73:95 gegen Göttingen Medi-Absturz aus dem Höhenflug

Drei Tage nach dem Derbysieg in der Basketball-Bundesliga gegen Brose Bamberg sieht Medi Bayreuth gegen die BG Göttingen über weite Strecken schlecht aus und verliert sehr deutlich mit 73:95.

So schön der 92:86-Sieg im oberfränkischen Derby-Klassiker der Basketball-Bundesliga gegen Brose Bamberg für Medi Bayreuth auch war – der Wendepunkt für einen nachhaltigen Aufwärtstrend war das definitiv nicht. Nur drei Tage später folgte am Donnerstagabend nämlich eine herbe Heimniederlage gegen die BG Göttingen. Mit 73:95 (33:53) fiel sie sogar noch viel deutlicher aus, als acht Tage zuvor im Auswärtsspiel gegen denselben Gegner (89:100).

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Vor 2867 Zuschauern zeichnete sich der Absturz aus dem Derby-Höhenflug schon frühzeitig ab. Nach ordentlichem Beginn und sieben Punkten in Folge zum 17:15 (Dreier von Ahmed Hill und zwei Treffer des früh eingewechselten Kresimir Nikic) folgte wieder einmal eine dieser Negativserien, in denen das Medi-Team zu lange keinen Halt mehr findet. Die Göttinger erzielten die letzten 16 Punkte des ersten Viertels und erhöhten dann noch um vier Zähler zu einem 20:0-Lauf und einer 35:17-Führung (13.). Spätestens beim 25:49-Zwischenstand nach 18 Minuten war die Partie noch in der ersten Halbzeit klar entschieden.

Auffällig war vor allem die Dominanz der Gäste unter den Körben, wo den Bayreuthern durch den Ausfall von Nat Diallo (muskuläre Probleme) eine Alternative fehlte. Nachdem zunächst Harper Kamp elf ihrer ersten 15 Punkte erzielt hatte (10:15/6.), glänzte vor allem Till Pape mit 15 Punkten vor der Pause (7/8 Würfe). Die hohen Trefferquoten im Zweier-Bereich (16/21 bei Halbzeit) hatten damit zu tun, dass die Göttinger viele gute Würfe mit hervorragender Ballbewegung herausspielten und die Medi-Defensive oft ausgesprochen schlecht aussehen ließen. Dabei schadete es ihrer Korbjagd überhaupt nicht, dass der etatmäßiger Topscorer Harald Frey im ganzen Spiel nicht mehr als vier Freiwurfpunkte verzeichnete. Vielleicht im Bemühen, den Distanzwerfern in der Mannschaft mit der besten Dreier-Quote der BBL (39 Prozent) nicht zu viel Spielraum zu geben, wirkten die Bayreuther unter dem eigenen Korb regelrecht überfordert.

Auf der anderen Seite war genau das Gegenteil der Fall, denn bei Halbzeit hatten die zunehmend verunsichert und hektisch wirkenden Bayreuther von 15 Zweipunktewürfen nur klägliche zwei verwandelt. Ein noch schlimmeres Debakel verhinderte die schon zu diesem Zeitpunkt gute Dreier-Quote (7/15), die allerdings weitgehend Ahmed Hill (4/5) zu verdanken war).

Die viel zerfahrenere zweite Halbzeit hatte dann kaum noch mehr als statistischen Wert. Der höchste Abstand war beim 46:77 erreicht (31.), aber eine nennenswerte Verkürzung gelang den Bayreuthern erst nach dem 65:95, als in den letzten drei Minuten die Göttinger Reservisten vom Ende der Bank zum Einsatz kamen.

Ein wesentlicher Faktor für die Konfusion im Bayreuther Spiel war der rabenschwarze Tag von Brandon Childress. Der gegen Bamberg noch so überzeugende Spielmacher ließ sich von ersten Misserfolgen schnell frustrieren, und seine verkrampften Bemühungen um Verantwortung führten dann letztlich zu 1/7 Würfen und sieben Ballverlusten.

Lars Masell: „Einfach eine Katastrophe“

„Das war heute einfach eine Katastrophe“, bekannte Medi-Trainer Lars Masell bei Magentasport und stellte sich dabei auch selbstkritisch vor seine Mannschaft. „Anscheinend habe ich es nicht geschafft, die Jungs richtig einzustellen. „Göttingen hat uns im Inside-Spiel dominiert. Dabei hatten wir im Hinspiel noch einen guten Job gemacht.“ Die drei Spiele innerhalb von acht Tagen wollte er nicht als Erklärung anführen: „Spiele in so kurzer Folge sind schon schwer für uns, aber das kann keine Entschuldigung sein, um vor unseren Fans so aufzutreten.“

Einzelkritik (Von Florian Kirchner)

BRANDON CHILDRESS (3 Punkte / 24:45 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -23): Der Topscorer, vor Wochenfrist in Göttingen noch bester Bayreuther Werfer mit 26 Punkten, war komplett „von der Rolle“. Erst sein fünfter Wurfversuch fand den Weg durch die Reuse (25:42/16.), was seine einzige Ausbeute (1/7) darstellen sollte. Auch als Schaltstation war Childress ein Totalausfall (trotz vier Assists), insgesamt sieben Mal ging ihm der Ball verloren. 3 Punkte. 4 Assists..

AHMED HILL (20 / 29:48 / -14): Der US-Amerikaner war defensiv gegen Mark Smith stark gefordert. Konnte den Göttinger Topscorer (19 Punkte) nur bedingt an die Kette legen und mied den Weg zum Brett (ein Rebounds), war aber die zuverlässigste Bayreuther Offensivoption. Seine 20 Punkte sammelte er allerdings fast ausschließlich von jenseits der 6.75-m-Linie (6/8).

OSARO RICH (10 / 16:41 / -7): Stand erneut in der Startaufstellung und war zusammen mit Hill der einzige Lichtblick im Bayreuther Spiel: Hielt den Kopf oben und rackerte noch, als die Partie längst gelaufen war. 2/3 Dreier. Kay Bruhnke (3 / 7:40 / -5): Die Bayreuther Nachwuchshoffnung war kein Faktor und kam nur rund sieben Minuten zum Einsatz. Einer seiner weiten Dreier blieb die einzige Ausbeute (1/4 aus dem Feld).

Bastian Doreth (0 / 25:58 / -14): Sieben Assists waren neben einem Fehlwurf und einem Rebound die einzigen Einträge in der Statistik des Bayreuther Kapitäns in knapp 26 Minuten; weit entfernt von seinem guten Auftritt gegen Bamberg. Kresimir Nikic (8 / 16:16 / -6): Aufgrund des Verletzungsausfalls von Nat Diallo war der Kroate mehr oder weniger als zweiter Center „gesetzt“. Der US-Amerikaner Jarrod West, dessen Verbleib über den Jahreswechsel hinaus eher fraglich erscheint, musste daraufhin als überzähliger Kontingentspieler wie zuletzt gegen Bamberg erneut pausieren. Nikic kam frühzeitig für Young in die Partie und war mit bescheidenen sechs Zählern zur Pause die zweitbeste Bayreuther Offensivoption. Am Ende acht Punkte (2/5 Würfe), vier Rebounds..

KALIF YOUNG (9 / 22:22 / -12): Der kanadische Nationalspieler war ein Totalausfall und mehrfach zweiter Sieger – sowohl im teaminternen Vergleich mit Nikic, als auch gegen Till Pape. Der letztjährige Zweitliga-Center stand schon zur Pause bei 15 Punkten und beendete die Partie mit 17 (7/9 Würfe). 1/7 Feldwürfe, vier Rebounds. JACKSON ROWE (8 / 26:55 / -18): Mit einem sehenswerten Block (7.) stoppte der Kanadier den Göttinger Routinier Harper Kamp, der elf der ersten 15 Göttinger Zähler im Alleingang erzielt hatte. 3/8 Würfe, bester Bayreuther Rebounder (8), beste Effektivität (+18), aber schlechteste Plus-Minus-Bilanz (-18).

Ignas Sargiunas (10 / 15:41 / -4): Der junge Litauer nahm sich mit drei schnellen Fouls im ersten Viertel selbst aus der Partie. Seine Kreativität wurde danach stark vermisst. Kam im Endspurt noch auf eine zweistellige Ausbeute (10) und auf fünf Assists.

Sasha Grant (2 / 13:54 / -7): Die Bayern-Leihgabe präsentierte sich einmal mehr engagiert, aber wiederum unglücklich in seinen Aktionen. Einzige zählbare Erfolge an der Freiwurflinie (2/4), aus dem Feld nur „Fahrkarten“ (0/3).

Florian Kämpf: Nicht eingesetzt.

Statistik

MEDI BAYREUTH

Feldwurfquote: 20/54 (37 Prozent), davon 13/28 Dreier (46 Prozent): Hill (6/8), Rich (2/3), Sargiunas (2/4), Childress (1/3), Bruhnke (1/3), Rowe (1/4); Freiwürfe: 20/32 (63 Prozent); Rebounds: 22 defensiv, 12 offensiv (Rowe 6/2); Assists: 21 (Doreth 7); Effektivität: 73 (Rowe 18, Hill 16, Sargiunas 13).

BG GÖTTINGEN

Hammonds (11 Punkte / 17:12 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 15), FREY (4 / 22:47 / 12), Crandall (14 / 16:54 / 17), Hemschemeier (0 / 4:31 / -5), SMITH (19 / 28:38 / 18), Ani (0 / 2:47 / -8), Mönninghoff (9 / 19:05 / 17), KAMP (13 / 22:48 / 7), PAPE (17 / 20:55 / 5), BESS (6 / 28:49 / 22), Giotis (2 / 15:34 / 10), Besselink. Feldwurfquote: 35/64 (55 Prozent), davon 11/27 Dreier (41 Prozent): Smith (3/6), Bess (2/4), Mönninghoff (2/5), Hammonds (1/2), Crandall (1/2), Kamp (1/2), Pape (1/3); Freiwürfe: 14/17 (82 Prozent); Rebounds: 28 defensiv, 9 offensiv (Smith 8/1); Assists: 20 (Crandall 7); Effektivität: 126 (Smith 25, Crandall 24, Hammonds 15, Pape 15, Mönninghoff 13, Kamp 13, Frey 11).

SR: Reiter, Brendel, Bohn; Zuschauer: 2867.

Stationen: 17:15 (7.), 17:31 (1. Viertel), 17:35 (12.), 25:49 (18.), 33:53 (Halbzeit), 33:61 (23.), 44:73 (29.), 46:75 (3. Viertel), 46:77 (31.), 65:95 (37.), 73:95 (Ende).

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