92:97 in Ludwigsburg Auf hohem Niveau gleichwertig

Mitreißender Kampf: Nur in den ersten Minuten hatten die Bayreuther große Schwierigkeiten mit der Physis der Riesen Ludwigsburg. Mit zunehmender Spielzeit wurden solche Duelle wie hier zwischen Bastian Doreth und Jaleen Smith (in gelb) immer häufiger – und der Ausgang offener. Foto: Peter Mularczyk

Mit einer tollen Leistung hat Medi Bayreuth am Sonntagabend den Tabellenführer der Basketball-Bundesliga an den Rand der ersten Heimniederlage gebracht. Am Ende setzten sich die Riesen Ludwigsburg aber doch mit 97:92 durch.

Basketball - Medi Bayreuth war am Sonntagabend drauf und dran, eine der größten Sensationen der gesamten bisherigen Bundesliga-Saison zu schaffen. Beim Tabellenführer Riesen Ludwigsburg lag die Mannschaft von Trainer Raoul Korner noch knapp fünf Minuten vor Schluss in Führung und hatte selbst in der letzten Minute noch immer eine reelle Siegchance. Am Ende bewiesen die Ludwigsburger aber nicht zum ersten Mal genug Nervenstärke und Selbstvertrauen, um den Angriff abzuwehren und mit 97:92 (49:51) weiter in heimischer Halle unbesiegt zu bleiben.

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Dabei nutzen die Bayreuther keineswegs nur einen schwachen Tag des amtierenden Vizemeisters, sondern sie waren ihm auf hohem Niveau gleichwertig. Letzter Beweis dafür war ihre Reaktion auf die moralischen Rückschläge gegen Ende des dritten Viertels. Als Matt Tiby eine gute Chance vergab, auf 70:71 zu verkürzen, handelte sich Korner für die Forderung nach einem Foulpfiff ein technisches Foul ein. Jordan Hulls verwandelte den fälligen Freiwurf und zum Abschluss des folgenden Ballbesitzes nach einem Foul beim Distanzwurf gleich noch drei weitere. Als dann auch noch Riesen-Neuzugang Oscar da Silva seinen ersten Korb in der BBL erzielte, stand nur 70 Sekunden nach dem möglichen Anschluss auf einen Punkt plötzlich der höchste Rückstand des ganzen Spiels auf der Anzeigetafel: 68:77.

Vom höchsten Rückstand nochmals zur Führung

Das Medi-Team antwortete darauf jedoch prompt mit der besten Phase, in der 15:4 Punkte gelangen. Osvaldas Olisevicius leitete sie noch im dritten Viertel mit einem Dreier ein und krönte sie schließlich auf dieselbe Weise mit einem Distanzwurf zur 83:81-Führung (36.). Zu diesem Zeitpunkt ließ sich der Ausgang der Partie unmöglich vorhersagen, zumal viele Situationen hart umkämpft waren und nur knapp zugunsten der einen oder anderen Seite entschieden wurden.

Entscheidend war dann letztlich die Stabilität des durch viele oft auch knappe Erfolge gefestigten Spitzenreiters. Nach einer Auszeit beim Stand von 83:83 gelangen den Riesen sieben Punkte in Folge, und fünf davon erzielte ein Spieler, der bis dahin nur vereinzelt aufgefallen war: Tremmell Darden eröffnete die Serie unter dem Korb nach einem Rebound und schloss sie 94 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier zum 90:83 ab. Zusätzlich bitter für das Medi-Team waren in dieser Phase zwei vergebene Freiwürfe von Dererk Pardon. Doch selbst an diesem Punkt gaben sich die Bayreuther noch nicht geschlagen. Lazeric Jones verkürzte nur fünf Sekunden später mit starkem Zug zum Korb und trug anschließend mit starker Verteidigung gegen Jaleen Smith dazu bei, dass die Ludwigsburger die Angriffszeit überschritten. Als Andreas Seiferth auf 87:90 verkürzte, war bei einer Restspielzeit von 48 Sekunden immer noch alles drin. Nun ließ sich Smith aber nicht mehr beirren, traf zum 92:87 und bügelte einen vergebenen Freiwurf beim Stand von 93:89 durch einen tollen Block gegen den überragend auftrumpfenden Frank Bartley aus. Sogar drei Sekunden vor Schluss traf Bartley noch einen schwierigen Dreier zum 92:95, aber das hatte nur noch statistischen Wert, um seine ohnehin schon mit 28 Punkten aufgestellte persönliche BBL-Bestleistung noch auf 31 zu steigern.

Fehlstart mit 2:10-Rückstand

Am Ende trauerten die Bayreuther vielleicht ein wenig ihrem Fehlstart nach. Beim 2:10-Rückstand nach nur zweieinhalb Minuten hatte es nämlich so ausgesehen, als hätten sie der gefürchteten Physis der Ludwigsburger nicht viel entgegenzusetzen. Das Medi-Team hatte wiederholt beim Rebound das Nachsehen und leistete sich zunächst einige Ballverluste, sodass die Ludwigsburger im ersten Viertel elf Wurfchancen mehr bekamen (23 gegenüber zwölf). Solche Durststrecken bei der Trefferquote, wie bei den 7:16 Punkten zum 17:18-Rückstand, schien sich der Favorit daher durchaus leisten zu können.

Spätestens ab dem zweiten Viertel mussten die Bayreuther den Vergleich auch im Hinblick auf die Intensität nicht mehr scheuen. Es entwickelte sich ein hochklassiger Schlagabtausch mit viel Kampf, aber auch spektakulären Korberfolgen auf beiden Seiten. Bei Ludwigsburg bestätigte dabei Yorman Polas Bartolo seine Hochform als Werfer, und auf Bayreuther Seite bekam der überragende Bartley zunehmend Unterstützung durch Olisevicius mit 13 Punkten in der zweiten Halbzeit.

Einzelkritik (von Florian Kirchner)

DERERK PARDON (2 Punkte / 16:53 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -15): Musste bereits in der vierten Minute nach dem zweiten Foul für längere Zeit Platz für Andreas Seiferth machen. Konnte im weiteren Spielverlauf kaum Wirkung entfalten, sein einziger Korberfolg glückte ihm kurz vor dem Seitenwechsel. In der Crunchtime beim Stand von 84:87 (39.) aus Bayreuther Sicht mit zwei ärgerlichen Fahrkarten von der Freiwurflinie; 1/3 aus dem Feld, 0/4 Freiwürfe, vier Rebounds.

Nico Wenzl: Nicht eingesetzt.

Philip Jalalpoor: Nicht eingesetzt.

Kay Bruhnke (0 / 2:44 / -4): Kurzeinsatz im ersten Viertel. Ein Dreierversuch verfehlte knapp sein Ziel.

BASTIAN DORETH (4 / 28:26 / -6): War gegen den quirligen „Sniper“ Jordan Hulls und Nachwuchstalent Lukas Herzog defensiv stark gebunden, ließ sich viermal den Ball abluchsen. Als Punktesammler (2/5 Würfe) und als Vorbereiter (drei Assists) unter Saisonschnitt.

Andreas Seiferth (11 / 23:03 / 10): Der Nationalcenter war bei Bayreuth der Turm in der Schlacht, stemmte sich der physisch starken Ludwigsburger Centerriege um Ex-BBL-MVP Jamel McLean, Jubilar Jonas Wohlfarth-Bottermann (300. BBL-Spiel) und NBA-Aspirant Oscar da Silva entgegen und schrammte mit elf Punkten (5/9 Würfe) und neun Rebounds knapp am Double-Double vorbei. Zweitbester Effizienzwert (18), beste Plus-Minus-Bilanz.

Lazeric Jones (6 / 23:10 / 5): Agierte unaufgeregt gegen die gefürchtete Pressverteidigung der Schwaben und zeigte eine solide Partie; 2/4 Würfe, zwei Rebounds, zwei Assists.

MATT TIBY (8 / 22:08 / -15): Vor der Pause etwas unkonzentriert (drei Ballverluste), aber physisch enorm stark. Erzielte seine Punkte mit guter Quote (3/5); vier Rebounds, drei Assists.

Johannes Krug: Nicht eingesetzt.

DAVID WALKER (11 / 25:09 / -9): Licht und Schatten im schnellen Wechsel. Gewohnt stark in der Defensive, drei Dreier, aber auch zwei Airballs von jenseits der 6,75-Meter-Linie und zwei vermeidbare Ballverluste.

Frank Bartley (31 / 30:21 / 5): Der Bayreuther Shooting Guard kam frühzeitig von der Bank und wurde schnell zur herausragenden Offensivoption auf dem Parkett: Erzielte bis zur Pause bereits 17 Punkte und beendete die Partie mit einer neuen persönlichen Karriere-Bestleistung; 7/9 Zweier, 3/5 Dreier, 8/8 Freiwürfe, Effizienzwert 32.

OSVALDAS OLISEVICIUS (19 / 28:06 / 4): Fand zunächst offensiv nicht wie gewohnt ins Spiel und hatte defensiv einige Probleme mit Riesen-Routinier Yorman Polas Bartolo. Taute offensiv nach dem Seitenwechsel auf und war am Ende zweitbester Bayreuther Scorer (6/10 aus dem Feld, 5/7 Freiwürfe).

Statistik

Riesen Ludwigsburg - HULLS (21 Punkte / 24:31 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 14), Ja. Patrick (3 / 10:45 / -8), SMITH (17 / 37:16 / 1), BROWN (6 / 9:37 / 0), McLean (15 / 27:33 / 17), Herzog (0 / 8:41 / 6), POLAS BARTOLO (22 / 33:26 / 5), Santana, WOHLFARTH-BOTTERMANN (0 / 12:27 / -12), Rodriguez (2 / 2:20 / -2), DARDEN (9 / 18:41 /1), Da Silva (2 / 4:43 / 3); Feldwurfquote: 35/68 (51 Prozent), davon 13/36 Dreier (36 Prozent): Hulls (5/11), Polas Bartolo (3/9), Smith (2/7), Ja. Patrick (1/1), McLean (1/2), Darden (1/2); Freiwürfe: 14/17 (82 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 13 offensiv (McLean 7/0); Assists: 20 (Smith 8); Ballgewinne: 11 (Smith 4); Ballverluste: 13; Effektivität: 115 (Smith 23, McLean 22, Polas Bartolo 22, Hull 18, Darden 13).

Medi Bayreuth - Feldwurfquote: 32/28 (55 Prozent), davon 9/21 Dreier (43 Prozent): Bartley (3/5), Walker (3/7), Olisevicius (2/4); Freiwürfe: 19/25 (76 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 7 offensiv (Seiferth 6/3); Assists: 14; Ballgewinne: 9; Ballverluste: 13 (Doreth 4); Effektivität: 99 (Bartley 32, Seiferth 18, Olisevicius 14, Jones 10, Tiby 10).

SR: Reiter, Kovacevic, Theis.

Stationen:10:2 (3.), 17:18 (7.), 27:20 (9.), 29:24 (1. Viertel), 29:34 (13.), 42:40 (16.), 49:51 (Halbzeit), 51:57 (22.), 64:59 (25.), 77:68 (30.), 77:71 (3. Viertel), 79:80 (35.), 81:83 (36.), 90:83 (39.), 90:87 (40.), 95:89 (40.), 95:92 (40.), 97:92 (Ende).

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