Afrikaforum in Bayreuth 54 afrikanische Märkte für Bayerns Wirtschaft

Das Afrikaforum der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken lotete das Potenzial des Kontinents für einheimische Unternehmen aus. Der Erfahrungsaustausch soll neue Chancen für die Zukunft eröffnen.

Sie sprach offen und direkt beim Afrikaforum: Auma Obama, Halbschwester des früheren US-Präsidenten Foto: Ute Eschenbacher

Germanistin, Soziologin und Gründerin der Kinder-Stiftung „Sauti Kuu“ – „Starke Stimmen“ auf Kiswahili: Die ältere Halbschwester des früheren US-Präsidenten Barack Obama war der prominenteste Gast beim Afrikaforum Bayern der IHK für Oberfranken. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagte die Rednerin, die sich für eine gemeinsame globale Verantwortung einsetzt. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Bildung seien wichtig für die nächste Generation, um „hier gut leben zu können“.

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Wie viel Bayern steckt in Afrika?

Unter dem Titel „Wie viel Bayern steckt in Afrika – und wie viel Afrika braucht Bayerns Zukunft?“ stand das alle zwei Jahre stattfindende Treffen. Zuletzt in München 2024, jetzt an der Universität Bayreuth im neuen Forschungszentrum für Gesellschaft, Technik und Umwelt in Afrika (FZA).

Nach Angaben von IHK-Sprecher Peter Belina nahmen 260 Teilnehmer die Gelegenheit wahr, sich über Märkte in Afrika zu informieren. Das Afrikaforum Bayern will kleinen und mittleren Unternehmen eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten. „Dabei geht es vor allem um die Fragestellung: Wie schaffen oberfränkische Unternehmen den Markteintritt in afrikanische Länder?“

Vielfältige Chancen

Denn auch für Mittelständler gebe es Perspektiven in den wichtigsten Märkten Afrikas, einem dynamischen Kontinent. Die bayerischen IHKs arbeiten dafür mit den AHKs in den entsprechenden Regionen und Experten zusammen. Fachwissen und langjährige Erfahrung sollen dabei helfen, die Herausforderungen gegenseitig zu meistern und die vielfältigen Chancen zu ergreifen, die Afrika biete.

Doch dabei soll es um eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe gehen, betont Belina. „Die Kolonialzeit ist vorbei.“ Was sich so selbstverständlich anhört, ist noch nicht in allen Köpfen präsent.

Das Ziel lautet „Trade statt Aid“: Auma Obama (rechts) mit Moderatorin Yvonne Kay Odhiambo. Foto: Ute Eschenbacher

Das zeigten besonders die Ausführungen von Auma Obama, die sich leidenschaftlich für einen respektvollen Austausch miteinander einsetzte. „Wir müssen miteinander reden und einander zuhören, was der andere wirklich braucht“, sagte sie in ihrem Vortrag „Trade statt Aid“. Und weiter: „Man muss Afrika ernst nehmen, um es zu verstehen.“ Mit einem grundsätzlichen Missverständnis räumte sie sogleich auf. „Afrika ist kein Land, Afrika ist ein Kontinent.“

Unterschiede überwinden

Ihre Heimat Kenia sei einer von 54 afrikanischen Staaten – und eineinhalb Mal so groß wie Deutschland. Sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede könnten überwunden werden. Sie spreche Deutsch und habe viele Jahre lang in der Bundesrepublik gelebt. Nach dem Studium in Heidelberg promovierte Obama in Bayreuth. Noch immer unterhält sie gute Beziehungen zur Universität und Freunden.

Und sie machte deutlich: „Es gibt Tausende von uns. Ich bin keine Ausnahme. Viele sind bereit, miteinander zu arbeiten.“ Aber dies funktioniere nur, wenn die afrikanischen Partner beteiligt würden. Die oftmals auch in afrikanischen Staaten selbst herrschende Ungleichheit zwischen den Menschen gelte es zu überwinden. „Mit Transparenz und Ehrlichkeit.“ Sie sei für „real trade“, nicht „fair trade“.

„Ihr braucht Afrika“

Selbstbewusst und entschieden sagte Obama, es dürfe nicht immer wieder Dankbarkeit von afrikanischen Partnern erwartet werden. „Afrika braucht keine Hilfe, ihr braucht Afrika“, stellte sie fest und nannte Kaffee und Schokolade als Beispiel. „Wir tragen Europa auf den Schultern.“ Eine echte Partnerschaft bestehe nicht aus Hilfe, sondern aus gegenseitigem Respekt.

Beide Seiten sollen profitieren

Die junge Generation Z werde etwas anderes nicht mehr akzeptieren. Diese sei kreativ und digital orientiert. Mit selbst entwickelten Apps würde sie die Gesellschaft viel schneller voranbringen als bisher. Obama sprach sich dafür aus, dass diese Wertschöpfung auf dem Kontinent bleiben müsse. Diversität und Nachhaltigkeit könnten dazu beitragen, dass beide Seiten profitierten. „Wir sollten gemeinsam Unternehmen aufbauen, die zufällig in Afrika verankert und gleichzeitig weltweit konkurrenzfähig sind.“

Das Afrikaforum lud Unternehmen ein, die bereits heute in Afrika tätig sind in unterschiedlichen Ländern und Branchen. Auf welchen Märkten würde sich eine Zusammenarbeit anbieten zwischen Bayern und afrikanischen Ländern? Was in einem Land funktioniere, könne im anderen schon fehlschlagen, sagt Belina. Die Vielfalt Afrikas müsse immer beachtet werden – Nordafrika unterscheide sich stark von Subsahara-Afrika. Die Geschäftsmodelle könnten nicht 1:1 auf jedes Land angewendet werden.

Ein Dankeschön für den engagierten Auftritt: Jörg Lichtenegger mit Auma Obama. Foto: Ute Eschenbacher

Die Bedeutung der afrikanischen Märkte für Oberfranken lässt sich bereits anhand der Außenhandelszahlen 2025 ablesen. So hatten die Exporte von Bayern 2025 nach Nordafrika einen Wert von 1,8 Milliarden Euro, in die Subsahara betrugen sie 1,5 Milliarden Euro. Afrika spiele eine zunehmende Rolle. Zum Vergleich: in die USA wurden Waren im Wert von 26 Milliarden Euro exportiert.

Nordafrika und Subsahara

Die wichtigsten afrikanischen Abnehmer für bayerische Unternehmen sitzen laut IHK in Nordafrika mit Ägypten und Marokko sowie im Süden in Südafrika und Nigeria. Die Importe Bayerns stammten ebenfalls vornehmlich aus Nordafrika (3,5 Milliarden Euro) und der Subsahara (2,1 Milliarden Euro). Im Vergleich dazu ist der chinesische Markt mit 33,5 Milliarden Euro noch immer am größten. Die Türkei, Japan und Indien liegen noch weit dahinter. Die wichtigsten Lieferanten stammten aus Nordafrika, Libyen und Marokko und im Süden aus Südafrika und Nigeria.

Mehr Geschwindigkeit

Am Nachmittag waren Netzwerktreffen angesetzt zu Themen wie Agrarwirtschaft und Lebensmittel, Fachkräfte, Maschinenbau und Rohstoffe, Energie, Wasser und Logistik. Die Diskussionen zeigten, so Belina, dass die Lösungen oft sehr innovativ seien in den afrikanischen Ländern, besonders bei Bezahl- und Logistiksystemen. „Die Geschwindigkeit in der Umsetzung ist ein Schlüssel, von dem auch deutsche Firmen lernen können.“

Offenheit und Geduld

Zum anderen seien lokale Netzwerke und verlässliche Partner unabdingbar. Interkulturelle Offenheit, Authentizität und Geduld seien entscheidend für den Markteintritt – „nicht alles aus Europa ist direkt übertragbar“, weiß die IHK.

Förderstrukturen existierten, manchmal seien sie über informelle Netzwerke wie Whatsapp-Gruppen zu finden. Die Unternehmenskultur sei unterschiedlich. „Wir können von der Flexibilität vor Ort profitieren und stabile Rahmenbedingungen liefern“, so Belina. Die oberfränkischen Unternehmen sollten sich in Zukunft breiter aufstellen. In Bezug auf Afrika sei aber Durchhaltevermögen gefragt. „Der Markt- und Netzwerkaufbau benötigen Zeit.“