73 Tauben eines Züchters verschwinden in der Nacht Trockau: Diebe stehlen mehrere zehntausend Euro teure Tauben

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Robert Bauer sieht noch immer ein wenig mitgenommen aus. In der Nacht zum Donnerstag sind dem Taubenzüchter mehrere Dutzend seiner Rassetauben gestohlen worden. "Das war ein Schock für mich." Bauer hängt an seinen gefiederten Lieblingen. Die sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch einiges an Geld wert.

De Klak Tauben haben einen astreinen Stammbaum wegen ihrer guten Vorfahren. Ein Zuchtpärchen ist daher einiges Wert.Foto: Ute Eschenbacher Foto: red

 "Wertvolle Zuchttauben in Diebeshand", meldete die Kripo Bayreuth am Freitag. Über 50 von Bauers Tauben haben die Diebe mitgehen lassen. Was einem Wert von zirka 40.000 Euro entspricht. Wie die Polizei vermutet, waren die Diebe vermutlich zu viert. Sie versuchten offenbar zunächst, den Draht an dem Taubenschlag zu durchschneiden. Doch der ist alarmgesichert. Also gingen sie durch die Wiese hinter den Schlag, deckten das Ziegeldach ab und stiegen von oben ein. Die Abdeckung lässt sich leicht verschieben.

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Da waren Profis am Werk

Wenige Meter entfernt schläft Robert Bauer, Anfang 50, in seinem Wohnhaus. "Ich habe wirklich nichts gehört", sagt er und ist selbst verwundert, nicht einmal Flügelschlagen oder Gurren vernommen zu haben. Er fährt am Morgen wie sonst auch zur Arbeit. Dort erreicht ihn um 7.30 Uhr der Anruf seines Sohnes, der den Diebstahl beim Füttern entdeckt hat. "Das müssen Profis gewesen sein, die uns ausgespäht haben", ist sich Bauer sicher. Die Diebe könnten die Vögel in Körben abtransportiert haben. "Gott sei Dank", sagt Bauer, "haben sie nicht alle wertvollen Tiere erwischt." An einigen, wie "Schweini", benannt nach dem Fußballer Sebastian Schweinsteiger, und "Dickie", hing der Trockauer sehr. "Meine Lieblinge fehlen jetzt halt", stellt er resigniert fest. Eine Versicherung für die Tiere hatte er nicht abgeschlossen: "Zu teuer." Um sein Anwesen am Waldrand in Zukunft besser zu schützen, will er Kameras und Bewegungsmelder installieren.

In Fachkreisen bekannte Tauben

Warum stiehlt einer Tauben? Bauer züchtet Tauben, die der Linie "De Klak/Janssen" entstammen. "Das ist eine ganz besondere Rasse", erklärt er. "Die Brüder Janssen waren eine der weltbesten Taubenzüchter aller Zeiten." De Klak nannte der Züchter Jos van Limpt aus dem niederländischen Reusel seine Tauben, die Abkömmlinge von Janssen-Tauben sind. Unter Taubenzüchtern werden sie hochgeschätzt. "In jeder guten Taube steckt Janssen-Blut", sagt Bauer, der sich auf die Zucht von "De Klak/Janssen" Tauben spezialisiert hat.

Seit er elf Jahre alt ist, begeistert sich Bauer für Tauben. Er selbst lässt sie an Wettkämpfen nicht teilnehmen. Doch viele seiner Tauben haben bereits Preise errungen, wie in Schweden oder Holland. So wurde zum Beispiel Viggo Elloffson mit Reisetauben Bauers Schwedischer Meister im Brieftaubensport. Unter den Bestplatzierten sind regelmäßig Bauersche Tauben zu finden. Eine legte sogar 804 Kilometer zurück, sagt Bauer und zeigt eine Tabelle aus der Brieftaubenzeitung.

Verkauf bis nach Kuwait

Dank Internet handelt Bauer weltweit - und verkauft Tauben nach Frankreich und Holland, und sogar bis nach Kuwait und in den Irak. Ein polnisches Filmteam drehts bereits in seinem Garten, wo der große Taubenschlag und eine Volière für seine schätzungsweise gut 150 Tauben stehen. Eine gute Brieftaube sei wie ein Leistungssportler, heißt es unter Züchtern. Sie können bis zu 120 Stundenkilometer schnell fliegen. Und sind nach der Ankunft nicht müde und noch fit. Bei einer Auktion erzielten 50 Tauben einmal zwei Millionen Euro, so Bauer. "Das waren nicht meine."

Einen konkreten Verdacht, wer die Tauben gestohlen haben könnte, hat Bauer allerdings. Anfang Juni, berichtet er, habe er einen Anruf aus Rumänien erhalten. Zwei Männer mit S-Klasse-Mercedes und Nürnberger Kennzeichen sind daraufhin bei ihm vorgefahren. Sie schauten sich die Tauben und den Schlag an, wollten aber erst im Juli welche kaufen. Womöglich haben sie die Vögel für einen anderen Züchter mitgehen lassen. "Im Ruhrgebiet hat es einen ähnlichen Fall gegeben", weiß Bauer. Dort habe eine Bande Brieftauben für einen rumänischen Multimillionär entführt... Was verwunderlich klingt: Wer reich ist, sollte sich die Tauben auch auf legalem Weg beschaffen können.  Ein Weiterverkauf sei eigentlich sinnlos, meint Bauer, weil der Ring am Fuß der Tiere auf ihren wahren Eigentümer zurückverweist.