50.000 Flüge: Held der goldenen Stunde

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Fliegt seit 36 Jahren viele Einsätze: Der Bayreuther Rettungshubschrauber Christoph 20. Zu seiner Besatzung gehören Rettungsassistent Bernd Potzel, Pilot Markus Schlaak und Notarzt Miroslav Svabl (von links). Foto: Eric Waha Foto: red

Wenn er startet, geht es um Leben und Tod. Und vor allem darum, den Notarzt so schnell wie möglich zum Patienten zu bringen: der Bayreuther Rettungshubschrauber Christoph 20. Seit 36 Jahren gibt es die Station, sie war eine der ersten, mit der die Luftrettung bundesweit etabliert wurde. Dieser Tage hat Christoph 20 eine denkwürdige Zahl erreicht: den 50.000. Flug.

 
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Die Beschreibung dieses Ereignisses geht vergleichsweise weit auseinander, trifft sich aber auf dem gleichen Nenner wieder: Während der Geschäftsführer der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung, Frédéric Bruder, in einer Mitteilung zitiert wird, sorge die Crew des Hubschraubers dafür, dass "die Notfallrettung für die Menschen in Nordbayern auf weltweit höchstem Niveau sichergestellt ist". Markus Schlaak, einer der drei Piloten und Co-Stationsleiter neben Daniel Hecht, formuliert das im Gespräch mit unserer Zeitung so: "Es ist für mich toll, wenn ich vom Fenster der Station aus einen super Tag sehe, an dem wir aber keinen einzigen Einsatz haben. Dann weiß ich, dass es den Leuten da draußen gut geht."

Einen Nuller gibt es sehr selten

"Einen Nuller", wie Schlaak es nennt, hat das Team von Christoph 20, zu dem Pilot, der Rettungsassistent - wie etwa Bernd Potzel - und der Notarzt, wie am Tag des Gesprächs mit dem Kurier Miroslav Svabl, gehören, selten. "In dem Jahr waren es drei Tage", sagt Schlaak: Am 31. August, am 24. Oktober und am 14. November. Meistens geht es Schlag auf Schlag, dass der Alarm reinkommt. Zwölf Einsätze waren die Maximalzahl in diesem Jahr. "Da drehen wir dann schon in der Luft zum nächsten Einsatz ab."

Teilweise bundesweit Spitze

Christoph 20 hat 1981, in seinem ersten Dienstjahr in Bayreuth, überschaubare 49 Einsätze geflogen. im Spitzenjahr 2014 waren es 1844. Teilweise flog der gelbe Hubschrauber bundesweit mit die meisten Einsätze. "Seit Beginn des neuen Jahrtausends haben sich die Zahlen auf einem sehr hohen Niveau stabilisiert", sagt Harald Burkhardt, der Geschäftsleiter des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach. Dass Christoph 20 in Bayreuth oft in der Luft ist, liegt daran, "dass er bei uns schon immer als Primär-Rettungsmittel eingesetzt wird, wenn es um den Notarzt geht", sagt Burkhardt. Nicht jedes Mal, wenn der Hubschrauber wieder zum Hangar in Nachbarschaft des Klinikums zurückkehrt, hat er einen Patienten an Bord. "Aber bodengebunden würde es oft zu lange dauern, den Notarzt zum Patienten zu bringen", sagt Burkhardt. Mehr als die Hälfte aller 54.444 Einsätze der 50 ADAC-Hubschrauber an 37 Stationen in Deutschland betrafen den Zubringerdienst des Notarztes zum Patienten, in knapp der Hälfte aller Einsätze lag ein internistischer Notfall zugrunde. Wie auch beim 50.000. Einsatz, den Daniel Hecht nach Püttlach flog.

Die goldene Stunde vom Notfall bis zum OP-Tisch

Denn der Hubschrauber stellt in vielen Fällen sicher, dass die "golden hour geschafft wird", wie Schlaak es formuliert. Die goldene Stunde zwischen Eintritt einer akuten medizinischen Indikation wie Schlaganfall oder Herzinfarkt oder eine schwere Unfallverletzung. "Ziel ist, den Patienten innerhalb einer Stunde auf dem Kathetertisch liegen zu haben", sagt Schlaak. "Wenn in Fichtelberg was passiert, dann kann das bodengebunden schon kritisch werden." Für Christoph 20 gilt die Faustregel: "Wir sind drei Mal schneller als ein Auto über Land." Vier Kilometer pro Minute legt der Hubschrauber zurück. Selbst der Transport des Notarztes vom Klinikum zur Weiterfahrt mit dem Rettungswagen am Roten Kreuz in der Hindenburgstraße "dauert nur drei Minuten, inklusive Landung und erneutem Start", sagt Schlaak. Mit dem Auto in dieser Zeit? Keine Chance.

Nächste Klinik? Kein Problem!

Gleiches gilt für die Entscheidung, welches Krankenhaus das beste für den Patienten ist: "Die Kliniken haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr spezialisiert", sagt Burkhardt. Für den Krankenwagen ist die Zielklinik oft eben nicht innerhalb der goldenen Stunde erreichbar. "Für den Hubschrauber ist es kein Problem, nach Kulmbach oder nach Nürnberg weiter zu fliegen." Etwa dann, wenn im Bayreuther Klinikum die nach Klinikum-Sprecher Frank Schmälzle "zeitgleich bis zu zwei schwerverletzte Patienten in einem speziell eingerichteten Schockraum" versorgt werden. Das Klinikum ist nur eines von zwei Traumazentren in Oberfranken, die durch die Ausstattung entsprechend eingerichtet sind.

Wetter, Tageszeit und Bauchgefühl

Doch der Einsatz des gelben Retters hat auch seine Grenzen: "Das Wetter", sagt Schlaak. Und die Tageszeit. Ab früh um 7 Uhr bis zum Sonnenuntergang ist der Hubschrauber einsatzbereit. Doch wenn etwa die Wolken zu dick über Bayreuth und der Region liegen, bleibt Christoph 20 am Boden. "Flugsicherheit ist das höchste Crew. Darüber entscheidet ausschließlich die Crew", sagt Schlaak. Zu der gehören laut Schmälzle 19 Notärzte aus dem Klinikum. Und: Jeder spricht bei der Entscheidung mit, sagt Schlaak. "Wir sprechen das immer offen an. Wir sind da, um zu helfen. Nicht um was zu riskieren."

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