90:83 gegen Hamburg Alle Erwartungen übertroffen

Wieder mit Spaß bei der Sache: Dererk Pardon gehörte erstmals nicht zur Bayreuther Startformation, brachte aber umso wertvollere Impulse von der Bank. Einer der Matchwinner: Der 19-jährige Kay Bruhnke (links) scheute nicht nur keinen Zweikampf, sondern übernahm auch die Verantwortung für eine ganze Reihe wichtige Aktionen. Foto: / Peter Kolb

Das war eine sehr überzeugende Antwort auf die Kritik nach der Heimniederlage gegen die Löwen Braunschweig: Im vorletzten Heimspiel der Saison in der Basketball-Bundesliga gewann Medi Bayreuth am Donnerstagabend gegen den Playoff-Teilnehmer Hamburg Towers mit 90:83.

Basketball - Besser auftreten als bei der enttäuschenden Heimniederlage gegen Braunschweig – das war das Minimalziel von Medi Bayreuth am Donnerstagabend im vorletzten Heimspiel der Bundesliga-Saison gegen die Hamburg Towers. Doch der zuletzt stark kritisierten Mannschaft gelang sehr viel mehr: Obwohl für den Tabellensechsten wegen seiner Chance auf Platz vier wesentlich mehr auf dem Spiel stand, lieferten ihm die Gastgeber einen abwechslungsreichen Schlagabtausch auf sehr gutem Niveau, in dem sie auf jede der vielen Wendungen eine Antwort fanden und letztlich mit 90:83 (47:34) sogar als Sieger vom Feld gingen.

Anzeige - dunk.fm Spieltagsponsor

Starker Auftritt von Kay Bruhnke

Den ersten Impuls zu einer veränderten Einstellung hatte Medi-Trainer Raoul Korner mit einer neuen Startformation gesetzt. Neben Andreas Seiferth war auch Philip Jalalpoor, der allerdings nach Schwierigkeiten in der Defensive nur gut vier Minuten lang auf dem Feld stand. Vor allem aber bekam jeder seine Chance zur Bewährung. Bereits nach acht Minuten hatte Korner zehn Spieler zum Einsatz gebracht, wobei der letzte in der Reihe am meisten auffiel: Kay Bruhnke beendete eine Phase mit dürftigen Trefferquoten mit einem Dreier zum 16:20, und auf dieselbe Weise erzwang er mit dem 26:25 die erste Bayreuther Führung (13.). Mit den Freiwürfen zum 30:27 (14.) hatte der 19-Jährige seine bisherige BBL-Bestmarke schon um zwei Punkte übertroffen.

Da Bruhnke auch starke Szenen als Passgeber und Rebounder hatte, leistete er einen wesentlichen Beitrag zum glanzvollen zweiten Viertel der Gastgeber, das sie mit 31:14 dominierten. Grundlage dafür war der Eifer in der Defensive und vor allem bei den Rebounds (12:4 im zweiten Abschnitt!), aber auch spielerisch setzten das Medi-Team in dieser Phase zunehmend die Mehrzahl der Akzente. Da sie sich dabei gegen die gefürchtete Hamburger Defensive auch nur einen einzigen Ballverlust leisteten, summierten sich diese Faktoren zu einem 15:1-Lauf in nur gut vier Minuten zum 47:32 (20.).

Diesen Vorsprung verteidigten die Gastgeber auch nach dem Seitenwechsel, als die Hamburger an Intensität zulegten. Es entwickelte sich ein zunehmend umkämpftes Duell mit häufig wechselnden kleinen Vorteilen für die eine oder andere Seite – hier mal der eine oder andere Dreier, dort mal ein paar Erfolge in der Verteidigung, aber in jeder Hinsicht fand das Medi-Team immer wieder eine Antwort.

Auch vom Hamburger Ausgleich nicht entmutigt

Erst im letzten Viertel schien es doch damit vorbei zu sein, als die Hamburger mit druckvoller Pressdeckung in den ersten drei Minuten fünf Bayreuther Ballverluste erzwangen, damit das Tempo erhöhten und mit einer 10:0-Serie zum 72:72 ausglichen. Doch selbst dadurch war der Bayreuther Kampfgeist nicht zu erschüttern. Wichtige Dreier von David Walker zum 77:72, Bastian Doreth zum 82:74 und schließlich wieder Bruhnke drei Minuten vor dem Ende zum 85:77 bauten die Führung wieder so weit aus, dass sie solide genug war für die Schlussphase.

„Zu Beginn hat man uns die Verunsicherung noch etwas angemerkt“, fasste Raoul Korner zusammen. „Man hat aber auch gemerkt, dass wir uns etwas vorgenommen hatten.“

Einzelkritik

(Von Florian Kirchner)

Dererk Pardon (11 Punkte / 26:05 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 7): Saß erstmals zu Beginn auf der Bank, kam dann aber früh und war bereit: Dominierte die Bretter und belohnte sich für einen starken Auftritt mit dem besten Effizienzwert (+25) und einem Double Double (11 Punkte, 13 Rebounds)..

PHILIP JALALPOOR (0 / 4:18 / -1): Hatte beim ersten Einsatz in der Startformation keinen leichten Stand gegen Jungnationalspieler Justus Hollatz, der ihn mehrmals „vernaschte“.

Kay Bruhnke (13 / 20:55 / 16): Nach seiner Einwechslung sofort ein Aktivposten. Topscorer bei Halbzeit (10 Punkte) und mit einem wichtigen weiteren Dreier im Endspurt. Zweitbester Effizienzwert (+18), beste Plusminus-Bilanz (+16), nur ein Fehlwurf, vier Rebounds, drei Assists. Sein Fazit: „Wir waren bereit, haben gut rotiert und mit viel Energie gespielt.“.

BASTIAN DORETH (7 /27:40 / 11): Beharkte sich mit Hamburgs „Verteidigungsminister“ Max DiLeo. Fand offensiv schwer in die Partie, marschierte nach der Pause aber voran, stoppte den Hamburger Lauf mit seinem Treffer zum 74:72. Guter Auftritt mit acht Assists.

ANDREAS SEIFERTH (8 / 13:55 / 0): Stand erstmals in der Startformation, kam aber nur 14 Minuten zum Einsatz – dem starken Auftritt von Pardon geschuldet, der mit dem Hamburger Topscorer Maik Kotsar (23 Punkte) weitaus besser zurecht kam. 8 Punkte, 2 Rebounds..

Lazeric Jones (5 / 19:30 / 1): Hatte einige Probleme im Ballvortrag gegen die aggressive Ganzfeld-Presse der Towers.

MATT TIBY (13 / 18:30 / 11): Schaffte es als erster Bayreuther, die Physis der Hamburger zu erwidern und riss seine Teamkollegen mit. Nur ein Fehlwurf.

David Walker (10 / 28:34 / 5): Anfangs ohne Wirkung, starke Defensivaktionen gegen Hollatz und ein Dreier kurz nach der Pause gaben ihm sichtbar Selbstvertrauen. Übernahm im Endspurt Verantwortung.

Frank Bartley (14 / 21:17 / 2): Biss sich in die Partie und war am Ende wieder einmal Topscorer, aber mit eher schwacher Quote (4/10) .

OSVALDAS OLISEVICIUS (9 /19:16 / -13): Startete unauffällig, war mit zwei Ballgewinnen und einem Dreier aber maßgeblich am 15:3-Run in die Pause beteiligt. Solider Auftritt, trotz vier Ballverlusten.

Statistik

Medi Bayreuth -

Feldwurfquote: 29/56 (52 Prozent), davon 13/31 Dreier (42 Prozent): Bruhnke (3/4), Walker (3/7), Tiby (2/3), Bartley (2/6), Olisevicius (1/2), Doreth (1/4), Jones (1/4); Freiwürfe: 19/21 (90 Prozent); Rebounds: 28 defensiv, 6 offensiv (Pardon 12/1); Assists: 26 (Doreth 8); Ballgewinne: 5 (Olisevicius 3); Ballverluste: 15 (Olisevicius 4); Effektivität: 114 (Pardon 25, Bruhnke 18, Tiby 14, Olisevicius 13, Bartley 12).

Hamburg Towers -

Shorts (14/28:54/-6), Swing (11/22:08/+10), DILEO (0/13:23/-7), Rich (3/7:31/+7), KOTSAR (23/30:01/-18), Richter (2/9:59/+11), HOLLATZ (4/28:43/-16), ALLEN (12/22:54/-9), CUTH-BERTSON (11/27:00/-2), Spencer (3/9:27/-5).

Feldwurfquote: 30/64 (47 Prozent), davon 6/21 Dreier (29 Prozent): Cuthbertson (2/4), Allen (2/6), Rich (1/1), Swing (1/5); Freiwürfe: 17/22 (77 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 7 offensiv (Kotsar 4/0); Assists: 23 (Hollatz 6); Ballgewinne: 6 (Shorts 2); Ballverluste: 8 (Allen 2); Effektivität: 94 (Kotsar 25, Shorts 17).

SR: Bittner, Hack, Bohn.

Stationen: 0:6 (2.), 10:10 (5.), 11:18 (9.), 16:20 (1. Viertel), 26:25 (13.), 32:31 (16.), 47:32 (20.), 47:34 (Halbzeit), 60:43 (25.), 67:62 (30.), 70:62 (3. Viertel), 72:72 (34.), 82:74 (37.), 85:79 (39.), 90:83 (Ende).

Autor

 

Bilder