3000 Euro Preisgeld Kür für das Kaufplatz-Gelände

Nicole Wrodarczyk
Dr. Barbara Biella, Andreas Schobert und Elsbeth Oberhammer vom Verein Liebenswertes Kulmbach nehmen vom parlamentarischen Staatssekretär Sören Bartold (rechts) die Urkunde entgegen Foto: Peter Himsel

In Berlin bekommt der Verein Liebenswertes Kulmbach einen Preis für die Gestaltung des leeren Areals. Wünsche für das neue Gelände hat er auch. Und für die Zukunft von Kulmbach.

Auf dem Burgspielplatz, Volleyball-Feld und der Boulebahn sind die Kulmbacher zusammengekommen und haben die freie Fläche für sich genutzt, heißt es bei der Preisvergabe. Vergangenen Freitag überreicht Staatssekretär Sören Bartold die Urkunde an Elsbeth Oberhammer (65), Vorsitzende des Vereins Liebeswertes Kulmbach. Davor kann sie sich kaum beruhigen. „Bei jedem Namen stieg die Spannung“, erzählt Oberhammer. In der Kategorie „Begegnung“, in der das Kulmbacher Projekt nominiert ist, gibt es 113 Einreichungen. Alle zwölf Gewinner werden nacheinander aufgerufen und auf die Bühne gebeten.

Im Fritz-Reuter-Haus, dem Sitz des Ministeriums für Bauen und Wohnen, herrscht festliche Stimmung. Die Preisträger aus ganz Deutschland sind laut Oberhammer „inspirierend und spannend“. Zum siebten Mal findet der Wettbewerb „Menschen und Erfolge“ statt, ein Projekt der nationalen Stadtentwicklungspolitik. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Neues Füreinander in der Mitte“.

Es sollen Initiativen ausgezeichnet werden, die mit ihrem Engagement den ländlichen Bereich sichtbar machen, ihm Wertschätzung geben. Und die ihre gewonnenen Erfahrungen weitergeben, zum Nachahmen und Weiterentwickeln. Zentrales Ziel ist laut Oberhammer dabei „die Möglichkeit Gemeinschaft zu leben und zu erleben.“

Im Projekt „Gestaltung des Kaufplatz Geländes“ wurde ihrer Ansicht nach ein Ort der Begegnung in Kulmbach entworfen. Durch die verschiedenen Sitz-Elemente, die Boulebahn und den Burgspielplatz. „Im Sommer war es schön zu beobachten, dass alle Elemente – nicht nur der Spielplatz, sondern auch das Volleyballfeld und die Boulebahn – so gut angenommen wurden“, erzählt Oberhammer. Selbst die schweren Sitzbänke hätten die Kulmbacher zusammengestellt, weil sie zusammensitzen wollten. „Das hat uns sehr glücklich gemacht.“

Was besonders gut funktioniert habe, war das Urban Gardening der Studenten der Universität Bayreuth: „Die Pflanzen sind trotz der Hitze so gut gewachsen. Das war einfach schön.“ Wie die Initiative das Preisgeld von 3000 Euro nutzen möchte, will die Vorsitzende noch nicht verraten. „Wir haben einige Projekte vor fürs kommende Jahr, um Kulmbach noch schöner zu gestalten.“

Die vorübergehende Lösung, die nun ausgezeichnet wurde, wird in den kommenden Jahren durch die Gestaltung der Architektengesellschaft CKRS ersetzt. In einem Gestaltungswettbewerb setzten sie sich mit ihrer Idee durch: Mit fünf kompakten Bauvolumen und zwei Stadträumen, die an die Altstadt andocken, soll das Kaufplatz-Areal zur grünen Oase werden.

Platz für Begegnung

Der Preisträger ist auch Oberhammers persönlicher Favorit: „Weil es den weißen Main so zugänglich macht. Ein bisschen weniger Bebauung wäre schön gewesen, aber von den drei Finalisten hat der beste gewonnen.“ Jetzt komme es drauf an wie massiv die Häuser gebaut werden. Hier habe der Verein einen Wunsch: „Die Elemente, die jetzt so gut funktioniert haben, sollten miteinbezogen werden.“ Vielleicht in die Grünflächen, kann sich Oberhammer vorstellen. Die Boulebahn ließe sich übernehmen, der Burgspielplatz sei aber zu groß. Der würde gut in den Grünzug im Ruster Garten passen, zusammen mit dem Wasserspielplatz. „Dort hätte er auch einen Bezug zur Plassenburg.“

Das Wichtigste sei jedoch, Platz für Begegnungen zu lassen. Das bräuchten die Kulmbacher für die Innenstadt-Belebung. „Wir brauchen Plätze, wo wir uns aufhalten können. Nur reinfahren, einkaufen, rausfahren: Das funktioniert schon lange nicht mehr.“ Ein gutes Beispiel dafür habe Oberhammer bei der Preisverleihung gesehen: Die Stadt Leipzig habe es sich mit der „Leipzig-Carta“ zur Aufgabe gemacht, eine soziale Innenstadt zu werden. Das soll vor allem beim Wohnen zu tragen kommen. Auf der Webseite der Stadt Leipzig heißt es, im Fokus stehe unter anderem das altersgerechte Wohnen. Außerdem soll Wohnen gerecht und bezahlbar sein, sich aber auch weiterentwickeln. „Wir sollten uns Gedanken darüber machen, was uns unsere Stadt bringen soll. Was braucht es, damit die Bürger wieder mehr in die Innenstädte gehen?“, fragt sich auch Elsbeth Oberhammer. Sie erwartet wegen des Kulmbacher Campus der Universität mehr junge Menschen in der Stadt zu sehen. „Denen sollte etwas geboten werden.“ Zudem sei das Stadtklima in Zukunft wichtig. Grüne Fläche, schattige Bäume, genug Platz: „Damit auch mal ein frischer Wind durch Kulmbach weht.“

 

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