82:91 gegen Oldenburg Ein Scharfschütze und die bessere Bank

Zweikampfstark präsentierte sich Dererk Pardon (Mitte) unter beiden Körben. In dieser Szene konnte NathanBoothe (rechts) den Bayreuther Center nur mit einem Foul am Korberfolg hindern. Foto: / Peter Kolb

Ganz unmöglich schien ein Überraschungssieg von Medi Bayreuth im Bundesligaspiel gegen die Baskets Oldenburg nicht. Am Ende setzte sich der Favorit aber doch mit 91:82 durch.

Basketball - Auch das dritte Bundesligaspiel innerhalb von fünf Tagen ist für Medi Bayreuth verloren gegangen. Obwohl sich die Hoffnung auf einen Einsatz des verletzten Kapitäns Bastian Doreth nicht erfüllt hatte, lag am Sonntagabend gegen die Baskets Oldenburg ein Überraschungserfolg ähnlich lange im Bereich des Möglichen wie schon im Hinspiel (73:80), doch am Ende stand des 82:91 (42:42).

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Die nun folgende Pause wegen EM-Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft (mit Medi-Center Andreas Seiferth) kommt den Bayreuthern sicher nicht ganz ungelegen, um dann erholt und gut vorbereitet am 27. Februar bei den Gießen 46ers antreten zu können. Beim Tabellenvorletzten wird es darum gehen, den Abstand zur Abstiegszone nicht besorgniserregend schmelzen zu lassen.

Mindestens so wesentlich für den Spielverlauf wie das Fehlen von Doreth war auf der Gegenseite das Mitwirken von Keith Hornsby, der am Freitag bei der blamablen Heimniederlage gegen das damalige Schlusslicht Gießen (93:97) wegen Überlastungserscheinungen an der Wade und der Achillessehne geschont worden war. Der vielleicht beste Distanzwerfer der Liga steigerte die anfangs ungewohnt schwache Trefferquote der Oldenburger, die bei ihren ersten sechs Versuchen von der 6,75-m-Linie das Ziel verfehlt hatten. Hornsbys erster Dreier stoppte den Bayreuther 11:0-Lauf zu Beginn des zweiten Viertels, der zum 27:20 geführt hatte, und zwei weitere nacheinander erzwangen den Ausgleich zum 38:38 (18.). Abgesehen davon, zeigte sich das Medi-Team aber gut eingestellt auf die Stärken des Favoriten. Schon allein mit einer etwas besseren Ausbeute bei den Freiwürfen (7/13) wäre bei Halbzeit eine knappe Führung der Gastgeber möglich gewesen.

Letzte Führung beim 57:55

Auch nach dem Seitenwechsel gelang es der engagierten Medi-Verteidigung, den Oldenburgern einige bevorzugte Optionen zumindest zu erschweren. Da gleichzeitig das eigene Spiel über den auch offensiv überzeugenden Dererk Pardon zuverlässig funktionierte (elf Punkte im dritten Viertel), gelang durch einen Treffer des wiederum sicher und flexibel punktenden Osvaldas Olisevicius sogar noch ein letztes Mal eine Führung mit 57:55 (27.).

Allmählich wurde dann aber die tiefer besetzte Bank der Gäste zunehmend ein wichtiger Faktor, zumal die Foulbelastung von Bayreuther Leistungsträgern Sorgen zu bereiten begann. Ein besonders auffälliges Beispiel für diese Qualität der Baskets lieferte Rickey Paulding: Nach drei Vierteln stand der Routinier noch bei mageren vier Punkten (und drei Fouls), aber den letzten Abschnitt eröffnete er mit acht Zählern in den ersten zweieinhalb Minuten zum 66:76.

Doch auch der zweistellige Rückstand änderte nichts am Kampfgeist des Medi-Teams. Nach dem Anschluss auf 73:76 (35.) gab es Möglichkeiten, um noch weiter zu verkürzen – erst durch einen Bonusfreiwurf für Lazeric Jones, dann durch einen Korbleger von Andreas Seiferth. Statt dessen traf jedoch einmal mehr Hornsby per Dreier zum 79:73 für Oldenburg, und obwohl sich der Topscorer dabei am Fuß verletzte und ausschied, ließen sich die Gäste diesen Vorsprung nicht mehr nehmen.

Statistik

Medi Bayreuth

Feldwurfquote: 31/58 (53 Prozent), davon 6/16 Dreier (38 Prozent): Tiby (2/3), Walker (2/5), Jones (1/1), Olisevicius (1/4); Freiwürfe: 14/22 (64 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 6 offensiv (Pardon 6/3); Assists: 21 (Olisevicius 6); Ballgewinne: 9 (Pardon 3, Bartley 3); Ballverluste: 13 (Jones 4); Effektivität: 93 (Olisevicius 27, Pardon 24, Seiferth 12, Tiby 10).

Baskets Oldenburg

Hobbs (8 Punkte / 20:11 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 5), HORNSBY (25 / 28:08 / 4), Herrera (2 / 10:23 / 5), Tadda (5 / 17:35 / 2), Hollatz, BREUNIG (4 / 13:54 / -7), PAULDING (12 / 23:54 / 7), Mahalbasic (11 / 19:38 / 6) PRESSEY (12 / 20:02 / 3), Schwethelm (3 / 17:30 / 5), BOOTHE (9 /28:45 / 15); Feldwurfquote: 36/65 (55 Prozent), davon 12/32 Dreier (38 Prozent): Hornsby (5/8), Hobbs (2/5), Paulding (2/5), Pressey (2/6), Tadda (1/1); Freiwürfe: 7/7 (100 Prozent); Rebounds: 26 defensiv, 7 offensiv (Mahalbasic 3/2); Assists: 23 (Pressey 6, Hobbs 6); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 14; Effektivität: 111 (Hornsby 25, Pressey 19, Mahalbasic 17, Paulding 11, Hobbs 11).

SR: Bittner, Mutapcic, Fingerling.

Stationen: 12:8 (5.), 16:20 (1. Viertel), 27:20 (13.), 31:25 (14.), 38:38 (18.), 42:42 (Halbzeit), 44:49 (22.), 57:55 (27.), 61:68 (3. Viertel), 61:71 (31.), 66:76 (33.), 73:76 (35.), 73:82 (37.), 78:84 (39.), 82:91 (Ende).

Einzelkritik

Von Florian Kirchner

DERERK PARDON (20 Punkte / 23:17 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -7): Der beste Bayreuther Rebounder (9) startete sichtlich motiviert, verteidigte mit viel Herzblut gegen Breunig und Mahalbasic und belohnte sich selbst mit bereits acht Punkten, fünf Rebounds und zwei Ballgewinnen bis zur Pause. Am Ende an Punkten und Effektivität nur von Olisevicius knapp übertroffen.

Nico Wenzl (0 / 7:30 / -12): Das Nachwuchstalent durfte nach seinem mutigen Auftritt in Berlin bereits in der 6. Minute für Jones (2. Foul) ins Geschehen eingreifen, ohne dass dadurch ein Bruch im Spielaufbau entstand. Ohne Punkte (0/1), aber auch ohne Fehler und mit einem Ballgewinn.

Philip Jalalpoor (0 / 2:42 / -3): Kam nur zu einem Kurzeinsatz vor der Pause.

Andreas Seiferth (10 / 16:43 / -2): Vor der Abreise zur Nationalmannschaft deutlich verbessert gegenüber seinem Auftritt in Berlin; 5/8 Würfe, 5 Rebounds.

LAZERIC JONES (9 / 29:48 / 6): Dirigierte den Spielaufbau anfangs überlegt, ließ sich auch vom immensen Verteidigungsdruck des NBA-erfahrenen Pressey zunächst nicht verunsichern. Die Fehlerquote stieg aber mit zunehmender Spielzeit (vier Ballverluste nach der Pause). 4/7 Würfe, vier Assists, fünf Fouls (39.). Einziger Bayreuther mit positiver Plus-Minus-Bilanz (+6).

MATT TIBY (10 / 27:11 / -10): Gewohnt solide. Löste die schwierige Defensivaufgabe gegen Boothe (9 Punkte) ordentlich, trat diesmal allerdings als Rebounder kaum in Erscheinung (1); 3/5 Würfe.

Johannes Krug: Nicht eingesetzt.

DAVID WALKER (6 / 30:34 / -7): Defensiv mit Problemen gegen den schnellen und ungemein treffsicheren Hornsby, der zur Pause bereits 13 (drei Dreier) seiner am Ende 25 Punkte (fünf Dreier) gesammelt hatte und ihn mehrfach schlecht aussehen ließ. Sein vergebener Korbleger ohne Verteidiger (73:79; 37.) sowie kurz darauf ein Fehlwurf von der Dreierlinie waren herbe Rückschläge für die Bayreuther Aufholjagd im Schlussabschnitt. Insgesamt schwache Wurfquote (2/7), dazu vier Assists und zwei Rebounds.

Frank Bartley (5 / 29:26 / -9): Offensiv ohne jeglichen „Touch“, sah defensiv als zweite Bayreuther Option gegen Hornsby ebenfalls schlecht aus. Magere 1/5 Würfe, drei Assists, drei Steals.

OSVALDAS OLISEVICIUS (22 / 32:49 / -1): Wie so oft in letzter Zeit die beste Bayreuther Offensivoption, zur Pause bereits bei 13 Punkten und dazu bester Vorbereiter (vier Assists). Am Ende Topscorer mit 22 Punkten und einem bärenstarken Effizienzwert von 27 (sieben Rebounds, sechs Assists).

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