Gülle hat einen großen Nachteil: Sie stinkt zum Himmel. Einige Bauern in der Region bekämpfen den Geruch mit gemahlenen Steinen. Doch der EU ist das nicht genug: Sie hat zum 1. Januar 2016 eine bestimmte Art der Gülleausbringung gleich ganz verboten. Und will 2020 noch härter durchgreifen.
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Einmal hat Herbert Späth einem Besucher erzählt, er mische Zement ins Kuhfutter. „Der dachte, ich bin verrückt“, sagt der 48-Jährige und lacht. Denn das graue Mehl, das in einer Schubkarre im Stall des Bindlacher Landwirts steht, sieht wirklich aus wie Zement.
Es ist aber Gesteinsmehl, das beim Diabas-Abbau in Bad Berneck übrig bleibt. „Da sind viele Spurenelemente drin, besonders beim Fellwechsel brauchen die Kühe das“, sagt Späth. Einen Großteil der 16 Tonnen Mehl, die der Bauer pro Jahr kauft, gibt er aber nichts ins Futter - sondern in die Güllegrube. Mit einer Art Riesen-Pürierstab rührt er dann so lange um, bis sich das Mehl gleichmäßig in der Gülle verteilt hat.
„Ich denke schon, dass die dann weniger stinkt“, sagt er. Denn das Gesteinsmehl bringe durch seine große Oberfläche mehr Sauerstoff in die Gülle. Diese verrotte langsam, statt schnell zu verfaulen. Das sei einerseits gut für den Boden, sagt Bernhard Herold von den Hartsteinwerken Schicker. „Und weil das Mehl das Ammoniak bindet, wird außerdem der Geruch gebunden.“
Bauern, die das zu schätzen wüssten, gebe es in der Region allerdings wenige, sagt Herold. „Wir liefern vor allem ins Allgäu, nach Österreich und in die Oberpfalz.“ BBV-Kreisobmann Karl Lappe sagt dazu: „Im eigenen Land zählt der Prophet immer am wenigsten.“
Das Gesteinsmehl hat allerdings einen Nachteil: Es wird von der EU nicht als Maßnahme zum Schutz von Umwelt, Klima und Tier angesehen. Deshalb gilt für Späth, was ab Anfang 2016 für alle europäischen Bauern gilt, die Fördergelder wollen: Er darf seine Gülle nicht mehr so aufs Feld bringen, wie es lange Jahre üblich war.
Bei diesem sogenannten Prallteller-Verfahren trifft die Gülle auf eine Art Teller und wird von dort nach oben in die Luft gesprüht. Das flüchtige Ammoniak verteilt sich dabei großflächig in der Luft. Und stinkt. Deshalb erlaubt die EU jetzt nur noch Ausbringungstechniken, bei denen die Gülle nicht so weit spritzt.
Karl Lappe hat es rund 1000 Euro gekostet, seine Technik umzurüsten, „das können sich die meisten noch leisten“. Doch auch der Schwanenhalsverteiler, der die Gülle immerhin nach unten statt nach oben spritzt, ist vermutlich nur eine Zwischenlösung.
„Es wird darüber diskutiert, ob ab dem Jahr 2020 nur noch bodennahe Gülleausbringung erlaubt wird“, sagt Lappe. Dabei wird die Gülle mit vielen kleinen Schläuchen direkt an der Pflanzenwurzel ausgebracht. „Das wirkt noch geruchsmindernder“, sagt Ernst Heidrich, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Und die Bauern sparten, weil das sich nicht mehr verflüchtigende Ammoniak eben auch Dünger sei, den man dann mitverwerten könne.
Auch hier gibt es allerdings ein Problem: Ein Schleppschlauchverteiler allein kostet rund 40.000 Euro - ohne zugkräftigeren Traktor oder Pumptankwagen. „Kleinbauern können sich das nicht leisten, das Geschäft wird dann nur noch von Lohnunternehmen gemacht“, sagt BBV-Kreisobmann Lappe. Die neue Technik sei zudem viel schwerer als die bisherige. „Das zerstört den Boden. Und zu meinen Hanglagen an der Neubürg käme ich damit erst gar nicht.“
Auch Bauer Herbert Späth kann der neuen Technik nichts abgewinnen. „Wenn das Wetter nicht passt, kann es sein, dass die dickeren Streifen länger auf der Wiese bleiben.“ Laufe es dumm, habe er die Gülle dann wieder mit im Futter. Dank Steinmehl wäre sie dann zwar weniger schädlich als normale Gülle. „Aber das muss ja trotzdem nicht sein.“