700 Jahre Gesees Nach Dorfbrand: Vom Holz zum Stein

Auch für viele Backhäuschen in Gesees und Forkendorf wurde Sandstein verwendet. Er war in unmittelbarer Nachbarschaft als geologische Ablagerung reichlich vorhanden. Foto: Herbert Popp

Bei der Fahrt durch Gesees hinein ins Hummelgau stechen sie ins Auge: die vielen Sandsteinhäuser, die oft die Ortskerne der Dörfer prägen. Herbert Popp hat im neu erschienen „Heimatbuch Gesees“ dieses Phänomen näher in Augenschein genommen.

Gesees - Dabei kommt der emeritierte Geographie-Professor mit Blick auf Gesees und Forkendorf zu der Erkenntnis: „Es ist ohne Übertreibung eines der Juwele in der Erscheinung beider Dörfer, dass ihr Siedlungsbild durch den in unmittelbarer Umgebung verfügbaren Sandstein einen ganz eigenen Charakter annimmt.“ Zusammen mit Mistelbach, Mistelgau, Eckersdorf und weiteren Dörfern finde man hier den Typ der Rhätsiedlungen als regionales Kuturerbe des Hummelgaues.

Popp verweist zunächst auf das „Geseeser Büchlein“ aus dem Jahr 1842, in dem Pfarrer Hübsch das Dorf noch als geprägt „von Holz erbauten und mit Stroh oder Schindeln bedeckten Häusern“ beschreibt. Lediglich die Pfarrhäuser waren bereits damals Sandsteingebäude.

Doch wie kam es zu dem grundlegenden Wandel in der Verwendung des Baumaterials? Eigentlich durch eine Katastrophe. Denn sowohl in Gesees (1862) als auch in Forkendorf (1860) hat es gebrannt. Viele der einstigen Holzhäuser wurden ein Raub der Flammen.

Neue Baumaterialien

Wie Herbert Popp ausführt, war es die Kreisregierung des Königreiches Bayern, die zur Vermeidung künftiger Feuersfälle den Wiederaufbau mit Steinbauten und Ziegeldächern bindend vorschrieb. Bereits 1651, 1672 und 1873 erfolgte noch zu Markgrafenzeiten die Anordnung, dass Häuser künftig mit Ziegeln zu bedachen seien. Auch die „revidierte Bayreuther Feuerlösch-Ordnung“ von 1782 forderte für Bauten, sich „so viel wie möglich derer in der besten Qualität und um sehr mäßigen Preiß in hiesiger Gegend zu habenden Quater-Steine, wenigstens zu den Vierungen und Giebeln zu bedienen“.

Die Umstellung auf die neuen Baumaterialien nach den Bränden war laut Popp leicht zu realisieren, weil die notwendigen Rohstoffe Lehm und Sandstein in unmittelbarer Nachbarschaft als geologische Ablagerungen reichlich vorhanden sind: Feuerletten für die Ziegelherstellung und Rhätolias-Sandstein für die Steinquader. Mehrere Steinbrüche entstanden in nächster Umgebung, so etwa im Mistelbachtal zwischen Stein- und Poppenmühle und am Talrand des Forkendorfer Baches auf der „Eben“.

Verändertes Erscheinungsbild

In kürzester Zeit änderte sich das Erscheinungsbild der Dörfer, wurden doch nun sogar häufig die Scheunen und Backhäuschen mit Sandsteinen errichtet. Und damit entstand die so prägende und regionstypische, ansprechende Siedlungslandschaft der Sandsteindörfer des Hummelgaus. Herbert Popps Fazit: „Sie sind Juwele ihrer Ortszentren und verdienen einen Schutzstatus als „Materialprovinz“, basierend auf Rhätolias-Sandstein, die von Weismain über Thurnau bis Gesees, Forkendorf und Rödensdorf reicht.“

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