Album „Jesus Is King“ Kanye West hat zu Gott gefunden

Der US-Rapper Kanye West präsentiert sich vermehrt als Christ. Foto: Michael Wyke/FR33763 AP/dpa

WASHINGTON. Rapper, Musikproduzent, Modedesigner, Fan von Donald Trump: Kanye West ist ein Superstar - größenwahnsinnig und mit seiner Musik großartig zugleich, so beschreiben ihn Kritiker. Gegenwärtig ist der 42-Jährige da, wo er wohl am liebsten ist: in den Schlagzeilen. Das religiöse Amerika muss damit zurechtkommen.

Denn im Rampenlicht steht West wegen seines öffentlichkeitswirksamen Bekenntnisses zum neu gefundenen christlichen Glauben. Zuletzt präsentierte er am Wochenende seine religiöse Oper „Nebuchadnezzar“ auf der Freilichtbühne des Hollywood Bowl von Los Angeles, dazu postete er auf Twitter Bibelzitate. „Seltsam“, „kühn“ und „durcheinander“, so beschrieb das Magazin „Rolling Stone“ die Vorstellung.
Mitte November ließ er sich in einer der größten Kirchengemeinden der USA bejubeln, der Lakewood-Kirche des Wohlstandspredigers Joel Osteen im texanischen Houston. Das in den USA verbreitete „Wohlstandsevangelium“ vermittelt, dass Gott Gläubigen schon im Hier und Jetzt ein glückliches und materiell gut ausgestattetes Leben schenken will – und dass man genau daran Gottes Segen erkennen könne. West bezeichnete sich in der Lakewood-Kirche als den „größten Künstler, den Gott je geschaffen hat“. Und dieser Künstler arbeite jetzt für Gott.
Im Oktober erschien sein jüngstes Album mit dem Titel: „Jesus Is King“. Es singt ein mächtiger Gospel-Chor. „Jesus hat mich errettet“, heißt es in einem der Lieder. Ein Song verkündet: „Jesus is Lord“. Ein anderes lobt die Restaurantkette „Chick-fil-A“: Die habe sonntags geschlossen. Aus religiösen Gründen, sagen die Eigentümer. Das kann als Kampfansage im Kulturkrieg in den USA gedeutet werden: LGBTQ-Gruppen boykottieren „Chick-fil-A“, weil die Firma Organisationen gegen gleichgeschlechtliche Ehe bezuschusst haben soll.
Bereits im Januar 2019 hatte Kanye West begonnen, Sonntagsgottesdienste abzuhalten, anfangs im kleinen Rahmen für Hollywood-Promis. Inzwischen kommen Tausende. Die Reaktionen darauf sind gemischt.
Der Autor eines Kommentars im evangelikalen Magazin „Christianity Today“ war nach eigenem Bekunden zunächst skeptisch in Bezug auf Wests Gottesdienste. Er habe gedacht, es ginge West nur um Profit und Selbstvermarktung, schrieb dort Curtis Yee. Doch nach einem Besuch zeigte er sich beeindruckt von dessen Aufrichtigkeit. Auf der Webseite „premierchristianity.com“ hingegen macht sich eine Autorin andere Gedanken: Kanye West habe einen Chor angestellt, „der nicht nur seine Lieder singt, sondern auch seine Modemarke trägt“. Ob Christus wirklich im Mittelpunkt stehe? Die Religionshistorikerin Kate Bowler sagte in der „Washington Post“, West habe mit seinem felsenfesten Glauben, er sei der beste Künstler auf dem Planeten, ein passendes theologisches Zuhause gefunden bei Joel Osteen, Unternehmer und Fernsehprediger. Beide seien überzeugt, Gott zeige sich durch Gesundheit, Wohlstand, Glück und Erfolg - und führten gerne ihre eigenen Erfolge als Beweis an.
Das Wohlstandsevangelium hat Konjunktur in den USA. Trumps „spirituelle Beraterin“, die Fernsehpredigerin Paula White, gilt als führende Vertreterin. Man müsse positiv denken, verkündet sie. Und spenden. Ihr spenden. Das Wochenmagazin „Newsweek“ zitierte aus einer kürzlichen Mail von White, eine Gabe von 229 Dollar werde „alle Ketten brechen“. Wer zahlt, kriegt auch eine „Flasche Salböl“ von ihr, das man über sich selbst gießen solle, über Familienmitglieder „und sogar über Ihr Scheckbuch“.
Evangelikale Christen sind eine bedeutende Wählergruppe für die Republikaner. Präsident Trump lobte Wests neues Album als „Inbegriff furchtloser Kreativität“ und den Künstler als „Pionier“. „Ich liebe diesen Mann“, hatte West bei einem Besuch im Oval Office im Herbst 2018 über Trump gesagt.
Religiöse Themen sind eigentlich nichts vollkommen Neues bei Kanye West. Bereits auf seinem Album „College Dropout“ 2004 rappte er über Glauben: „Ich will mit Gott reden, doch ich habe Angst, weil wir so lange nicht gesprochen haben“, heißt es in einem Lied. Der Kontext bei „College Dropout“ ist freilich ein anderer als bei „Jesus Is King“: Es geht auch um Rassismus und Polizisten, die Schwarze drangsalieren und verhaften („askin‘ us questions, harass and arrest us“).
Fans machen sich unterdessen Sorgen um Wests Gesundheitszustand. Im Online-Dienst Netflix wurde der Musiker vor wenigen Monaten auf seine bipolare Störung angesprochen. Er verspüre eine „verstärkte Verbindung zum Universum“, wenn die Symptome aufträten, sagte er.
West ist mit Reality-Star Kim Kardashian verheiratet. Auch Kardashian scheint eine Art Bekehrung durchzumachen, gegenwärtig setzt sie sich für Strafgefangene ein. Kanye West und Kardashian haben vier Kinder. Sie heißen North, Chicago, Saint (Heilig) und Psalm. Im Jahr 2024 will Kanye West US-Präsident werden.

 

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