Aktionswoche Brand im Schullandheim

POTTENSTEIN. Zehn Verletzte sind im Gebäude verteilt, als die Brandmeldeanlage des Schullandheimes Alarm schlägt. Innerhalb kürzester Zeit treffen 15 Feuerwehren aus dem Pottensteiner Umland ein, auch das THW Pegnitz und die BRK Bereitschaft sind vor Ort. Auch Zeitzeugen vom einstigen Brand im Schullandheim sind anwesend, ebenso eine Schulklasse. Wie damals, im März 2002.

Horst Weißenberger, Feuerwehrmann der Feuerwehr Pottenstein: „Beim Brand des Schullandheims im Jahr 2002 war ich als Einsatzkraft dabei. Ich war im zweiten Trupp und somit relativ schnell am Einsatzort. Zu Beginn hieß es, dass ein Gast vermisst werde. Allerdings wurde das Kind sehr schnell gefunden, es befand sich doch unter seinen Mitschülern. Allgemein können wir von Glück reden, dass die Schulklassen nicht in der Nähe des Dachstuhls waren, wo das Feuer ausbrach. Die Schüler waren im Speisesaal und außerhalb des Gebäudes. Nachdem der Brand gelöscht wurde, haben meine Feuerwehrkameraden und ich die ganze Nacht Brandwache gehalten, um sicherzugehen, dass der Brand nicht erneut entfacht. Deshalb wurde auch die komplette Holzverkleidung von der Fassade genommen. Bei der heutigen Übung, bei der ein Brand im Heizungsraum angenommen wurde, lief alles nach Plan. Zwei unserer Atemschutzträger haben wir bereits auf der Fahrt zum Einsatzort ausgerüstet, die anderen beiden wurden vor Ort eingewiesen, während der Rest unseres Trupps schon die erste Wasserversorgung sichergestellt hat. Die Atemschutzträger konnten somit gleich das Gebäude zur Personenrettung betreten.“

Aurelia und Fabian, Gäste des Schullandheims: „Wir wurden vor der Übung aus dem Gebäude gebracht und haben uns auf dem Sportplatz versammelt. Eine Übung dieser Größenordnung haben wir noch nicht erlebt. Wir sind aufgeregt und können es alle kaum erwarten, dass der Einsatz los geht und die ersten Feuerwehren ankommen.“

Jonas Horn, Opfer: „Wir waren zehn Opfer und wurden vom Kreisbrandmeister eingewiesen. Wir wurden in einen Raum gebracht, in dem wir uns ab 18.40 Uhr verstecken sollten. Ich habe mich gleich in eine Ecke gelegt und mich bewusstlos gestellt. Dort war es eng und besonders schwer für die Einsatzkräfte, mich zu befreien. Außerdem wurde gleich zu Beginn der Übung eine Nebelmaschine verwendet, die Sicht war sehr schlecht. 25 Minuten nach der Alarmierung konnte ich gerettet werden. Wie viele jetzt noch im Gebäude sind, kann ich nicht sagen.“

Daniela Richter, BRK-Bereitschaft Pegnitz: „Das BRK ist heute im Einsatz, um eine Erstsichtung und Registrierung der Patienten durchzuführen. Wir nummerieren hierzu die Opfer, damit wir überprüfen können, wie viele noch vermisst werden. Wir haben Listen, in denen wir jeder Nummer einen Namen zuordnen – und die jeweilige Person markieren wir dann am Arm. Auf der Liste kategorisieren wir auch die Schwere der Verletzung in fünf Stufen. Danach wird entschieden, wer zuerst behandelt wird. Einen Einsatz in der Größenordnung dieser Übung hatte ich noch nicht, aber vor etwa sechs Jahren war ich bei einer Alarmierung in Hüll dabei. Da hatten wir es auch mit einem Brandopfer zu tun und mussten reanimieren. Das ist schon unangenehm, wenn man eine Uniform des Rettungsdienstes trägt, geht das aber viel einfacher als in zivil.“

Brigitte Hutzler, Heimleiterin:„Wir stehen seit Jahren sehr gut mit der Feuerwehr in Kontakt und überarbeiten immer wieder unser Brandschutzkonzept. Außerdem haben wir einen Krisenordner und die Mitarbeiter besuchen Schulungen. Für den Ernstfall liegen die Listen unserer Gäste im Speisesaal, die Feuerwehr ist darüber informiert. Falls es doch mal zu einem Einsatz kommen sollte, müssen wir uns auch auf die Mithilfe der Anwohner und Besucher verlassen können, denn am Wochenende sind die Burgstraße und die Finkenleite häufig zugeparkt. Dann kommen die Fahrzeuge nur schwer vorbei und die Einsatzkräfte brauchen länger, um an den Einsatzort zu gelangen. Im März 2002, als das Schullandheim brannte, hatte ich meinen ersten Arbeitstag als Küchenkraft. Ich war schockiert und hatte arges Herzklopfen. Ich denke immer noch an jedem Jahrestag daran. Es beruhigt mich, dass unser Sicherheitskonzept so gut funktioniert. Das zeigte auch ein Fehlalarm im Juni 2016. Die Evakuierung damals lief einwandfrei.“

Sven Kaniewski, Kreisbrandmeister: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf, unsere Übungsziele sind erfüllt worden. Sowohl Menschenrettung und Versorgung, als auch Brandbekämpfung liefen nach Plan. Wir hatten zehn Opfer im Gebäude verteilt, alle konnten innerhalb des zeitlich vorgesehenen Rahmens gerettet und im Anschluss betreut und versorgt werden. Auch die Löschwasserförderung über die 1400 Meter lange Schlauchstrecke über 90 Höhenmeter aus dem Tal wurde zufriedenstellend errichtet. Die Übung war sehr realitätsnah, da erst vor Ort über die Einsatzbereiche der jeweiligen Wehren entschieden wurde, je nach Eintreffen. Dadurch konnten wir einen hohen Realitätsgrad gewährleisten, der uns den bestmöglichen Mehrwert liefert und einen realen Einsatz optimal simuliert. Durch modernste Technik und Feuerwehrtaktik sind wir optimal für die Zukunft gewappnet, trotzdem freuen wir uns über jeden neuen Kameraden.“

Feuerwehraktionswoche

Die Übung am Pottensteiner Schullandheim war die erste der vier Inspektionsübungen im Landkreis Bayreuth. Die Übung der Inspektion II findet am Freitag in Hollfeld am Aussiedlerhof Degen statt, die der Inspektion I ist am Samstag in der Höhenklinik in Bischofsgrün. Außerdem übt am Samstag die dritte Inspektion in der Firma Richter Messwerkzeugfabrik in Speichersdorf.

 

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