Der Wissenschaftsminister Bernd Sibler, vor gut zwei Wochen bereits von der CSU als "Bayreuth-Minister" geadelt, hat eine Liebeserklärung im Gepäck: "Ich liebe die Bayreuther Uni, ich liebe die Bayerische Forschungsstiftung", sagt Sibler bei der Feierstunde im TAO-Foyer, "weil hier viele Dinge zusammenkommen, über die wir in München in der Theorie nachdenken". Das Haus: "Symbolhaft." Für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Technologie-Allianz stehe "für das Heben und Gewinnen von Synergien", sagt Sibler.

Klarer Gewinner der High-Tech-Agenda

In Bayreuth, Sibler nennt die Uni einen der klaren Gewinner der zwei Milliarden Euro schweren High-Tech-Agenda der Staatsregierung, gehe es aber nicht nur um Beispiele gelungener Kooperation zwischen Wissenschaft und Unternehmen, wie sie die beiden geförderten Projekte repräsentierten, sondern um mehr: Nachwuchs-Wissenschaftler könnten über entsprechende Zusammenarbeit mit innovativen Unternehmen in Oberfranken Kontakte knüpfen, was die Chance schaffe, "dass Fachkräfte der Zukunft gebunden werden können", wie Sibler sagt.

Hochschulrecht für Gründer reformieren

Mit einem weiteren Schlüssel wolle die Staatsregierung auf dem Feld helfen: "Wir wollen das Hochschulrecht so ändern, dass Firmenausgründungen leichter möglich werden." Und damit die Grundlage schaffen, dass Erfindungen auch hier vermarktet werden könnten. Und gerade in Oberfranken, wo viele Automobilzulieferer ihren Sitz haben, die indirekt von einem sich abzeichnenden Abbau von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie betroffen sein können, müsse man "Akzente dagegen setzen", sagt Sibler. Durch genau die Projekte, die in Bayreuth vorangetrieben werden. Denn die behandelten die Fragen der Zukunft.

Geht nur im Dialog mit der Gesellschaft

Der Präsident der Bayreuther Uni, Stefan Leible, sagt, an der Uni Bayreuth habe man den Trend "frühzeitig erkannt" und die Herausforderung der Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft angenommen. Die Stabsabteilung für Entrepreneurship, die sich um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen in der Region und innovative Gründer kümmert, nehme eine Entwicklung "auf die man sehr gespannt sein kann", wie Leible sagt. Zukunftsfragen könnten schließlich nur "in Kooperation und im Dialog mit der Gesellschaft" gelöst werden, sagt Leible.

Vorausschauende Forschungsprojekte

Die beiden Forschungsprojekt von Prof. Ralf Moos vom Lehrstuhl für Funktionsmaterialien und Prof- Stefan Jablonski vom Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme seien "vorausschauend, neuartig und versprechen einen Mehrwert für uns", wie Sibler in seiner Würdigung sagt. Projekte aus den Bereichen Clean-Techn und Künstliche Intelligenz seien "Themen der Zukunft", die gleichermaßen helfen, "das Technologieland Bayern voran zu bringen".

Künstliche Intelligenz für den Kunden-Dialog

Mit 660.000 Euro unterstützt die Forschungsstiftung das Projekt Info-Formalizer, das zum Ziel hat, mit Hilfe künstlicher Intelligenz "den Kunden-Experten-Dialog" treffsicher und vor allem schnell zu machen, wie Jablonski sagt. Kunden von Unternehmen - das Forscher-Team arbeitet hier mit Unternehmen aus der Region zusammen - sollen, trotz möglicherweise ungenauer Informations-Beschreibung, blitzschnell eine Problemlösung serviert bekommen. Tempo ist für Jablonski auch ein Thema: "Forscher werden oft durch Antragsprozesse für Förderungen behindert, die ewig lang dauern" - das sei bei Förderung durch die Bayerischer Forschungsstiftung anders.

CO2 wird zu Ethen

Das Projekt von Prof. Ralf Moos und seinen Studenten, das mit 280.000 Euro unterstützt wird, behandelt eine der Kernfragen der Zukunft: Reduktion von CO2. Moos denkt da allerdings einen Schritt weiter. Es gehe nicht nur darum, CO2 zu reduzieren, sondern darum, eine Technik zu entwickeln, wie aus dem klimaschädlichen Abfallstoff Ethen gewonnen werden kann, eine wichtige Grund-Chemikalie, die einen Wert repräsentiere und auch verkauft werden könne.