3000 Kubikmeter pro Jahr in Bindlach Bürger: Kein Klärschlamm auf dem Acker

Von Christina Knorz und Sarah Bernhard

Die Ramsenthaler haben die Nase voll. Die Gemeinde Bindlach soll verhindern, dass jährlich tausende Kubikmeter Klärschlamm auf den Feldern landen. Die meisten Gemeinden im Landkreis lösen das Problem anders.

Ramsenthaler Bürger fordern, dass kein Klärschlamm mehr auf den Feldern ausgebracht wird. Foto: Archiv/Ingo Wagner, dpa Foto: red

Annelies Hübner hat sich ans Bindlacher Rathaus gewandt. Sie fordert im Namen des Gartenbauvereins Bürgermeister Gerald Kolb auf, Schluss zu machen mit den Fäkalien auf den Feldern. Die Bürger würden sich Sorgen machen über die Schäden an Umwelt und Gesundheit.  Die Belastung des Bodens und des Trinkwassers sei in ihrer Tragweite noch nicht abzusehen. "Die Entsorgungspraxis ist nicht hinnehmbar", sagt Hübner. Die Gemeinde müsse eine "umweltverträgliche Lösung" finden.

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"Auflagen werden eingehalten"

Der Brief ist im Rathaus eingeschlagen. Wie die Hinterlassenschaften der Bindlacher entsorgt werden, kam kurzfristig auf die Tagesordnung des Gemeinderats. Bürgermeister Kolb beeilt sich zu sagen, dass das Verfahren "strengen Auflagen" folgt und Bindlach "gesetzkonform handelt".

80.000 Euro dran verdient

In der zweitgrößten Gemeinde des Landkreises ist es nach wie vor Usus, dass der Klärschlamm auf die Felder gespritzt wird. 3000 Kubikmeter sind es jedes Jahr, mal 300 mehr oder weniger. Bindlach sei nicht stark gewachsen in den vergangenen zehn Jahren, sagt Verwaltungsleiter Karl-Heinz Maisel. Daher der stabile Wert. Die Gemeinde lässt sich die Entsorgung ihrer Reste auf diesem Weg im Jahr zirka 80.000 Euro kosten.

Es sind nur noch wenige Landwirte im Landkreis, die Klärschlamm auf ihre Felder bringen. Von den 1800 Bauern gerade mal 10 oder 15, sagt Dieter Reichstein vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Wer das macht, falle aus vielen Förderprogrammen heraus. Wer in den Klärschlammhandel einsteigt, mache das eher im großen Stil. "Wer es macht, macht es intensiv, damit es sich lohnt."

Krebserregende Stoffe

Das Verfahren, bis Klärschlamm ausgebracht werden darf, nennt Reichstein "gut überwacht". Boden und Klärschlamm müssten beprobt, Grenzwerte eingehalten werden. Schwermetalle und krebserregende Stoffe dürften nicht enthalten sein.

BBV-Kreisobmann Karl Lappe hält Klärschlamm auf Feldern, die Nahrungsmittel hervorbringen, für "nicht optimal". Wenn man für die Energiewirtschaft produziere, sei es unbedenklich. "Immer vorausgesetzt, dass die Grenzwerte eingehalten werden und der natürlich Kreislauf nicht gestört wird."

Klärschlamm verbrennen oder kompostieren

Im ganzen Landkreis kommen pro Jahr durschnittlich 9400 Kubikmeter Klärschlamm in fünf Gemeinden auf den Boden. Alle anderen lassen nach Angaben des Landratsamts ihre Reste verbrennen oder nutzen ihn zur Kompostierung oder Rekultivierung.

In Bindlach soll die Verwaltung jetzt prüfen, welche Alternativen es gibt. Bevor der Schlamm weggefahren, verbrannt oder abgelagert werden kann, müsse er gepresst werden, sagt Verwaltungsleiter Maisel. "Eine Presse ist teuer." Sie koste einen sechsstelligen Betrag. Neithard Prell (WG) regte an, eine gemeinschaftliche Lösung mit anderen Gemeinden anzustreben. "Vielleicht kann man eine mobile Presse kaufen." Die Gemeinde brauche sie schließlich nur an zwei Wochen im Jahr.

Speichersdorf denkt nach vorn

Speichersdorf hat schon vor über zehn Jahren damit aufgehört, seinen Klärschlamm auf die Felder zu verteilen, weil dessen Kadmiumgehalt weit über den Grenzwerten liegt. Stattdessen liefert die Gemeinde den übrigen Klärschlamm an eine Entsorgungsfirma aus Kemnath, die ihn verbrennt. 21.000 Euro kostet das pro 1000 Kubikmeter Schlamm, für Speichersdorf macht das rund 80.000 Euro im Jahr. Weshalb die Gemeinde, die ihre Kläranlage sowieso sanieren muss, darüber nachdenkt, einen eigenen Faulturm zu bauen. Mit ihm könnte man nicht nur Geld für die Entsorgung, sondern auch Stromkosten sparen: Über ein Blockheizkraftwerk könnte eigener Strom produziert werden. Eine Entscheidung steht noch aus.

Der Bindlacher Landwirt war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.