Als Ehrenbürger auf neuer Stele genannt – Ab 1953 wieder im Amt – Einige Bürger äußern sich kritisch Pottenstein ehrt Nazi-Bürgermeister

Von Peter Engelbrecht

Der Name des früheren Pottensteiner Nazi-Bürgermeisters und NSDAP-Ortsgruppenleiters Hans Dippold steht seit November als Ehrenbürger der Stadt auf einer Stele auf dem Friedhof. Bürger reagierten empört auf diese Entscheidung des Stadtrates, doch Bürgermeister Stefan Frühbeißer verteidigte den Schritt. Der Geehrte war von 1953 bis 1972 erneut Bürgermeister.

Der frühere Nazi-Bürgermeister Hans Dippold wird auf dieser neuen Stele im Friedhof als Ehrenbürger geehrt. Foto: Ralf Münch Foto: red

Dippold war von Februar 1936 bis zum Kriegsende im April 1945 NS-Bürgermeister sowie NSDAP-Ortsgruppenleiter von 1939 bis Kriegsende, geht aus seiner 71-seitigen Spruchkammerakte hervor, die im Staatsarchiv Coburg liegt. Demnach trat der Gast- und Landwirt der NSDAP bereits 1931 bei (Mitgliedsnummer 608 535) und hatte weitere wichtige Ämter inne: Ab 1934 war er unter anderem Mitglied der SA mit dem höchsten Rang eines Scharführers, bei der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) war er ab 1935 Ortsamtsleiter und ab 1936 Kreisobmann des „Deutschen Gemeindetages“.

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Als Klasse-II-Aktivist eingestuft

Dippold war zwischen Kriegsende im April 1945 und Oktober 1947 unter anderem im Nazi-Internierungslager in Hammelburg inhaftiert. Aufgrund seiner herausgehobenen Positionen in NSDAP, SA und NSV wurde er bei der Klageerhebung am 5. September 1947 im Spruchkammerverfahren in Pegnitz automatisch in Klasse II der Aktivisten eingestuft. Das Verfahren endete letztendlich mit der Einstufung in Klasse IV der „Mitläufer“.

Ausschlaggebend dafür waren Auskünfte aus seinem Heimatort. Dippold sei ein „hochanständiger Nationalsozialist“ gewesen, habe sein Amt als Bürgermeister „nie missbraucht“, teilte eine Pottensteinerin im Juli 1947 mit. Auch drei ehemalige Häftlinge des KZ-Außenlagers sprachen sich für ihn aus: Er sei als „anständiger Nationalsozialist“ bekannt und bei den Gefangenen beliebt gewesen, weil er sich „stets korrekt benommen“ habe.

Pfarrer sprach sich für Dippold aus

In einer eidesstattlichen Erklärung vom September 1947 bestätigten zwei ehemalige KZ-Gefangene, Dippold habe den Lagerinsassen durch vorschussweise Herausgabe von Barmitteln ermöglicht, zusätzliche Lebensmittel einzukaufen. Die beiden Ex-Häftlinge bezifferten den Aufwand auf 2000 Reichsmark. Entsprechende Unterlagen konnte Dippold allerdings nicht vorlegen. Dippold habe sein Amt als Bürgermeister „stets gerecht verwaltet“, Druck oder Zwang habe er „nie ausgeübt“, bestätigten drei Männer aus der Stadt. Auch der Pfarrer sprach sich positiv für ihn aus.

Zwei Vertreter der örtlichen CSU und SPD versicherten im August 1947, Dippold sei vor seiner Ernennung zum Ortsgruppenleiter „durchaus kein eifriges Parteimitglied“ gewesen. In seinen Funktionen habe er die Parteidisziplin befolgt, aber ohne Andersdenkende zu denunzieren. Gegenüber den KZ-Insassen habe er sich „jederzeit menschlich und anständig“ benommen. Etwas differenzierter war die Auskunft des Nachkriegsbürgermeisters Rattel im Juni 1947: „Seine Gesamteinstellung entsprach den Ideen der NSDAP und er hat sich auch in diesem Sinne betätigt.“

"Ein anständiger Nationalsozialist"

Den Bayreuther Historiker Norbert Aas mit den Unterlagen konfrontiert, sagte dieser, im Allgemeinen seien Entnazifizierungsakten für die historische Forschung wertlos, da entlastende Erklärungen, sogenannte Persilscheine, häufig abgesprochen gewesen seien. Die Akten enthielten verallgemeinernde Feststellungen („ein anständiger Nationalsozialist“) und seien häufig als gegenseitige Hilfestellung gedacht gewesen. Bei Dippold entstand für Aas das Bild eines frühen Parteigenossen, der als kleines Rädchen das NS-Regime am Laufen gehalten habe, aber offensichtlich auch – aus welchem Grund auch immer – Menschen geholfen habe.

Bürgermeister Frühbeißer sah keinen begründeten Anlass, die frühere Würdigung als Ehrenbürger nicht mehr aufrecht zuhalten. Da Dippold nicht verurteilt worden sei, sei eine Aberkennung der Ehrung nicht machbar. Er sei formell Ehrenbürger und müsse damit auf der Stele als einer von Dreien genannt werden. Dippold war ab Juli 1953 erneut Bürgermeister, wurde dreimal bis 1972 wiedergewählt.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. „Ich wundere mich, dass so ein Mensch immer noch Ehrenbürger ist“, sagte der frühere Stadtrat Dieter Hoch. „So wird Geschichte verdreht“, zeigt er sich empört. Für einen Ehrenbürger, der während der NS-Zeit Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter war, „kann es keine Entschuldigung geben“, erklärte Margit von Wintzingerode. Dippold habe sich keine nennenswerten Verdienste für die Demokratie in Pottenstein erworben. Dippold erhielt nach dem einstimmigen Beschluss des Stadtrats im Februar 1972 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Am 3. März 1900 geboren, starb er am 3. August 1975.