3,7 Millionen Euro wanderten durch ein Firmengeflecht, hinter dem ein Freund des Hauptangeklagten steckt 2:0 für die Anklage im NKD-Prozess

Von Manfred Scherer

Im Prozess um die Millionenuntreue beim Bindlacher Textildiscounter NKD hat die Anklage ihre mächtigste Waffe scharf gemacht. Die Geldwäsche-Ermittlungen der Staatsanwaltschaft legen ein verzweigtes, internationales Firmengeflecht bloß, durch das die laut Anklage veruntreuten 3,7 Millionen Euro sickerten. Ein Teil des Geldes floss offenbar zurück zum Hauptangeklagten, den ehemaligen NKD-Chef Michael Krause.

Finanzermittler belastet Hauptangeklagten im NKD-Untreueprozess. Foto: Archiv Foto: red

Sie studierten an derselben Manager-Schule in England: der 38-jährige Michael Krause und sein zwei Jahre jüngerer Jugendfreund Michael J. Krause machte Karriere in Deutschland, war bei bekannten Unternehmen wie Peek & Cloppenburg oder Arcandor, wurde Manager des Jahres und im August 2011 Geschäftsführer der NKD in Bindlach. Michael J. war, so sagte es Krause selbst, im Ausland tätig.

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Zwischen Mitte April und Mitte Oktober 2012 wurden von NKD-Konten insgesamt 3,7 Millionen Euro erst auf das Konto der Auslandstochter Sunfortune in Hongkong überwiesen und von dort auf das Konto einer in Zypern sitzenden Firma namens Zarando transferiert – laut Anklage auf Anweisung Krauses. Krause wurde am 11. Juli 2013 wegen Verdachts der schweren Untreue verhaftet.

Seither sitzt der in Untersuchungshaft und mit Beginn des Prozesses kämpft er mit Zähnen und Klauen gegen die Vorwürfe. Er verteidigt sich so: Die 3,7 Millionen dienten dem Einkauf von Geheiminformationen über Hersteller- und Wettbewerberpreise. Mit den Informationen will er die Einkaufspreise des in Schieflage geratenen Bindlacher Textilunternehmens gewinnbringend gedrückt haben. Beweise für die eingekauften Informationen konnte Krause nicht nennen – der Geheimdeal mit dem korrupten Informanten sah angeblich vor, dass die Unterlagen zu vernichten seien.

Im Gegensatz zu Krause liefert die Hofer Wirtschaftsstaatsanwaltschaft Fakten: Nachdem vor vier Wochen ein verräterischer Kassiber Krauses im Prozess verlesen wurde, aus dem hervorgeht, wie Krause seine Verteidigung gestalten wollte, nämlich mit möglicher Zeugenbestechung und zugehörigen entlastenden „Legenden“, präsentierten die Wirtschaftsstaatsanwälte Staatsanwälte Uwe Demuth und Peter Glocker am 33. Prozesstag am Dienstag jenes Damoklesschwert, das schon seit Monaten über dem Hauptangeklagten Krause schwebt: das Ergebnis der Finanzermittlungen, wohin die 3,7 Millionen vom Konto der Zarando verschwanden.

Erläutert wurden die Ergebnisse von einem Kriminalbeamten der Kriminalpolizei für Zentralaufgaben (KPI/Z), der ehemaligen OK-Dienstelle in Bayreuth. Die Finanzermittler waren Ende Juli 2013, also kurz nach Krauses Verhaftung, aufgrund von Geldwäscheverdachtsmeldungen der Sparkasse Bayreuth und der Deutschen Bank tätig geworden. Der Zeuge und seine Kollegen hatten internationale Handelsregister durchforstet, Kontoauszüge ausgewertet, Unterlagen aus erfolgreichen Rechtshilfeersuchen gesichtet, beschlagnahmte Akten gelesen. Das Ergebnis: Zentrale Figur der Ermittlungsergebnisse ist nämlich Krauses Jugendfreund Michael J. Er steckt sowohl hinter der Beratungsfirma Zarando in Zypern, als auch hinter diversen anderen Firmen, an die von der Zarando Gelder weitertransferiert wurden. Die Spezialisten der Abteilung Finanzermittlungen fanden heraus, dass einige der Firmen nur wenige Tage vor der ersten der vier in rede stehenden Überweisungen gegründet worden waren. Zum Teil hatten die Firmen Strohmänner oder Strohfrauen als Direktoren – im Hintergrund zog Michael J. die Fäden. Der Zeuge: „Die Geschäftsführerin der Zarando war vorgeschoben. Sie hatte drei Monate Vertrag.“ Weitere Beteiligte sollen die Mutter von Michael J. gewesen sein und ein 52-jähriger, ehemaliger Arcandor-Manager namens Serdan J. Der war im Oktober als Zeuge in Hof – und berief sich im Zeugenstand zum größten Teil auf sein Aussageverweigerungsrecht als Beschuldigter im Geldwäscheverfahren. Michael J. war knapp einen Monat in Dubai inhaftiert gewesen, kam aber wieder auf freien Fuß. Seine Anwältin hat zwischenzeitlich eine Interviewanfrage dieser Zeitung zurückgewiesen.

Anhand der Bewegungen auf den Privatkonten von Michael Krause gehen die Finanzermittler davon aus, dass der Hauptangeklagte Krause aus dem Firmengeflecht seines Freundes Michael J. insgesamt 1,6 Millionen Euro erhalten hat. 1,2 Millionen sollen für den Kauf einer Villa in Berlin verwendet worden sein. Rund 100 000 Euro leitete Krause ans Finanzamt weiter und bezahlte damit Grunderwerbssteuer. 300 000 Euro überwies Krause an die NKD, als Rückzahlung eines Arbeitgeberdarlehens.

Die Ermittlungen der KPI/Z ergaben auch, dass die 3,7 Millionen offenbar nicht der erste Fall war, in dem die Manager-Clique um Krause und Michael J. Geld aus der NKD herausholte. Eine im schweizerischen Zug ansässige Beratungsfirma namens „IndEx Consulting“ hatte der NKD eine Rechnung über 1,2 Millionen Euro für Beratungsleistung geschickt. Das Geld erstattete „IndEx“ kommentarlos zurück, als NKD-intern moniert wurde, dass für die 1,2 Millionen keine Leistung erkennbar seien.

Eine Bande von Wirtschaftsverbrechern also, die es darauf angelegt hatte, die NKD unbemerkt auszunehmen? Die Vernehmung des Finanzermittlers wird am Donnerstag fortgesetzt – man darf gespannt sein, wie die Krause-Verteidigung dem Damoklesschwert ausweichen will.

Entlastend war die Zeugenaussage für den Mitangeklagten Prokuristen Uwe K. Er bekam aus dem Firmengeflecht von Michael J. keinen Cent.