Affen, Hirsche, Welpen Polizei beschlagnahmt 320 Tiere aus einem Transporter

Foto: Uschi Lang

WAIDHAUS/WUNSIEDEL. In der Oberpfalz stoppte die Bundespolizei in der Nacht zum Montag einen belgischer Transporter. Die beiden Fahrer wollten laut ersten Informationen von Ungarn über Deutschland nach Antwerpen fahren. Bei der Kontrolle entdeckten die Beamten unter anderem 250 Zierfinken, Weißwedelhirsche und 23 Hundewelpen verschiedener Rassen. In Kisten verstaut, sollen die Tiere weder Futter noch Wasser gehabt haben.

Eine Pressemitteilung von VIER PFOTEN sorgte zunächst für Verwirrung in den sozialen Medien. Es war die Rede von Wunsiedel in der Oberpfalz. Durch Recherchen konnte unsere Redaktion jedoch in Erfahrung bringen, dass der Transporter bei Waidhaus gestoppt und die Tiere überwiegend nach Wunsiedel gebracht wurden. „Alle Tiere wurden beschlagnahmt“, sagte eine Tierschutzsprecherin von VIER PFOTEN.

Die drei Weißwedelhirsche und ein Liszt-Äffchen sind in einer Auffangstation in München untergebracht. Acht Graugänse und Schwäne kamen in Nürnberg unter.

Gegen die beiden Männer im Alter von 23 und 52 Jahren laufen nun Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, gegen den Artenschutz und gegen das Tierschutzseuchengesetz. Wie das Landratsamt Neustadt an der Waldnaab mitteilt, hätten die Tiere nicht nur weder Wasser noch Futter gehabt und seien auf viel zu engem Raum untergebracht gewesen, hinzu komme, dass die Tiere Fressfeinde seien, die in Panik verfallen hätten können in ihren Käfigen und Kisten.

„Die jüngsten der beschlagnahmten Welpen sind erst vier Wochen alt und damit viel zu jung, um überhaupt von der Mutter getrennt zu werden“. Sie seien nicht geimpft und müssten vorerst in Quarantäne bleiben. Wie so viele andere Hundebabys auch, stammen diese laut Vermutungen des Vereins aus sogenannten Vermehrerstationen. So etwas hinterlasse physische und psychische Schäden bei den kleinen Welpen, die teilweise lebenslang nicht mehr verarbeitet werden. Die Käufer ahnen meist nichts von den Qualen, die die Hunde bereits erleiden mussten. „Um dieses System nicht unbewusst zu unterstützen, sollten Interessierte grundsätzlich zuerst im Tierheim nach einem vierbeinigen Freund schauen – hier warten viele Hunde auf ein neues Zuhause“, sagt Daniela Schneider, Kampagnenverantwortliche für Heimtiere bei VIER PFOTEN Deutschland.

Kosten zahlt die Kommune

Die Kosten für Quarantäne, Tierarzt und Unterbringung muss der Landkreis Neustadt/Waldnaab bezahlen. Deshalb bittet eine Sprecherin: „Kaufen Sie keine Welpen oder andere Tiere aus Kofferräumen oder im Internet“. Das würde die Zucht und diese Tiertransporte nur befeuern.

Dieser Fall zeige einmal mehr, dass das unseriöse Geschäft mit Tieren ein internationales Problem ist und nicht in den EU-Mitgliedsstaaten einzeln gelöst werden kann. VIER PFOTEN fordert daher ein europaweit kompatibles System zur Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Heimtiere, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Tiere und Halter zu gewährleisten.

 

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