76-Millionen-Projekt Glockengut braucht noch Zeit

Bauzaun und Brache dahinter: So sieht es derzeit im künftigen Glockengut noch aus. Aber: Der Investor sagt, er halte an dem Projekt fest, wolle bald einen Bauantrag bei der Stadt einreichen. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Es wird das größte Wohnbau-Projekt in Bayreuth. Und eigentlich hätte schon längst gebaut werden sollen. Aber: Der Bauantrag für das Glockengut in Bayreuth ist noch gar nicht eingereicht. Allerdings hält der Investor, die SSN Group aus Düsseldorf, nicht nur an dem Projekt fest. Nach Angaben des Projektleiters Sebastian Wolff ist der Bauantrag für das Projekt mit einem Volumen von rund 76 Millionen Euro in Vorbereitung.

Der Zeitplan, den die SSN Group sich selbst gegeben hatte, ist in Verzug. Im August vergangenen Jahres hatte ein Vertreter des Investors im Gespräch mit unserer Zeitung davon gesprochen, dass der Bauantrag noch im Laufe des Jahres 2018 in Bayreuth einlaufen solle. Mit einem Baubeginn "im März oder April" 2019 hatte man zu dem Zeitpunkt noch gerechnet. Wie der Projektleiter Bernd Engelhardt vor fast genau einem Jahr sagte, hatte man mit der Fertigstellung der Häuser im Frühjahr 2021 gerechnet. Die Bausumme: rund 76 Millionen Euro.

Baureif seit 2018

Seitdem hat sich auf dem Grundstück, auf dem einst die Spedition Wedlich ihr Domizil hatte, nichts mehr getan. Nicht nur Anwohner, deren Kinder aktuell ohne Bolzplatz dastehen, wundern sich über den Stillstand auf der Brache. Auch die Lokalpolitik hat schon nachgefragt, warum sich auf dem Gelände nichts bewege - wie die SPD-Stadtratsfraktion in einer Anfrage im Mai.

Die Stadtbaureferentin Urte Kelm sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass auch das Stadtbaurefereat in Wartestellung sei: "Der Bauantrag hätte im Frühjahr kommen sollen. Wir hoffen, dass die Investoren auf uns zukommen. Schließlich ist der Bebauungsplan seit April 2017 rechtskräftig." Wie Kelm weiter in der Vorgeschichte bättert, hatte das Tiefbauamt noch im Jahr 2017 mit der Erschließung begonnen, "baureif ist das Areal seit 2018", sagt Kelm. "Wahrscheinlich im Herbst" gebe es ein Gespräch mit den Investoren.

Bauantrag braucht noch etwas

Das bestätigt Sebastian Wolff, ebenfalls Leiter für das Bayreuther Projekt der SSN Group, auf Anfrage unserer Zeitung. Es sei bislang noch kein Bauantrag bei der Stadt eingegangen, "weil wir noch ein paar Probleme abarbeiten müssen, bevor wir den Bauantrag einreichen können", sagt Wolff. Diese Probleme seien interner Natur, also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. "Aber wir halten an der Bebauung des Grundstücks fest, sonst würden wir die Probleme ja nicht abarbeiten"; sagt Wolff auf Nachfrage. An der ursprünglichen Planung, "Wohnbebauung in unterschiedlicher Form" auf dem Grundstück zu schaffen, halte man fest. "Geschosswohnungsbau, Eigentumswohnungen, in marktangepassten Größen", sagt Wolff.

Angesprochen auf die zeitliche Schiene, sagt Wolff, sei "ein Teil des Bauantrags schon recht weit" fortgeschritten. "Das könnte man kurzfristig einreichen. Der Rest würde dann nachlaufen. Denn wir haben Interesse an einer schnellen Realisierung." Mit einem Baubeginn für das Projekt, dessen finanzielles Volumen sich nach wie vor in dem Bereich von rund 76 Millionen Euro bewege, rechnet Wolff "nicht vor 2020. Wobei die Bauverwaltung ja sehr kooperativ ist", wie er sagt.

Komplettes Paket verkauft

Die Düsseldorfer SSN Group, die ihren Hauptsitz in Zug in der Schweiz hat, hatte mit dem Investor Gerch-Group - ebenfalls Düsseldorf - ein Joint-Venture, einen Zusammenschluss, um gemeinsam Projekte umzusetzen, aus dem die Gerch-Group ausgestiegen ist. Die Gerch-Group hatte das Grundstück im Bayreuther Stadtteil Glocke im Frühjahr 2016 gekauft und wollte dort ursprünglich ab 2018 eine Summe von 90 Millionen Euro in den Bau von Wohnungen und Reihenhäusern investieren. Im Sommer 2017 hatte, wie Bernd Engelhardt damals auf Anfrage bestätigte, die SSN Group in einem "kompletten Paketverkauf" das Bayreuther Bauvorhaben und weitere Projekte in Deutschland von der Gerch-Group übernommen.

Bolzplatz noch nicht freigegeben

Der Bolzplatz, auf den die Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtteil Glocke so sehnsüchtig warten, steht zwar fertig gebaut an neuer Stelle nahe des Glockenguts, kann aber noch nicht genutzt werden, wie der Leiter des Stadtgartenamts, Robert Pfeifer, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. "Es wäre rausgeschmissenes Geld, wenn wir den schon freigeben würden", sagt Pfeifer. Der Platz ist eingesät, müsse aber erst mehrfach gemäht werden, bevor der Rasen so weit sei, dass der Platz bespielbar ist. Wegen der Trockenheit und der fehlenden Möglichkeit, den Bolzplatz zu bewässern, dauere das ein bisschen länger. "Einen Zeitpunkt, wann wir den Platz freigeben können, gibt es leider noch nicht."

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading