62:83 bei Bayern München Bei Halbzeit schon fast alles vorbei

Die Hoffnungen auf eine Außenseiterchance für Medi Bayreuth beim FC Bayern München haben sich nicht erfüllt. Schon bei Halbzeit bestand bei einem Rückstand von 29:44 kaum noch Hoffnung, und am Ende stand es 62:83.

Basketball - Wird die zuletzt stabil gute Form von Medi Bayreuth gut genug sein? Wird auf der anderen Seite die erste deutsche Mannschaft in den Playoffs der Euroleague nach ihrem historischen internationalen Triumph noch einmal so leichtfertig sein, wie bei der Niederlage in Gießen? Solche Gedankenspiele, um eine Außenseiterchance für Medi Bayreuth im Bundesligaspiel beim FC Bayern München zu begründen, spielten am Dienstagabend nicht die erhoffte Rolle. Vielmehr waren die Hoffnungen der Gäste schon zur Halbzeit bei einem 29:44-Rückstand so gut wie dahin, und am Ende stand eine Niederlage mit 62:83.

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Die größte Überraschung der Bayreuther blieb letztlich ihre Startformation. Da fehlte nämlich Matt Tiby, den Trainer Raoul Korner gar nicht mit ins Aufgebot genommen hatte. „Ein Spieler, der seine persönlichen Befindlichkeiten und sein Ego über die Mannschaft stellt, hat im Team nichts verloren“, sagte der Coach über den Amerikaner, der sich dem Vernehmen nach unzufrieden über seine Rolle geäußert hatte.

Anstelle von Tiby stand Kay Bruhnke erstmals zu Beginn auf dem Feld. Der 19-jährige startete engagiert und selbstbewusst mit einem selbst kreierten Wurf zum 5:4, aber auch etwas übereifrig, was ihm nach nur 3:20 Minuten das dritte Foul einbrachte.

Trotz der frühen Probleme auf dieser Position verlief das erste Viertel aber noch durchaus nach den Vorstellungen des Medi-Teams. Ihre Verteidigung bereitete den Münchnern einige Mühe, was vor allem bei einer Überschreitung der 24 Angriffssekunden deutlich wurde (6.). Als mit der Einwechslung von Frank Bartley eine offensive Option dazu kam, gelang sogar eine 15:9-Führung. Allerdings brachte auch der FC Bayern eine Verstärkung von der Bank, und zwar in Person von Jalen Reynolds. Der Center nutzte seine Möglichkeiten hochprozentig (am Ende 8/10 aus dem Feld) und dominierte vor allem in den Duellen mit Andreas Seiferth.

Die seltene Maßnahme von Trainer Korner, zu Beginn des zweiten Viertels Seiferth zusammen mit Dererk Pardon spielen zu lassen, war für die Abläufe im Angriff nicht hilfreich und nach dem dritten Foul des Bayreuther US-Centers (14.) auch schon wieder hinfällig. Dass es trotzdem zu diesem Zeitpunkt noch 26:26 stand, lag auch an der schwachen Dreier-Quote der Münchner (1/10 bei Halbzeit) und an der aufreizenden Lässigkeit ihres Spielmachers Wade Baldwin. Mit etwas mehr Intensität in der Defensive gelang dem Favoriten jedoch ein 16:1-Lauf zum 42:27, der noch vor der Pause für klare Verhältnisse sorgte. In dieser Phase leistete sich das Medi-Team einige Fehler und traf die wenigen guten Würfe nicht.

Ein wenig neue Energie nach dem Seitenwechsel brachte den Bayreuthern ein guter Start von Pardon, der im dritten Viertel zehn Punkte sammelte, und nicht zuletzt auch ein unsportliches Foul von Vladimir Lucic an Bruhnke, das fast einer Tätlichkeit nahe kam (24.). Der junge Bayreuther bekannte nach dem Spiel, den Bayern-Star mit Worten provoziert zu haben: „Mein Trainer hat gesagt, ich soll frech spielen – und das habe ich getan.“ Diese Episode trug dazu bei, den dritten Abschnitt offen zu halten (18:17). Als der ungebrochene Eifer des Medi-Teams aber im letzten Viertel schon nach 2:04 Minuten zum fünften Teamfoul geführt hatte, war keine weitere Resultatsverbesserung mehr drin.

Einzelkritik (von Florian Kirchner)

DERERK PARDON (18 Punkte / 23:26 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 2): Wie gegen Vechta bester Bayreuther. Stemmte sich mit viel Energie gegen die physische Überlegenheit der Münchner Centerriege und nutzte seine Chancen (5/7 aus dem Feld, 8/8 Freiwürfe). Highlight: zwei spektakuläre Blocks gegen Krämer und Johnson binnen zehn Sekunden Mitte des ersten Viertels. Einziger Bayreuther mit positiver Plus-Minus-Bilanz (+2); bester Effizienzwert (+22).

Nico Wenzl (0 / 1:05 / 0): Kam kurz vor Spielende zu seinem

neunten Saisoneinsatz.

Philip Jalalpoor (0 / 15:06 / -9): Konnte nicht an seine Top-Leistung gegen Vechta anknüpfen, was der Qualität seiner Gegenspieler geschuldet war.

KAY BRUHNKE (4 / 17:01 / 0): Startete für den nicht berücksichtigten Matt Tiby. Drei frühe Fouls verhinderten vermutlich eine noch längere Einsatzzeit. 1/3 Würfe, ein Rebound, aber drei Ballverluste.

BASTIAN DORETH (5 / 23:46 / -1): Der Kapitän blieb mit 2/6 Würfen und 3 Assists unter seinem Saisonschnitt. Kämpferisch wie immer ohne Tadel.

Andreas Seiferth (8 / 18:50 / -28): Der zuletzt formstarke Nationalcenter hatte an seiner ehemaligen Wirkungsstätte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Konnte die Physis der langen Münchner nicht „matchen“ und offensiv ohne Fortune (1/6 Würfe vor der Pause, am Ende 3/10), dazu drei Ballverluste. Schlechteste Plus/Minus-Bilanz.

Lazeric Jones (4 / 17:17 / -20): „Viel Schatten, wenig Licht“ charakterisiert den Auftritt des US-Spielmachers, der den positiven Trend der zurückliegenden Wochen nicht bestätigen konnte. Magere vier Punkte (2/7 Würfe), zwei Ballverluste und kein einziger Assist.

Johannes Krug: Nicht eingesetzt.

DAVID WALKER (4 / 26:20 / -12): Eröffnete die Bayreuther Korbjagd von der Dreierlinie, hatte damit sein Pulver aber offenbar verschossen. Weitere fünf Versuche verfehlten zuweilen deutlich ihr Ziel. Auch defensiv diesmal mit wenig Effekt.

Frank Bartley (11 / 26:05 / -22): Erzielte in den ersten zehn Minuten neun Punkte ohne Fehlversuch. Hatte damit das Interesse der Münchner Defensive auf sich gezogen, die ihm nur noch einen weiteren Korberfolg gestattete.

OSVALDAS OLISEVICIUS (8 /31:04 / -15): Von Lucic stark verteidigt fand der Litauer keinen Rhythmus, mühte sich dennoch zu acht Punkten (2/6), fünf Rebounds und vier Ballgewinnen.

Bayern München

George (0 Punkte / 6:12 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 3), BALDWIN (10 / 18:55 / 7), Krämer (0 / 6:28 / -4), Reynolds (18 / 20:58 / 16), LUCIC (2 / 19:05 / 5), Flaccadori (10 / 26:48 / 20), AMAIZE (1 / 4:32 / -1), Zipser (19 / 24:38 / 26), JOHNSON (13 / 23:17 / 10), Sisko (2 / 22:16 / 16), RADOSEVIC (3 / 14:12 / -5), Grant (5 / 12:39 / 12); Feldwurfquote: 30/55 (55 Prozent), davon 3/20 Dreier (15 Prozent): Zipser (3/4); Freiwürfe: 20/25 (80 Prozent); Rebounds: 27 defensiv, 6 offensiv (Johnson 5/1); Assists: 21 (Sisko 6); Ballgewinne: 7; Ballverluste: 13 (Baldwin 5); Effektivität: 103 (Reynolds 28, Zipser 23, Johnson 19).

Medi Bayreuth

Feld wurfquote: 21/58 (36 Prozent), davon 3/20 Dreier (15 Prozent): Doreth (1/2), Walker (1/6), Bartley (1/6); Freiwürfe: 17/18 (94 Prozent); Rebounds: 18 defensiv, 11 offensiv (Pardon 2/3, Olisevicius 5/0); Assists: 11; Ballgewinne: 8 (Olisevicius 4); Ballverluste: 18 (Olisevicius 5); Effektivität: 56 (Pardon 22, Bartley 14, Olisevicius 10).

SR: Fritz, Anne Panther, Barth.

Stationen: 9:15 (6.), 17:17 (9.), 18:19 (1. Viertel), 26:26 (15.), 42:27 (20.), 44:29 (Halbzeit), 48:39 (24.), 61:43 (29.), 61:47 (3. Viertel), 81:57 (37.), 83:62 (Ende).

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