AKW-Diskussion „Das ist doch keine Bonbonfabrik“

Matthias Bäumler
Egal, ob die Laufzeit verlängert wird oder nicht: Irgendwo muss der radioaktive Müll gelagert werden. Auch das Fichtelgebirge ist ein potenzieller Standort. Foto: dpa/Sina Schuldt

Corona, Krieg, Energiekrise. Und jetzt auch noch die mögliche Verlängerung der Laufzeit der verbliebenen Atomkraftwerke. Alles Themen, die auch den Landkreis Wunsiedel berühren.

Andreas Petereks Vortrag im Kreistag ist gespickt mit Fachterminologie. Er referiert über den Sachstand der Endlagersuche für radioaktive Abfälle. Bekanntlich ist auch noch das Fichtelgebirge als möglicher Standort „im Rennen“. Zwischen den Zeilen lässt der Experte von der Koordinierungsstelle Oberfranken für das Verfahren der Endlagersuche allerdings durchklingen, dass er die Region wegen der geologischen Beschaffenheit nicht unbedingt als Favoriten sieht, wenn es darum geht, den strahlenden Müll der Atomkraftwerke unterirdisch zu lagern. Letztlich wird die Standortsuche noch Jahre dauern – und der Bau des Lager Jahrzehnte.

Brennend aktuell ist das Thema dennoch, diskutiert doch die Bundesregierung angesichts der Energiekrise die Verlängerung der Laufzeit der verbliebenen drei Atomkraftwerke. Es scheint lediglich noch darum zu gehen, ob ein „Streckbetrieb“, also das Ausreizen der in den Kraftwerken verbliebenen Brennstäbe, oder eine Laufzeitverlängerung sinnvoller ist. Eine Zerreißprobe steht den Grünen bevor, ging doch die Partei wesentlich aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervor.

Wie ein Auto ohne TÜV

Kein Blatt vor den Mund nimmt die Wunsiedler Grünen-Kreisvorsitzende Brigitte Artmann. Im Gespräch mit der Frankenpost lehnt sie beide Varianten ab und warnt davor, die Kernkraftwerke über den 31. Dezember hinaus in Betrieb zu lassen. „Da dieses Datum seit langem bekannt war, gab es keine periodischen Sicherheitsüberwachungen mehr, die für eine längere Laufzeit notwendig wären. Das ist so, als ob Sie ohne TÜV-Untersuchung mit dem Auto fahren wollten. Sagen Sie mal dem Polizisten, dass Sie den Wagen lediglich noch im Streckbetrieb fahren. Es muss doch jedem klar sein, dass ein Atomkraftwerk keine Bonbonfabrik ist, das ist eine Hochrisiko-Technologie“, sagt Brigitte Artmann im Gespräch mit der Frankenpost. Artmanns Ansicht deckt sich mit der des Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. In einem am Dienstag veröffentlichen Report der Fachbehörde heißt es: „Wichtige Sicherheitsaktualisierungen, wie die Modernisierung der IT oder Sicherheitsüberprüfungen, wurden nicht mehr umgesetzt. Sicherheitsüberprüfungen sind alle zehn Jahre verpflichtend vorgeschrieben und wurden zuletzt 2009 durchgeführt.“

„Man spürt den Respekt“

Brigitte Artmann selbst habe das Innenleben mehrerer Kernkraftwerke, etwa in Temelin, gesehen. „Man spürt und sieht die Anspannung und den Respekt der Betreiber und Techniker.“

Letztlich werde nach Ansicht der Grünen-Kreisrätin und Kreisvorsitzenden die Bevölkerung das Versäumnis der Vorgänger-Bundesregierungen ausbaden müssen. „Gerhard Schröder hat uns an Russland verkauft und die Merkel-Regierung hat es versäumt, die Gasspeicher aufzufüllen.“ Die Sorgen der Bürger nehme sie ernst. „Auch ich heize zum Teil mit Gas. Ich gehe davon aus, dass es bei uns in der Wohnung im Winter kalt wird.“

 

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