Alles im grünen Bereich Ausbildung läuft trotz Lockdown weiter

(1)

Wie alle anderen Schüler müssen auch Berufsschüler zu Hause vor dem Computermonitor dem Unterricht folgen. Es laufe gut, sagen die Leiter der drei Bayreuther Berufsschulen. Auch die Prüfungen sollen im Frühjahr stattfinden, sagen die Kammern.

Die Friseursalons haben zwar geschlossen, aber die praktische Ausbildung der Azubis darf trotzdem in den Salons stattfinden. Allerdings nicht an den Köpfen von Kunden, sondern ausschließlich an Modellen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa Foto:  

Bayreuth - Trotz Lockdown hat Annette Kurz viel zu tun. Ihre beiden Friseursalons in Bayreuth und Marktschorgast musste sie schließen, die Arbeit am Kunden ist ihr bei Strafe untersagt. Um so mehr Zeit hat sie neben der Büroarbeit für das, was sie eine Herzensangelegenheit nennt: Die Ausbildung ihrer fünf Azubis. Nicht zu Hause vor dem Bildschirm, sondern vor Ort in ihren Salons kümmert sie sich zusammen mit ihren ausbildungsberechtigten Mitarbeitern darum, dass die fünf jungen Kollegen bestens vorbereitet in die Gesellenprüfungen gehen. Die Schere zur Seite legen und warten, bis die Salons wieder öffnen dürfen – das gibt es nicht im Friseurhandwerk. Die Ausbildung darf nicht leiden. Ebenso wenig wie in den anderen Branchen.

Nach der Werbung weiterlesen

Ausbildung läuft normal weiter

Ein Großteil der Handwerksbetriebe sei nicht von den Beschränkungen betroffen, die praktische Ausbildung im Betrieb laufe also relativ normal weiter, sagt Michaela Heimpel, Pressesprecherin der Handwerkskammer für Oberfranken (HWK). Im Gegensatz zu den Berufsschulen, die wie alle Schulen vom Lockdown betroffen seien und deshalb keinen praktischen Unterricht anbieten dürfen. Ebenfalls eingestellt worden seien die „Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen“ der HWK, Lehrgänge, die alle Azubis des Gewerkes aus allen Betrieben besuchen und in denen bestimmte Themen gelehrt und geübt würden, so Heimpel weiter. Mit diesem praktischen Unterricht solle eine einheitliche Ausbildung beziehungsweise ein einheitlicher Ausbildungsstand gewährleistet werden, unabhängig vom Betrieb.

Zur Ausbildung verpflichtet

Entspannt hat sich die Situation im Friseurhandwerk aus Sicht der Azubis. Beim ersten Lockdown habe sie noch alle notwendigen Utensilien zu ihren Auszubildenden gefahren, sagt Annette Kurz, damit sie zuhause üben konnten. Ein Kollege habe für die Fortsetzung der Ausbildung in seinem Salon eine Strafe in Höhe von 5000 Euro zahlen müssen. Jetzt, im zweiten Lockdown, sei es erlaubt, die praktische Ausbildung der Azubis im Salon fortzuführen. „Schließlich sind wir als Ausbildungsbetrieb verpflichtet, die praktische Ausbildung fortzusetzen. Und das geht nun mal am besten im Salon“, sagt Annette Kurz. Und zum Vorteil der Azubis. Denn die Ausbilder können sich viel intensiver um den Nachwuchs kümmern. Für den sich trotz Lockdown an der Arbeitszeit nichts geändert hat. 39 Wochenstunden wollen gefüllt sein. Das heißt für die Azubis, vier Stunden praktische Ausbildung und vier Stunden theoretische Nachbereitung. Dazu gehöre, das Berichtsheft weiterzuführen, aber auch die Prüfungsmappe vorzubereiten. Schließlich warten auf die Azubis im März und im Juli Gesellenprüfungen.

Kochen auf heimischem Herd

Home-Cooking heißt es für fast alle angehenden Köche. Nur wenigen Koch-Azubis ist es vergönnt, in ihren Betrieben zu arbeiten, sagt Martin Abt, der Leiter des Berufschulzentrums. „Sie erhalten Rezepte, die sie zubereiten müssen. Dabei filmen sie sich und notieren ihre Vorgehensweise.“ Bei den angehenden Erzieherinnen sei die Situation die, dass es nur sehr eingeschränkt Praktika gebe. Bei der Theorie sehe es besser aus. Es gebe keine Nachteile dadurch, dass die Schüler zu Hause unterrichtet würden. Im Gegenteil. Viele würden sich weit mehr engagieren als in der Schule. Abt: „Wir passen uns der Situation an und hoffen, dass wir ab Februar wieder Präsenzunterricht anbieten können.“ Trotz der Tatsache, dass „wir schnell reagieren mussten, läuft der Laden gut“, sagt Abt. In der Staatlichen Berufsschule I und der kaufmännischen Berufsschule, die beide ebenfalls und ausschließlich Distanzunterricht betreiben, vermisst man zwar den persönlichen Umgang. Aber dank der guten technischen Ausstattung sieht man keine Nachteile bei der Wissensvermittlung. Manfred Müller, Leiter der Berufsschule I, sieht keine Mankos bei der schulischen Ausbildung. Der Leiter der kaufmännischen Berufsschule, Bernhard Grünewald, attestiert seinen Schülern eine große Motivation. Es sei ein steiniger, unbequemer Weg, den alle gehen müssten. Aber eine Alternative gebe es nun mal nicht. „Wir sind schon froh, wenn es wieder vorbei ist“, sagt Grünewald.

Prüfungen finden statt – oder auch nicht

Und doch gibt es einen Anlass in den nächsten Wochen, zu dem sich Berufsschülerinnen und Berufsschüler wieder persönlich treffen werden, mit entsprechendem Abstand natürlich. „Die Prüfungen finden auch in diesem Frühjahr statt“, sagt Bernd Rehorz, Leiter Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Oberfranken (IHK). Bei den jüngsten Prüfungen habe man oberfrankenweit bis zu 60 Säle und große Räume angemietet, in denen ein Abstand von drei Meter gewährleistet war. So werde man auch bei der nächsten Prüfung verfahren. Vorausgesetzt, der Gesetzgeber untersagt die Prüfungen nicht. Grünes Licht auch von der Handwerkskammer: „Nach aktuellem Stand können alle Prüfungen stattfinden“, sagt Michaela Heimpel. Das könne sich aber auch sehr schnell ändern.