Türkisch-deutsches Fest lockte mehr als 1500 Gäste – Integratives Kunstwerk versteigert Fastenbrechen auf dem Marktplatz

Von Norbert Heimbeck

„A weng zammrücken“ und „Allahu akbar“ – fränkisch-türkisch ging’s beim ersten öffentlichen Fastenbrechen der türkischen Gemeinde Bayreuths zu. Mehr als 1500 fröhliche Menschen, die sangen, beteten und speisten, zeigten: Integration kann mehr als ein Schlagwort sein.

Fähnchen mit dem türkischen Halbmond und in Schwarz-Rot-Gold, die Nationalhymnen beider Länder – man hätte meinen können, König Fußball habe am Samstagabend den Bayreuther Marktplatz erobert. Doch es war eine andere Macht, die die Menschen zusammenführte: die Religion.

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Knapp zehn Prozent der rund 14 600 Ausländer in Bayreuth (Quelle: Statistisches Jahrbuch der Stadt) sind Türken. Obwohl viele von ihnen seit Jahren und sogar Jahrzehnten in Deutschland leben, ist die türkische Kultur, ist der Islam noch immer fremd. Ali Tas ist seit einigen Monaten Vorsitzender des Bayreuther DITIB, des Türkisch-Islamischen Vereins. Im Februar stellte er dem Kurier seinen Traum vom gemeinsamen Fastenbrechen auf dem Markt vor. Mit Unterstützung des städtischen Integrationsamtes konnte das Fest nun realisiert werden, aus dem Programm „Toleranz fördern“ wurde ein Teil der Kosten finanziert.

Es muss mehr als die Aussicht auf ein kostenloses Essen gewesen sein, was die Bayreuther in erstaunlicher Anzahl zu dem Fest lockte. Gute zwei Stunden lang lauschten sie bei strahlender Sonne den islamischen Gebeten, vorgetragen von den Imamen aus Bayreuth und Hof. Osman Yilmaz übersetzte und erläuterte die wichtigsten Passagen. In einem Zelt verrichteten türkische Männer ihre Gebete. Auf Plakaten war nachzulesen, warum das Fasten für Muslime so wichtig ist: Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam und gilt als eine Form des Gottesdienstes. Von Der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang verzichten Muslime auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr.

Nach Sonnenuntergang darf gefeiert werden. Die Mehrzahl der Bayreuther wartete denn auch geduldig das Signal – den Gebetsruf des Imams – ab, ehe sie zum Löffel griffen und Suppe, Reis und Salat genossen. Zum Trinken gab’s Wasser und Ayran, ein säuerliches Milchgetränk. Spätestens beim gemeinsamen Essen waren schließlich alle Gäste aufgetaut und plauderten angeregt. Viele, die sich irgendwann spät in dieser Nacht von Ali Tas und seinen Vorstandskollegen verabschiedeten, taten das mit den Worten: „Wir freuen uns auf nächstes Jahr!“

Ganz ohne Politik kam man am Samstag nicht aus: Vor Beginn des Iftar-Fests hatte das städtische Integrationsamt ein Spektakel zugunsten der Kurier-Aktion „Menschen in Not“ inszeniert. Eine Mauer als Symbol der Offenheit – dieses Kunstwerk entstand während der interkulturellen Wochen 2013 und wurde jetzt versteigert.

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe sagte, sie sei stolz auf Bayreuths Vorreiterrolle in Sachen Toleranz. Gerhard Eggert vom Amt für Integration erklärte, Integration sei „keine Einbahnstraße“. Die Mauer wurde von 60 Kindern unterschiedlicher Nationalität unter Anleitung der Kunstschule Aquamarin gestaltet. Sie ist vier Meter breit und 2,5 Meter hoch.

Mainwelle-Moderator Christian Höreth führte durch die Versteigerung, an deren Ende Karstadt-Geschäftsführerin Janine-Christine Marz bei 550 Euro den Zuschlag bekam. Mitgeboten hatten Richard Sokol vom Deutsch-polnischen Kulturverein und Günter Mörlein, Gründungspräsident des Kiwanisclubs.