Ja zum Jugendreferenten Alle Parteien und Gruppierungen einer Meinung

Die Fraktionen im Stadtrat sind sich einig: Für die Jugend muss ein Ansprechpartner her. Das Foto zeigt einige Kids beim Pumptrack der Bike- und Skateanlage bei der Realschule ist ein beliebter Treff der Pegnitzer Jugend. Foto: Ralf Münch

Stadtratsfraktionen befürworten einmütig die Installierung eines Ansprechpartners für den Nachwuchs

Pegnitz - Rückenwind aus allen Stadtratsfraktionen gibt es für eine wie auch immer geartete Beauftragung und erstmalige Installierung eines Jugendreferenten. Dieser Stadtrat sollte künftig auch das Bindeglied zwischen Stadtrat und Jugendrat sein. Zu dieser ganz speziellen Beauftragung und zur generellen Berücksichtigung von Jugendthemen im Stadtrat waren im Zuge einer Umfrage die Fraktionsvorsitzenden aller im Stadtrat vertretenen politischen Gruppierungen befragt worden.

Als zumindest kleinen Erfolg bezeichnete es der CSU-Fraktionssprecher Werner Lappat, dass nach Kritik aus Jugendrat und von CSU-Seite eine Formulierung von der städtischen Homepage gelöscht wurde, wonach sich der Jugendrat nur in „wirklich wichtigen Anlässen“ an Stadt und Bürgermeister Wolfgang Nierhoff wenden dürfe. Jetzt darf das Jugendgremium generell Stadt und Verwaltung bei Bedarf angehen.

„Bei Jugendräumen nichts passiert“

Auch wenn Lappat von seinen Stadtratskollegen in der jüngsten Ratssitzung von Stadratskollegen zum Teil massive Kritik für seine Jugend-Anträge einstecken musste, machte er deutlich: „Wenn sich jemand bei mir rührt, werde ich aktiv.“ Als Beispiel dafür nannte er das Thema „Jugendräume“. Dieses stehe seit mindestens einem Jahr auf der Stadtrats-Agenda. Lappat: „Passiert ist nichts.“

Zum Vergleich zog der Troschenreuther seinen eigenen Stadtteil heran. Dort hätte eine Jugendgruppe „in Eigenarbeit im Jugendheim einen Raum hergerichtet“. Materialkosten: rund 1000 Euro. Eine nachträgliche Bezuschussung schlug fehl, weshalb Lappat eine Spendensammlung unter Stadträten für den Fehlbetrag initiierte. Er und sein Troschenreuther Ratskollege waren die Einzigen, die je 100 Euro spendeten. Lappat zur Jugend-Aktion: „Ich finde es toll, dass die das gemacht haben.“

Mit Blick auf den gewünschten Basketballkorb bedauerte der CSU-Fraktionssprecher, dass für das vorgetragene Anliegen ein „Riesenfass“ aufgemacht worden sei. Mit dem Jugendzentrum solle es endlich vorangehen („Wir haben in Pegnitz so viel Leerstand.“). Zustimmung signalisierte er auch zur Einführung eines Jugendbeauftragten.

Die Fraktion von FW/FWG stehe dem Jugendbeauftragten „sehr, sehr positiv gegenüber“, machte Fraktionssprecher Claus Spieler deutlich. Das sei eine der zentralen Forderungen der Gruppierung. Gleichzeitig müsse man aber auch über Beauftragungen bei der Seniorenarbeit oder zu Personalthemen nachdenken. Aktuell werde von FW/FWG zu dem Themenkomplex auch ein eigener Antrag vorbereitet.

Die Position des hauptberuflichen Jugendpflegers sei nach wie vor besetzt, erklärte Spieler zu dem „schwebenden Verfahren“. Die Stelle sei aber im Haushaltsplan enthalten. Wenn die Stelle nach Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers frei werde, sei es der Wunsch von FW und FWG, erneut einen Jugendpfleger anzustellen.

SPD-Fraktionssprecher Karl Lothes verwies darauf, dass seine Fraktion schon vor der jüngsten Ratssitzung ein Gespräch mit dem Jugendrat geführt hatte. Er wäre „grundsätzlich schon“ dafür, im Stadtrat die Institution des Jugendbeauftragten einzuführen. Lothes glaubt aber: „Das wird kein einfacher Job.“ Um Parteipolitik außen vor zu lassen, müsse in der Position des Jugendbeauftragten „reihum und fraktionsübergreifend gewechselt werden“.

Mangels anderer Möglichkeiten hält Lothes an der Idee eines Jugendzentrums im Pegnitzer Bahnhofsgebäude fest. Dort gebe es auch Toiletten. Alternativen wie Milchhofgelände oder Brauerei hätten sich ja in der Zwischenzeit zerschlagen. Er plädierte auch für die Möglichkeit von Übergangslösungen und appellierte an die Pegnitzer, weitere Lösungsvorschläge für Jugendräume einzubringen.

Auch wenn es momentan noch verfrüht sei, hat Grünen-Fraktionsvorsitzende Susanne Bauer ganz bestimmte Vorstellungen von einem möglichen künftigen Jugendpfleger: „Das sollten zwei Personen sein, ein Mann und eine Frau, davon einer jünger und einer älter.“ Vielleicht sogar einer mit Migrationshintergrund. So gebe es viele „Andockmöglichkeiten“ für die zu betreuenden Jugendlichen.

Das zugrunde liegende Konzept müsse weiterentwickelt werden nach dem Vorbild von Städten in vergleichbarer Größe. Auch Bauer empfiehlt einen bestimmten Ansprechpartner im Stadtrat. Sie rät in diesem Zusammenhang: „Da, wo es die Jugend möchte, sollte man sie mitreden lassen.“ Bei der Suche nach einem idealen Aufstellort eines oder mehrerer Basketballkörbe seien gemeinsame Vor-Ort-Termine mit den Jugendlichen nötig.

Zu möglichen Standorten erklärte sie: „Jugendliche müssen auch mal lauter sein dürfen.“ Gleichzeitig warnte sie: „Die Toleranzgrenzen werden durch die Lockdowns und die damit verbundene Ruhe in der Öffentlichkeit immer enger.“ Jugendliche dürften keinesfalls nur „als Störfaktor“ betrachtet werden, warb sie um Verständnis für diese Altersgruppe.

Michael Förster (PEG) erinnerte: „Wir haben den Jugendpfleger für Pegnitz mit angestoßen.“ Auch die Schaffung von Jugendräumen würde von der PEG „voll und ganz unterstützt“. Gleichzeitig empfahl er ein erneutes Gespräch zwischen Bürgermeister, Verwaltung, Jugendrat und Fraktionsvertretern. Förster bedauerte, dass beim bisher einzigen Gespräch dieser Art „die Kommunikation nicht gut aufeinander abgestimmt“ gewesen sei.

Der Wunsch nach Jugendräumen sei bereits bei einem Jugendforum im Jahr 2014 durch eine Unterschriftenliste angestoßen worden. Förster: „Wir brauchen einfach geeignete Räume.“ In diesem Zusammenhang nannte er auch das Bahnhofsgebäude. Leider habe das Thema Corona jetzt „die Dinge verlangsamt“.

 

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