60 Jahre bei Schlenck „Die Arbeit hält mich jung“

Inhaberin Claudia Ebert gratuliert Manfred Freudenberg zu 60 Jahren bei der Firma Schlenck. Der Elektro-Meister zeigt das Lohnbuch, in dem sein Eintritt in die Firma als Lehrling am 1. August 1961 vermerkt ist. Foto: Ralf Münch

Dass Mitarbeiter für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit geehrt werden, das kommt durchaus noch öfter vor. 50 Jahre sind schon deutlich seltener. Aber 60 Jahre? Manfred Freudenberg ist genau diese sechs Jahrzehnte bei der Unternehmensgruppe Schlenck beschäftigt. Sein Wahlspruch: „Arbeit hält mich jung.“ Der Ruhestand kann warten.

Bayreuth - An seinen ersten Arbeitstag als Auszubildender oder Stift, wie das damals hieß, kann sich Manfred Freudenberg noch genau erinnern. „Ich bin gleich mit auf eine Baustelle in der Friedensstraße, durfte ein paar Lichtschalter montieren“, sprudelt es aus dem drahtigen Mann heraus. Erst 13 war er damals. „Das war damals ganz normal, gleich nach der Volksschule ging’s los.“

Apropos Schalter – die montiert der junge Manfred Freudenberg auch ein paar Wochen später in der Landwirtschaftsschule in der Adolf-Wächter-Straße. „Die haben bis jetzt funktioniert“, sagt er lachend, aber auch mit spürbarem Stolz. Gerade wurde der Bau renoviert, auch neue Schalter wurden eingebaut. Der Projektleiter? Freudenberg. Eine Art Klammer für die 60 Jahre.

Unverzichtbar

Zu denen wohl noch das eine oder andere hinzukommen wird. Zwischen vier und sechs Stunden ist der Elektromeister am Tag noch auf Baustellen oder im Büro. „Wir können auf ihn einfach nicht verzichten“, sagt Geschäftsführerin Claudia Ebert: „Er ist die Seele des Unternehmens, ein Vorbild und Motivation für die Jungen, man kann sich immer auf ihn verlassen. Und viele langjährige und wichtige Kunden wollen einfach, dass er bei ihren Projekten noch mitwirkt.“

Dass er einmal Elektrotechniker werden will, das war Manfred Freudenberg früh klar. Schließlich war auch sein Vater schon Elektromeister bei Schlenck. Als der nach dem Umzug aus dem Goldkronacher Ortsteil Kottersreuth, wo Freudenberg geboren ist, in die Bayreuther Hammerstatt die neue Wohnung elektrotechnisch auf Vordermann bringt, hilft der Sohn bereits fleißig mit. Und tritt dann eben bei Schlenck an, macht seinen Meister und die Mittlere Reife, übernimmt Führungsaufgaben und leitet schließlich im Unternehmen den Bereich Elektro.

Gut 300 Auszubildende betreut

Gut 300 Auszubildende hat er mittlerweile betreut, schätzt Claudia Ebert. Viele Gute seien dabei, sagt Freudenberg. Aber dem einen oder anderen müsse man auch erst mal die richtigen Umgangsformen beibringen, die draußen beim Kunden gefragt sind. Und bei der Motivation hapere es auch schon mal.

So wie früher zu seiner Anfangszeit müsse es ja nicht mehr unbedingt sein. 50 Stunden pro Woche im Schnitt und 44 Samstage, an denen er im zweiten Lehrjahr gearbeitet hat, weist das alte Lohnbuch aus, das Claudia Ebert herausgesucht hat.

Mit Leiterwagen und Fahrrad

Und dann erzählt schon wieder eine Anekdote - von den Leiterwagen, mit denen die Gesellen und Lehrlinge früher das Material zu den Baustellen geschafft hätten. „Als wir mal Gips durch die Stadt transportiert haben, ist am Leiterwagen die Achse gebrochen. Direkt vor der Hof-Apotheke. Und ein Sack ist natürlich aufgeplatzt. Da mussten wir ganz schön kehren, bis das wieder sauber war.“

Zur Baustelle seien die Gesellen mit dem Fahrrad gefahren, hätten das Werkzeug auf dem Gepäckträger transportiert. „Mopeds hatten nur die Meister.“ Und in der ganzen Firma gab es nur ein einziges Auto – einen Ford 17M Kombi.

„Aber es hat mir halt immer Spaß gemacht, so wie heute auch noch“, versichert Freudenberg. Auch weil man sich stets fortbilden musste, um mit den sich immer schneller ändernden Anforderungen mithalten zu können – etwa der Digitalisierung. „Aber das hält ja auch geistig rege.“

Kicken mit Bobby Breuer

Denn ums Geld geht es ihm schon lange nicht mehr. „Da frisst doch das meiste die Steuer, wenn man schon Rente bezieht“, sagt der 73-Jährige, der ein glühender Fan des FC Bayern München ist. „Schade, dass die SpVgg im Pokal nicht die Bayern zugelost bekommen hat. Da wär‘ ich schon hin.“

Doch Freudenberg, der früher oft auf dem Wäscheplatz vor dem Haus in der Hammerstatt mit der späteren Altstadt-Ikone Bobby Breuer kickte, der in der Wohnung drüber wohnte, ist auch selber noch sportlich aktiv. Wandern mit der Frau, mal ein bisschen Joggen, im Winter Skifahren und Schlittschuhlaufen – das hält ihn fit. „Ich habe keine Krankheiten. Nur ein bisschen Bluthochdruck. Der Arzt sagt, ich bin topfit. Wenn Bekannte sich über das eine oder andere Zipperlein unterhalten, kann ich gar nicht mitreden.“

Seit 40 Jahren an die Ostsee

Das gilt auch, wenn es um Fernreisen geht, die Freunde und Bekannte oft im Rentenalter gemacht haben. Denn Freudenberg ist noch nie geflogen, macht lieber seit 40 Jahren Urlaub an der Ostsee. Immer in Großenbrode, immer in einer Ferienwohnung direkt am Meer. Immer mit dem Auto. In wenigen Tagen geht’s wieder los.

Seinen 74. Geburtstag in drei Wochen wird er dort begehen. Den 75. will er dann groß feiern. „Das wird ja dann hoffentlich wieder möglich sein.“

Und, ist das vielleicht ein beruflicher Schlusspunkt? Da will sich Freudenberg noch nicht festlegen, nur so viel: „Mit 80 arbeite ich nicht mehr.“ Obwohl: So lange es Spaß macht …

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