Wirtschaftsakademie Spricht man irgendwann vom „Modell Pegnitz“?

Auszubildende in Aktion: Die Wirtschafts- und Juniorenakademie will jungen Menschen helfen, über den Tellerrand zu blicken. Foto: Archiv/red

PEGNITZ. Die Wirtschafts- und Juniorenakademie findet viel Beachtung. Nicht nur über Pegnitz, sogar über Deutschland und Europa hinaus wird das Konzept vorgestellt. Über den aktuellen Stand informierten am Montagabend Michael Breitenfelder und Corinna Deß vom Wirtschaftsband A 9.

Gleich zu Beginn ging Breitenfelder in die Vollen: „Die Wirtschafts- und Juniorenakademie ist eines unserer erfolgreichsten Projekte“, erklärte der Projektmanager den anwesenden Stadträten. Dabei habe alles klein angefangen: Vor über elf Jahren, im Jahr 2007, habe Lothar Winkler vom Amt für ländliche Entwicklung das Projekt Juniorenakademie bei einem Vortrag in Berlin vorgestellt. Das Thema: Landflucht. Der Begriff beschreibt die Entwicklung, bei der sich viele – gerade junge – Menschen aus dem ländlichen Raum heraus in die Zentren wie München, Nürnberg oder Bayreuth bewegen.

Großes Interesse in China

Inzwischen gehöre das 2008 gestartete Projekt – die Wirtschaftsakademie kam 2017 dazu – fest zum Katalog des Wirtschaftsbandes. Erst im Frühjahr habe er, Breitenfelder, einen Vortrag im Rahmen eines Workshops zur interkommunalen Zusammenarbeit gehalten. „Es ging um mehr als die klassischen Themen wie Flurneuordnung. Für neue Ansätze ist das Projekt ein Paradebeispiel.“ Im Mai habe er das Projekt in China vorgestellt. Das zum Großteil asiatische Publikum habe großes Interesse an diesem Beispiel dualer Ausbildung gezeigt.

Qualifizierung und Weiterbildung

Als nicht privates Angebot sei die Wirtschafts- und Juniorenakademie einmalig. Corinna Deß, die als zuständige Projektmanagerin mit der Akademie betraut ist, erklärte den Stadträten die beiden Säulen: Zum einen gebe es die Juniorenakademie, die seit 2008 bei der Berufsorientierung unterstützen will. Der Auftrag sei die Schaffung von Angeboten zwischen der Schule und dem Berufsleben. Zum anderen sollen in der 2017 geschaffenen Wirtschaftsakademie diese – inzwischen zu Azubis gewordenen – jungen Menschen qualifiziert und weitergebildet werden.

Eine Plattform für Unternehmen

Seit 2008 habe sich vor allem die Richtung geändert, in der die Suche erfolgt, so Deß. „2008 gab es einen Mangel an Ausbildungsplätzen. Wir wollten den jungen Leuten eine Profilierungsmöglichkeit geben und sie informieren“, erklärt die Projektmanagerin. Heute habe sich die Situation quasi umgedreht. Aufgrund des Fachkräftemangels sind es nun die Unternehmen, die händeringend nach Auszubildenden suchen. Entsprechend haben sich auch die Anforderungen an die Akademie gewandelt: „Wir wollen heute den Unternehmen eine Plattform bieten, auf der sie sich präsentieren können“, erklärte Deß. Was sich in all den Jahren nicht verändert habe, sei der Bedarf nach Orientierung. Nach wie vor gibt es 326 duale Ausbildungsberufe, für die sich die Akademie zuständig sieht.

Blick über den Tellerrand

Auf die Nachfrage von CSU-Stadtrat Günter Bauer, was die Stadt Pegnitz denn für das Projekt aufwenden müsse, antwortete Kämmerer Wolfgang Hempfling mit der Zahl aus dem Haushalt des vergangenen Jahres: 42 000 Euro waren da ausgewiesen.

Bürgermeister Uwe Raab (SPD) verwies dankend auf die 50-prozentige Förderung durch die Agentur für Arbeit. „Vieles, was wir machen, wird von Ehrenamtlichen erledigt“, erklärte Corinna Deß. Man versuche, die Gruppen klein zu halten und verschiedene, starke Gastdozenten heranzuziehen. So solle den jungen Menschen der Blick über den Tellerrand ermöglicht werden.

Sonst meist in einem teuren Abo

Durch die Umlage der Honorare auf alle beteiligten Unternehmen könnten sowohl diese als auch die Stadt sparen, wie Deß erklärte. Michael Breitenfelder ergänzte: „Das Projekt lohnt sich. Wer diese Art von Weiterbildung will, landet sonst meistens in einem teuren Abo.“ Vielleicht spreche man irgendwann vom „Modell Pegnitz“.

 

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