: Trotz seiner unzureichenden Präsentation der Geschäftszahlen wurde Michael Schwellengreber mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des EHC Bayreuth gewählt. Foto: Rudi Ziegler

EISHOCKEY. Es war eine Jahreshauptversammlung, die so ganz anders verlief, als man das im Vorfeld erwartet hatte. Anstatt sich Lob für die Nachwuchsarbeit und die kräftezehrende Entschuldung ihres EHC Bayreuth abzuholen, sah sich die Führungsriege des Vereins um die scheidende Vorsitzende Christiane Colditz teils massiver Kritik ausgesetzt. Grund für die dicke Luft war ein aus Sicht des Großteils der rund 65 Mitglieder unzureichender Geschäftsbericht. Zwar wurde mit großer Mehrheit ein neuer Vorstand gewählt, dem alten aber versagten die Anwesenden die Entlastung.

Die Vorsitzenden konnten weder die Nachfragen zum vergangenen und zukünftigen Etat noch zu Personal- und Reisekosten beantworten oder gar belegen. Die Entlastung soll nun bei einer außerordentlichen Versammlung im Juli nachgeholt werden.

Für den neuen Vorsitzenden Michael Schwellengreber war es ein denkbar ungünstiger Start in seine Amtszeit. Ein der Redaktion bekannter Anwesender, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte, Michael Schwellengreber habe versucht, die Situation zu retten, als Christiane Colditz und Schatzmeisterin Michaela Riedel die angefragten Informationen nicht liefern konnten, dabei habe aber auch er nur wenig Erhellendes beitragen können. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt der neue Vorsitzende die Eindrücke einer unglücklich verlaufenen Versammlung und übernimmt dafür die volle Verantwortung.

Herr Schwellengreber, Ihren Start ins neue Amt haben Sie sich sicher anders vorgestellt…

Michael Schwellengreber: Natürlich. Und wie! Es war, so glaube ich, meine zehnte Jahreshauptversammlung beim EHC. Ich bin selten so stolz in eine Veranstaltung dieser Art gegangen, aber noch nie so hart auf den Boden zurückgeholt worden. Versöhnt hat mich letztlich der große Rückhalt bei den Neuwahlen.

Fühlen Sie sich von Christiane Colditz und Schatzmeisterin Michaela Riedel im Regen stehen gelassen?

Schwellengreber: Nein, überhaupt nicht. Christiane und ich standen als Vorsitzende mit einem Berg von Altlasten alleine in der Haftung und wollten Michaela Riedel nicht mit hineinziehen. Deshalb haben wir sie auch bei der Präsentation bewusst außen vorgelassen. Sie kann da überhaupt nichts dafür. Christiane übrigens auch nicht. Es lag in meiner Verantwortung, Rechenschaft abzulegen.

Weshalb konnten Sie keine relevanten Zahlen vorlegen?

Schwellengreber: Ich war da einfach zu naiv. Ich dachte nicht, dass die Mitglieder so detailliert nachfragen würden. Das ist in den vorangegangenen Jahren ja auch anders gelaufen. Letztlich hat mir nach Abschluss unseres Geschäftsjahres am 30. April beruflich bedingt auch ein bisschen die Zeit gefehlt, um das so aufzubereiten, wie es sich gehört hätte. Ich muss wirklich sagen, dass ich das unterschätzt habe. Und es tut mir sehr leid, dass das so schlecht gelaufen ist.

Damit hinterlassen Sie aber den Eindruck, dass es etwas zu verbergen gibt …

Schwellengreber: Das täuscht aber. Zu verbergen gibt es nichts. Ich werde bis zur außerordentlichen Versammlung in sechs Wochen alle Zahlen vorlegen.

Heißt, der Verein steuert in ruhigem Fahrwasser?

Schwellengreber: Das tut er. Wir haben aktuell keinerlei Verbindlichkeiten und sogar ein Plus von rund 5800 Euro erwirtschaftet. Zudem erwarten wir noch Rückzahlungen von der Stadt, die im unteren fünfstelligen Bereich liegen.

Auch die Personalie Jozef Potac sorgte bei der Jahreshauptversammlung für Zündstoff. Warum war es nicht möglich, den langjährigen Tigers-Kapitän beim EHC zu integrieren? Schließlich hätten Sie ihn ja zum Nulltarif bekommen, da die GmbH die Finanzierung übernommen hätte.

Schwellengreber: Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass er in seiner gewünschten Funktion als Jugendkoordinator der Vorgesetzte von unserem hauptamtlichen Trainer Basti Mayer geworden wäre. Den aber bezahlen wir, somit sind wir faktisch seine Vorgesetzten. Außerdem wollten wir unsere neue Jugendkoordinatorin und dritte Vorsitzende Melanie Allersdorfer nicht vor den Kopf stoßen. Sie hat sich voll in diese Verwaltungsarbeit reingekniet und macht seit Jahren im Nachwuchs einen tollen Job. Dann wären Terminkollisionen unvermeidbar gewesen, weil Jozef ja als Co-Trainer der DEL2-Mannschaft oft nicht verfügbar gewesen wäre. Und dann wäre ein Trainer wie Jozef Potac mit seinen zu erwartenden Bezügen vor allen anderen ehrenamtlichen Trainern schwer zu rechtfertigen gewesen. Es hätte sicher Konflikte gegeben.

Ist es nicht vielmehr so, dass sie befürchten mussten, die GmbH, insbesondere Geschäftsführer Matthias Wendel, nähme über Jozef Potac zu viel Einfluss auf das Geschehen beim EHC? Ist das nicht der wahre Grund für die Absage?

Schwellengreber: Nein, so ist es wirklich nicht. Für solch eine Instrumentalisierung ist der Jozef, den ich als Mensch und Sportler überaus schätze, auch überhaupt nicht der Typ. Und dann ist das Verhältnis zu Matthias Wendel auch so gut, dass wir offen über alles sprechen können, was uns irgendwie drückt.

Dann ein Blick voraus. Was sind die größten Herausforderungen ihrer künftigen Amtsperiode?

Schwellengreber: Die allergrößten Herausforderungen, die dieser Verein je zu meistern hatten, liegen gerade hinter uns. Dass wir es geschafft haben, die Altlasten zu beseitigen, macht mich sehr stolz und stimmt mich optimistisch für die Zukunft…

Aber droht nicht dem Verein mit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die Landesliga ein neues, unkalkulierbares finanzielles Wagnis?

Schwellengreber: Nein, überhaupt nicht. Wir haben nur unwesentliche Mehrkosten bei den Busfahrten und auf der Trainerposition. Selbst wenn ich den Zuschauerschnitt bewusst zurückhaltend mit 300 bis 400 ansetze, liegen die Mehrkosten im Vergleich zur Bezirksliga-Mannschaft bei maximal 10 000 Euro.

Ist die erste Mannschaft der größte Kostenfaktor?

Schwellengreber: Nein, vielmehr ist es so, dass sich schon unsere Bezirksliga-Mannschaft durch Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen mehr als getragen hat. Herausfordernder ist eher der Spielbetrieb der Jugendmannschaften, die ja allesamt in der Bayernliga an den Start gehen und weite Auswärtsfahrten bis nach Ravensburg auf sich nehmen müssen.

Sie haben deshalb eine Erhöhung der Umlage für jeden aktiven Spieler geplant…

Schwellengreber: Das ist richtig. Aber auch darüber werden wir bei der außerordentlichen Sitzung im Juli beraten, wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen. Ich bin mir sicher, dass sich die Wogen dann wieder glätten werden.

INFO: Der erste Neuzugang des EHC Bayreuth für die kommende Landesliga-Saison kommt vom künftigen Ligarivalen EV Pegnitz. Verteidiger Robin Niedermeier kehrt nach drei Jahren bei den Ice Dogs an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der 24-jährige Lehramtsstudent geht aus dem Nachwuchs des ECC Preußen Berlin hervor.

 

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