900 Jahre Waischenfeld Beinhaus ist einzigartig in der Region

Rosi Thiem
Die letzte Ruhe: das Ossarium in der Sankt-Anna-Kapelle. Foto: rthi/Rosi Thiem

Was haben die Sankt Michaelskapelle in Greding und die Sankt-Anna-Kapelle in Waischenfeld gemeinsam? – Beachtliches. Beide haben in ihrem Untergeschoss einen Karner, in dem die Gebeine von vielen Menschen der vergangenen Jahrhunderte ruhen.

„Die Sankt-Anna-Kapelle stammt aus dem Ende des 13. Jahrhunderts und ist älter als unsere Pfarrkirche. Erstmals erwähnt wird sie auf alten Kirchenrechnungen 1509“, erzählt Edeltraud Friedmann, die Waischenfelder Religionspädagogin.

Früher war das Kirchlein vermutlich die Burgkapelle und hatte auch eine Verbindung zur benachbarten, höher gelegenen Burg, von der jetzt aus kein öffentlich zugänglicher Gang mehr existiert.

Im Untergeschoß des schlichten romanischen Baus der unauffälligen Kapelle ist es still. Ein Gitter schützt die Totengebeine vor Tieren. Eine Kerze, die Edeltraud Friedmann achtsam anzündet spendet ein kleines Licht zum Gedenken.

„Das Beinhaus ist ein massives, kellerartiges Gewölbe, auf dem die Kapelle gebaut ist. Hier unten werden die Gebeine des 1837/38 aufgelösten alten Friedhofes, der sich um die Pfarrkirche befand, aufbewahrt.“ Jetzt hat der frühere Kirchenpfleger Baptist Knörl, angeregt von Pfarrvikar Dominik Syga und Kirchenpfleger Stephan Keller, ein Tor mit einem Christuskorpus angebracht.

Frühbarocker Altar mit Säulen und Knorpelwerk

Edeltraud Friedmann kennt die Kapelle schon lange und hat vor Jahren bereits eine Hausarbeit darüber verfasst. Im verschlossenen Inneren der eigentlichen Kapelle überrascht die massive, dunkle Rundbogendecke, die sich um die alte renovierungsbedürftige Mauer schmiegt.

„Von ungefähr 1660 stammt der frühbarocke Altar mit den Säulen und dem Knorpelwerk“, zeigt sie auf den einzigartigen Altar. „Das Altarbild, eine Darstellung von Mutter Anna Selbtritt wurde vom damaligen Pfarrer Michael Storcher in Öl selbst gemalt. Dieser Geistliche wirkte hier in Waischenfeld von 1859 bis 1864.“

Wie wir die Toten ehren und die Lebenden

Die Glocke, die nun nicht mehr läutet, stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Der Innenraum macht einen einsamen Eindruck. „Es wäre schön, wenn sich diese Kapelle wieder zu einem Gottesdienstraum erwecken würde“, wünscht sich die engagierte Religionslehrerin.

„Die Kinder interessiert das Ossarium. Ich erzähle ihnen dann, dass es bei der Auflassung des Friedhofes nicht mehr möglich war, die Knochen den einzelnen Verstorbenen zuzuordnen und auch von der Wertschätzung gegenüber den Toten. So wie wir die Toten ehren, so gehen wir mit den Menschen um.“

Langsam verschließt sie die neue Eisentür und das kleine Lichtlein leuchtet still und behaglich weiter. „Mein Wunsch ist, dass diese Kapelle wichtige Geldspender findet, restauriert und wieder zum Gebetsort wird.“

Frisch restaurierte Gebetsstätte Sankt Laurentius

Weiter unten mitten in der Stadt bewegt sich ein reges Treiben in der Sutte nahe dem Bischof-Nausea-Platz an der Stadtkapelle Sankt Laurentius und Sankt Michael. Anton Adelhardt, der Schirmherr der diesjährigen 900-Jahrfeier kennt diese gerade frisch restaurierte Gebetsstätte von Kindesbeinen an. „Mit acht Jahren habe ich den Blasebalg getreten. Später, als ich im Internat war, durfte ich hier auch die Orgel spielen. Mit der Stadtkapelle bin ich fest verwurzelt“, gesteht der 81-Jährige ehemalige Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium.

Gebaut mit Hilfe von Spenden

Nun liegt eine von ihm verfasste, umfangreiche Chronik vor, die die Geschichte der Stadtkapelle interessant wieder aufleben lässt. Hierzu hat er fleißig über drei Monate Material gesammelt, bebildert und gestaltet.

Interessant ist die Geschichte der Stadtkapelle allemal. Gebaut wurde damals die Stadtkapelle mit den Opfern und Ersparnissen der Menschen, die unmittelbar um das heute hochgeschätzte und neusanierte Gotteshaus lebten und arbeiteten.

„Der Überlieferung nach soll die erste Kapelle – erstmals 1482 urkundlich erwähnt - als Dank dafür errichtet worden sein, dass Waischenfeld von der Pest verschont geblieben war“, berichtet Adelhardt in seinen wertvollen Aufzeichnungen.

Je nachdem wie es die Kassenlage erlaubte, wurde in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts die künstlerische und stimmungsvolle Ausstattung durch die Altarwerkstatt des Johann Michael Doser eingebaut, wie die Säulen im weiterentwickelten korinthischen Stil und die talerförmigen Wolken, beschreibt Anton Adelhardt.

Wunderbare historische Schatzkiste

Die Stadtkapelle gleicht einer wunderbaren historischen Schatzkiste. So stammt die Figur der heiligen Anna Selbdritt, der Großmutter Jesu mit Maria als Kind und dem Jesuskind auf dem Schoß, noch aus der Zeit um 1510/15. Sie hing ursprünglich in der Annakapelle.

Ein weiterer Schatz ist die Rosenkranzmadonna im Triumphbogen. Diese Schnitzerei entstand zwischen 1720 und 1730. Wer die Chronik kennt, wird neugierig. Die letzte aufwendige Renovierung war das Dach und die Dachstuhlerneuerung 2020/21.

 

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