Abschied in Wirbenz Eine Pfarrerin, die die Menschen begeisterte

Wolfgang Hübner
Kathrin Spies (Mitte) im Kreise der Ehrengäste Werner Schlöger, Roman Schäffler, Werner Nickl, Thomas Kraus, Norbert Schröter, Kathrin Pühl, Thomas Berthold, Thomas Kaufmann, Hartmut Klausfelder, Christian Porsch, Angelika Besold, Oksar Burkhardt, Elmar Grosser, Robert Bayer und Iris Abramofski, Foto: wh/Wolfgang Hübner

Besonders lange war sie nicht in Wirbenz: Doch der bewegende Abschied von Pfarrerin Kathrin Spies zeigt: Auch in kurzer Zeit kann man viel bewegen.

Ein herzlicher, aber auch tränenreicher Abschied: die Wirbenzer Pfarrerin Kathrin Spies geht zunächst für ein Jahr in Elternzeit und widmet sich Ihrer Familie. In einem feierlichen Verabschiedungsgottesdienst der Kirchengemeinde Wirbenz/Kemnath/ Immenreuth mit vielen Besuchern und Ehrengästen wurde die sympathische Seelsorgerin mit Leib und Seele vom Grafenwöhrer Pfarrer Thomas Berthold von ihren dienstlichen Aufgaben entpflichtet.

Bei allem Wehmut durchzog in Klang, Wort und Gesang spürbar und hörbar die Freude und Fröhlichkeit sowie Dankbarkeit, „dass wir sie gehabt haben“, so Vertrauensmann Werner Schlöger, den Festgottesdienst. Vielen dürfte der evangelische Kirchenchor unter Leitung von Gertraud Burkhardt aus der Seele gesprochen haben, als er am Ende das Wanderlied „Möge die Straße uns zusammenführen“ anstimmte. Die Gemeinde stimmte ein in das „Lobe den Herrn meine Seele“ und „Lopreiset unseren Gott“. Der Posaunenchor in seinen Kulmregion-Besetzung aus Instrumentalisten von Wirbenz, Immenreuth, Frankenberg und Neustadt am Kulm ließ das Kirchenlied „Ich lobe meinen Gott“ erklingen und gab Spies „Irdische Segenswünsche“ mit auf dem Weg.

Ein kleiner Trost für die Kirchengemeinde und die Kulmregion mag da Bertholds Hinweis gewesen sein, dass „Kathrin Spies berufen bleibt zu predigen, zu taufen und zum Feiern des Abendmahls“. Frei von dienstlichen Pflichten in der Gemeinde sei sie immer herzlich willkommen, sich einzubringen und dort einzuspringen, wo sie gebraucht werde. Für den erkrankten evangelischen Dekan von Weiden, Thomas Guba, dankte stellvertretender Dekan Berthold namens der Landeskirche und des Dekanats für die Treue und Liebe, für den Dienst und Einsatz all ihrer Gaben und Talente. Er erinnerte an Spies´ wichtigste Stationen vom Studium in Neuendettelsau und Erlangen, über das Vikariat seit März 2016 bis zur Ordination am 2. Februar 2020 und zum Dienstantritt am 1. Mai 2021 auf einer halben Stelle. Berthold sagte: „In diesen bewegten Jahren als Neuling anzufangen und dann auch noch eine Pandemie mitzuerleben, ist aller Ehren wert.“ Vieles im Dienst einer Pfarrerin sei nicht offensichtlich, so Berthold. Vieles werde im Verborgenen geleistet.

In ihrer Predigt stellte Spies Jesus Botschaft vom Reich Gottes mit ihrer neuen Dimension in den Mittelpunkt.

Viel habe sie in den sechseinhalb Jahren, seit sie im März 2016 als Vikarin nach Wirbenz gekommen sei, wachsen sehen. Gleichsam als zartes Pflänzchen frisch vom Studium habe sie größten Respekt vor Beerdigungen und großen Festgottesdiensten gehabt. An der ersten Predigt habe sie ewig gefeilt. Vor allem in den letzten eineinhalb Jahren sei viel Unerwartetes und Neues dazugekommen, viel gemeinsam durchgestanden und entwickelt worden. Jetzt sei es an der Zeit, ein bisschen Familienleben wachsen zu lassen. Spies zitierte Luther, der gesagt haben soll: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Gottes Reich sei mitten unter uns, es wachse und wann es vollendet sei, wisse niemand. „Aber wir können ja schon mal ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Sie wird überschüttet mit Lob

Die Attribute „menschenfreundlich“, „immer fröhlich und lächelnd“, „immer liebevoll und liebenswürdig“, „empathisch und authentisch“, „einfühlend, vertrauenswürdig und glaubwürdig“, zogen sich zum einen wie ein roter Faden durch die anschließenden Laudationes. Nicht minder tiefer Respekt, wie Spies in einer vergleichsweise kurzen, aber von großen Umbrüchen und Herausforderungen geprägten Zeit von fünf Jahren als Vikarin und Pfarrerin (mit einer halben Stelle) viele Menschen begeistert und wie viele Ideen sie verwirklicht hat, dass sie neue Wege gegangen ist und Vieles zum Blühen gebracht hat. Und das noch im Spagat von Ehefrau, Mutter und Hausbau.

„Dass die Freude der bereichernden ökumenischen Zusammenarbeit nur eineinhalb Jahre währen durfte“, bedauerte der katholische Pfarrer aus Kemnath, Thomas Kraus stellvertretend auch für die katholischen Pfarrer und Pfarrgemeinden Immenreuth, Kulmain, Waldeck und Kirchenlaibach. In einer liebvollen Offenheit und Unkompliziertheit, mit ihrem mütterlichen Horizont und in der gebotenen Diskretion habe Spies in der Ökumene Vieles erleichtert. Wenngleich ihre erste Frage immer gewesen sein: „Wie geht es dir, wie geht es euch – du hast Ruhe hineingebracht.

Bewusst mit Hut trat der Senior des Pfarrkapitels, Pfarrer Hartmut Klausfelder aus Neustadt am Kulm, ans Rednerpult. Nicht nur symbolisch. Seinem Bonmots „Was du geleistet hast, davor kann man nur den Hut ziehen!“ ließ er auch Taten folgen.

Als Neuankömmling habe sie sich auf die heikle Aufgaben eingelassen und Wertvolles erreicht: Sie habe es geschafft, Selbstheilungskräfte zu aktivieren, dass die Kirchengemeinde sich neu entdeckt habe.

Sie haben es verstanden, Menschen mitzunehmen, betonte Bürgermeister Christian Porsch stellvertretend für die Bürgermeister Thomas Kaufmann Immenreuth, Roman Schäffler Kemnath und Altbürgermeister Werner Nickl. Sie werde in ihrer ganz eigenen Art eine Lücke hinterlassen. An die spontane Zusage Spies´, vor eineinhalb Jahren die Pfarrstelle in einer alles andere als leichten Situation anzutreten, erinnerte Vertrauensmann Werner Schlöger. Spies habe die Elternzeit ausgesetzt, um die Kirchengemeinde nicht allein zu lassen.

 

Bilder